Eine Maskenpflicht besteht auch an Lüner Schulen nicht, sie wurde offiziell aufgehoben. Zwei Mütter haben dennoch Sorge, dass ihre Kinder unter Druck stehen, eine Maske zu tragen.

Lünen

, 02.09.2020, 20:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die beiden Mütter, die sich mit ihren Sorgen an die Redaktion gewendet haben, möchten anonym bleiben. Sie fürchten negative Folgen für ihre Kinder, weil das Thema so emotional sei: Seit Dienstag, 1. September, ist durch Erlass des NRW-Schulministeriums die Maskenpflicht an den weiterführenden Schulen aufgehoben worden. Viele Schulleiter auch in Lünen wünschen sich dennoch, dass die Schüler weiter den Mund-Nasen-Schutz tragen.

Die Mutter eines Schulkindes am Gymnasium Altlünen sagt: „Das fängt an, mir wirklich Angst zu machen.“ Den Kindern sei in der Schule aufgezeigt worden, welch schwerwiegende Folgen eine Corona-Infektion haben könnte, dass Menschen schwer krank werden oder sterben könnten. Und dass ein Mund-Nasen-Schutz das verhindern könnte. „Was macht das mit der Psyche eines Kindes, wenn diese Verantwortung in seine Hände gegeben wird?“, fragt sie.

Wer keine Maske trägt, sitzt hinten

Am Gymnasium Altlünen müssen Kinder, die keine Schutzmaske tragen, ihren Platz verlassen und sich nach hinten setzen. „Das sind die Schmuddelkinder“, sagt die Frau, die Belastungssituation sei „kaum aushaltbar“. Mit einer Durchsage seien am Dienstagmorgen explizit die Kinder herzlich begrüßt worden, die bereit seien, freiwillig einen Mundschutz zu tragen.

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„Wenn das so gewesen sein soll, dann war das so nicht intendiert“, sagt Reiner Hohl, Schulleiter am Gymnasium Altlünen, zu dem letzten Punkt. Dass ein gewisser Druck herrsche, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen, könne man nicht ausschließen, er könne diesen Eindruck sogar nachvollziehen: „Ich habe aber auch eine Verantwortung der Mehrheit der Schulgemeinde gegenüber.“

Und diese Mehrheit, das ist sein Eindruck, befürwortet das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes. Angehende Abiturientinnen und Abiturienten hätten Angst um ihre Prüfungen, andere Schüler um vorerkrankte Angehörige oder schlicht um die eigene Gesundheit.

„Wir machen uns das nicht einfach“

Er habe Verständnis für die Einwände: „Es geht aber um die Abwägung zweier Übel. Wir machen uns das nicht einfach.“ Und: „Vielleicht gehört es auch dazu, dass man in Konfliktsituationen akzeptiert, dass eine Minderheitenmeinung sich an der Stelle nicht durchsetzen kann, sondern der Schutz der Allgemeinheit vorgeht.“ Die Verantwortung, sagt Hohl, liege nie bei den Kindern, sondern bei ihm. Er bestätigt, dass Kinder ohne Mund-Nasen-Schutz in den Klassen hinten sitzen müssten. Das sei aber explizit nicht als Strafe, sondern als Schutzmaßnahme zu verstehen, weil nur so die nötigen Abstände eingehalten werden könnten. Schülersprecherin Ruth Kirschbaum hält diese Regelung für eine gute Maßnahme, sie sei auch mit Eltern-, Lehrer- und Schülervertretern abgesprochen worden. Dass Druck auf die Schülerinnen und Schüler aufgebaut wird, empfinde sie nicht so: „Weil jeder weiterhin die Wahl hat, ob er einen Mund-Nasen-Schutz tragen will oder nicht.“ Sie persönlich finde es gut, dass empfohlen wird, sich und andere in der Schule weiter zu schützen.

Mutter klagt: Es wird nach Emotionen entschieden

Dass die Abstände durch Umsetzen etwas bringen, bezweifelt eine Mutter zweier Kinder, die die Geschwister-Scholl-Gesamtschule besuchen. Sie ist selbst Ärztin, alles andere als eine Corona-Leugnerin und vertraut mit der Materie. „Wer sich schützen will, soll das tun“, sagt sie. Aber gerade bei Risikopersonen werde der Schutz nicht über eine normale Maske generiert. „Für die Kleineren ist es eine Zumutung, neun Stunden lang eine Maske zu tragen.“

Ihre eigenen Kinder klagten über Kopfschmerzen und Müdigkeit. „Mich stört, dass wir nicht nach Fakten gucken, sondern nach Emotionen entschieden wird.“ Die Inzidenz sei gerade niedrig.

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Die Geschwister-Scholl-Gesamtschule hat in einer Art Moratorium die Schülerinnen und Schüler dazu aufgefordert, die Masken noch zwei weitere Tage zu tragen, erklärt Schulleiter Christian Gröne. In der Zwischenzeit hat er eine Umfrage unter Schülerinnen und Schülern und deren Eltern gestartet, um ein Stimmungsbild in der Schulgemeinschaft zu erstellen. Auch auf dieser Grundlage will er dann ab Donnerstag entscheiden, wie es mit dem Thema Mundschutz an der Schule weitergeht.

Masken nur in bestimmten Klassen

In der Umfrage heißt es unter anderem: „Wärst du bereit, weiterhin im Unterricht eine Maske zu tragen, wenn du dadurch eine Person in deiner Klasse besser schützen kannst?“ Die Mutter hält das für „tendenziös“, man könne davon ausgehen, dass dort niemand „nein“ wählen wolle.

Gröne sieht das anders, es gebe verschiedene Varianten, die in der Folge umgesetzt werden könnten. Möglich wäre eine Maskenpflicht beispielsweise nur in Klassen mit Risikopersonen oder bei älteren Jugendlichen, die weniger in einem geschlossenen Klassenverband unterrichtet werden. Es ginge, sagt Gröne, nicht darum, was er sich vorstelle, sondern um die Lösung, die sich die Mehrheit wünsche.

Eine richtige Pflicht zum Mundschutz darf übrigens keine Schule mehr einführen, Vom Schulministerium hieß es Ende August lediglich: „Schulen können sich im Einvernehmen mit der Schulgemeinde darauf verständigen, freiwillig auch weiterhin im Unterricht eine Mund-Nase-Bedeckung zu tragen.“

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