Werden Sie zum Stadtführer in der Lüner Innenstadt

Tour für den Weihnachtsbesuch

Wenn zu Weihnachten Besuch kommt, könnte ein Stadtspaziergang ein Programmpunkt sein. Gästeführer Werner Tischer sagt, was sehenswert ist. Dabei erfahren Sie auch, warum Steine Leben retten konnten.

Lünen

, 21.12.2017, 17:00 Uhr / Lesedauer: 1 min
Ein Blick ins alte Quartier an der Mauerstraße.

Ein Blick ins alte Quartier an der Mauerstraße. © Foto: Magdalene Quiring-Lategahn

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Weihnachtsspaziergang

21.12.2017
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Die alte Handelsstraße: Der kleine Stadtspaziergang beginnt bei den Ochsen gegenüber der Persiluhr. Gästeführer Werner Tischer findet die beliebten Bronzeskulpturen wichtig. Sie erinnern an die alte Handelsstraße, die durch das mittelalterliche Lünen vom Norden Europas bis Köln und weiter in den Süden führte. Lünen war als Hansestadt ein markanter Punkt. Es gab auch eine Zollstelle. Der Förderverein für Kunst und Kultur hat die Ochsengruppe 1990 aufstellen lassen.© Foto: Magdalene Quiring-Lategahn
Das dunkle Kapitel: Weiter geht es über die Lippe zum Jüdischen Mahnmal. Das Kunstwerk mit den vier Säulen ist Werner Tischer wichtig. Sie erinnern an jüdische Mitbürger. Albert Bruch und Siegmund Kniebel sind während der Pogromnacht 1938 in Lünen-Süd erschossen worden, Waldemar Elsoffer wurde in die Lippe getrieben. Bernhard Samson starb an den Folgen von Misshandlungen. Die Säulen haben eine spiegelende Oberfläche: „Wer genau hinschaut, sieht sich selbst“, erklärt Tischer.© Foto: Magdalene Quiring-Lategahn
Die Madonna: Am anderen Lippeufer entlang steuert Werner Tischer auf die St.-Marien-Kirche in der Altstadt zu. Hier ist die Keimzelle Lünens, bevor der Graf von der Mark 1336 die Stadt an das südliche Ufer verlegte. In der Wallfahrtskirche befindet sich die Altlüner Madonna aus dem 13. Jahrhundert. Die St.-Marien-Kirche wurde von 1894 bis 1896 gebaut, vorher gab es dort bereits eine romanische Kirche. Unweit der Salford-Brücke war früher an der Lippe eine Furt, die einen wichtigen Übergang markierte.© Foto: Magdalene Quiring-Lategahn
Die Schmarotzerhäuser: Jetzt lenkt Werner Tischer seine Schritte über die Salford-Brücke Richtung Wallgang. Der Name stammt von dem alten Wall der Stadtmauer. Auch die Mauerstraße erinnert an die Befestigung. Hier stehen sogenannte „Schmarotzerhäuser“ aus Fachwerk. Sie heißen so, weil sie mit der Rückseite direkt an die Stadtmauer gebaut wurden. „In der Mauerstraße wohnten einst die weniger Betuchten. Hier gab es auch eine Herberge zur Heimat für Menschen, die umherzogen“, so Tischer.© Foto: Magdalene Quiring-Lategahn
Der Unterschied der Dächer: Sehenswert findet Werner Tischer auch einen Blick in die Silberstraße. Hier wohnten die Ackerbürger, die ihre Äcker außerhalb der Stadt hatten. Werner Tischer lenkt den Blick des Betrachters auf die Dächer: In der Mauerstraße neigen sich diese zur Straße, sodass der Regen direkt auf das Pflaster lief. In der Silberstraße sind die Häuser so gebaut, dass das Wasser zu den Seiten ablaufen kann. Markantes Gebäude ist der „Ackerbürger“, gebaut 1664.© Foto: Magdalene Quiring-Lategahn
Die verschiedenen Ebenen: Nächster Punkt ist die Stadtkirche St. Georg unweit des Alten Marktes. Hier war früher das Zentrum der 1336 neu aufgebauten Stadt Lünen. „Die wurde auf dem Reißbrett geplant“, berichtet Tischer. Kirchen waren früher meist der höchste Punkt einer Stadt. Zur Stadtkirche führen allerdings Stufen hinunter. Das hatte mit verheerenden Bränden zu tun, so Tischer. Auf dem abgebrannten Material wurde immer wieder um die Kirche herum neu aufgebaut.© Foto: Magdalene Quiring-Lategahn
Die gusseisernen Säulen: Am Gebäude Lange Straße 59 weist Werner Tischer auf die gusseisernen Säulen an der Fassade hin. Sie stammen aus Lüner Produktion. 1826 wurde die Gewerkschaft Eisenhütte Westfalia, das erste Eisenwerk in der Stadt, gegründet. Der Zeitgeschmack hatte sich geändert, beschreibt Tischer. Fachwerk war nicht mehr „in“. Manche Lüner bauten einfach neue Fassaden vor die alten Balken. Zu sehen ist das zwischen den Häusern Brauhaus Drei Linden und Musikhaus Herzing.© Foto: Magdalene Quiring-Lategahn
Die rettenden Steine: Etwas weiter nördlich auf der rechten Seite vor der Lippe befindet sich die Ringstraße. Einen Abstecher dorthin hinein hält Werner Tischer für sehenswert. Denn hier stehen noch einige der „Einraumhäuser“, kleine Fachwerkbauten mit einer Kammer. Auffällig sind die großen Steine vor den Häusern. Sie wurden einst für Passanten dort hingelegt, damit sie sich in der schmalen Straße vor den vorbeiratternden Fuhrwerken in Sicherheit bringen konnten.© Foto: Magdalene Quiring-Lategahn
Der wichtige Straßenknick: Zum Schluss des Stadtspaziergangs weist Werner Tischer auf ein interessantes Detail hin: Wer von der Lippebrücke aus in die Lange Straße schaut, kann nicht weit sehen. Die Straße macht einen Knick. Das hat seinen Grund. Als der Graf von der Mark 1336 die Stadt verlegt, hat er alle Wegeverbindungen wie auf dem Reißbrett geplant – auch die Lange Straße. Da die Feinde meist aus dem Norden kamen, sollten sie sie nicht von Weitem in die Stadt (lange Straße) schauen können. Daher der Knick.© Foto: Magdalene Quiring-Lategahn

Stadtführungen Die Sonntagsführungen für Jedermann der Stadt starten erst im Mai 2018 wieder. Wer sich für eine individuelle Führung interessiert, bekommt hier mehr Informationen.
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