Wie "Lüdia" zu ihrem Namen kam

Horst Engel erinnert sich

Der Gedanke an Lüdia kam ihm morgens. Es war kurz nach 6 Uhr, gleich nach dem Aufwachen. Vielleicht war sie in der Nacht zu ihm gekommen, vielleicht hatte er von Lüdia geträumt, wer weiß, er erinnert sich nicht. Aber klar war: Sie ist es. Wenig später griff Horst Engel zum Telefon.

LÜNEN

von Von Nico Drimecker

, 27.10.2011, 15:11 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der Künstler Horst Engel vor seinem Werk: Stillen im Kollektiv.

Der Künstler Horst Engel vor seinem Werk: Stillen im Kollektiv.

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Die Kunst des Horst Engel

Horst Engel ist der Erfinder des Namens "Lüdia", ein Wortspiel aus dem Stadt- und einem weiblichen Vornamen. Auch sonst arbeitet der Künstler in seinem Atelier mit Wortspielen.
27.10.2011
/
Der Künstler Horst Engel verbindet in seinen Werken Objektkunst und Wortspiele.
Zu seinem Werk "Stillen im Kollektiv" gehört eine Kurzgeschichte: "Auf der Moskaunale wurde das Werk 'Stillen im Kollektiv' als bester Kurzfilm ausgezeichnet. Der zweiminütige Film zeigt 10.000 russische Mütter, die in einem Fußballstadion im Sitzen ihre Babys stillen.

Mit zwölf Iwans für die beste Kameraführung und mit sechs Iwans für herausragenden Kostüme wurde 'Stillen im Kollektiv' zum höchstdotierten Kurzfilm gewählt.

Für ihre besonders kollektive Körperhaltung (aufrechtes Hohlkreuz) während der Dreharbeiten wurde Ludmilla Nowajana mit einem Extra- Igor belohnt."© Foto: Nico Drimecker
Stillen im Kollektiv: "Auf der Moskaunale wurde das Werk 'Stillen im Kollektiv' als bester Kurzfilm ausgezeichnet. Der zweiminütige Film zeigt 10.000 russische Mütter, die in einem Fußballstadion im Sitzen ihre Babys stillen.

Mit zwölf Iwans für die beste Kameraführung und mit sechs Iwans für herausragenden Kostüme wurde 'Stillen im Kollektiv' zum höchstdotierten Kurzfilm gewählt.

Für ihre besonders kollektive Körperhaltung (aufrechtes Hohlkreuz) während der Dreharbeiten wurde Ludmilla Nowajana mit einem Extra- Igor belohnt."
Das Werk "Nudoku" ist die Horst Engel'sche Mischung aus dem Spiel Sudoku und Nudeln.© Foto: Nico Drimecker
Eine Uhr, deren Zeiger aus roten Gummibären bestehen, und die Erdbeeren statt Ziffern hat. Name des Werks: "Erdbärzeit".© Foto: Nico Drimecker
"Das Doppelkomma" von Horst Engel: "In einer europäischen Langzeitstudie die sich mit der Grammatiksicherheit aller EU-Bürger befasste wurde festgestellt dass die deutschen Bürger am häufigsten vergessen das Komma zu setzen.

Die Bundesregierung hat auf Geheiß der europäischen Kultusministerkonferenz beschlossen in einem regionalem Feldversuch zu testen ob die Menschen durch das Angebot eines zusätzlichen Kommas also eines Doppelkommas größere Sicherheit in der Rechtschreibung respektive der Interpunktion erzielen zu können.

So könnte bei ganz eindeutigen Sätzen die ein Komma benötigen das Doppelkomma bei Sätzen wo sich der Deutsche unsicher ist immerhin noch auf das Einfachkomma zurückgegriffen werden.

Zunächst werden Saarbrücken und Moers in einem kommunalen Test die Praktikabilität und Einsatzmöglichkeiten für zehn Jahre testen.

Sollte Deutschland den europäischen Standard von 141 Kommafehlern pro Jahr auf 1000 Einwohner innerhalb von drei Jahren unterbieten,, so droht eine Grammatikalstrafe in Höhe von sechs Mio. Euro."© Foto: Nico Drimecker
"Jahreshauptversammlung", von Horst Engel:

Im Baden-Württembergischen Ort Murr werden Schilder für alle nur erdenklichen Verwendungszwecke (Funktionsräume, Büros, Toiletten, etc.) produziert. Die Schilder haben sich in der größten Gewerkschaft »IG Blech« organisiert.

Einmal im Jahr kommen alle noch in Lohn und Brot stehenden Schilder zusammen, um über die Arbeitsbedingungen zu berichten, die in den einzelnen Firmen völlig unterschiedlich sind. Auf der Jahreshauptversammlung wurden u.a. folgende Punkte in die Agenda aufgenommen:

- Einhaltung der 20-Std. Woche
- Vorruhestandsregelung bei frühzeitigem Rost
- Lärmschutztüren
- Schildungsurlaub
- Rechenschaftsbericht / Wahlen

Das in der Bremer Spedition Sühne & Hagel beschäftigte Schild »Bin gleich wieder da« wurde einstimmig zum Gewerkschaftssekretär ernannt.© Foto: Nico Drimecker
"Karo Solo" von Horst Engel: Die Rentner Willi, Erwin und Karl spielen seit 28 Jahren einmal pro Woche Skat.

Willi, der in seiner aktiven Berufszeit Busfahrer war, ist der Gutmütigste in der Runde. Wird von seinen Mitspielern oft gehänselt, weil er infolge einer Inkontinenz nach dem achten Pils schnell nach Hause muss.

Erwin ist seit zwei Jahren Witwer, hat beim Skat den besten Überblick. Lässt seinem Unmut schon mal freien Lauf, wenn einer aus der Runde eine falsche Karte ausspielt. Er ernährt sich zu Hause vorzugsweise von Dosensuppen. Seine Lieblingssuppe ist der Pichelsteiner Eintopf nach Hausfrauen-art, den er mit einem kräftigen Schuss Maggi verfeinert. Erwin klagt in letzter Zeit über Sodbrennen.

Karl ist mit 71 Jahren der Älteste. Verfügt über viel Erfahrung und ist in dritter Ehe mit Gerda verheiratet. Glücklich, wie er sagt. Der Skat findet meistens bei Karl statt, weil Gerda immer so leckere Suppen, belegte Brötchen und selbst eingelegte Gurken, auftischt. In der kalten Jahreszeit serviert sie hin und wieder einen Aufgesetzten - lecker.

Erwin kommt raus...© Foto: Nico Drimecker
Horst Engels Kunst erinnert ein wenig an Bilderrätsel. Das ist ein "Rahmenprogramm".© Foto: Nico Drimecker
Horst Engels Schöpfung: "Der Bär der Ringe".© Foto: Nico Drimecker
Schlagworte

„Objektkunst nennt sich das laut Lexikon“, sagt Horst Engel. In der Praxis heißt das: Die Menschen, die seine Werke betrachten und lesen, sind meist amüsiert. Etwa die Wandinstallation „Nudoku“. Sie zeigt ein Sudoku-ähnliches Feld, darin stehen einige Zahlen – bestehend aus Nudeln. „Nudeln plus Sudoko macht ‚Nudoku‘“, erklärt Horst Engel.

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Horst Engel ist der Erfinder des Namens "Lüdia", ein Wortspiel aus dem Stadt- und einem weiblichen Vornamen. Auch sonst arbeitet der Künstler in seinem Atelier mit Wortspielen.
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Der Künstler Horst Engel verbindet in seinen Werken Objektkunst und Wortspiele.
Zu seinem Werk "Stillen im Kollektiv" gehört eine Kurzgeschichte: "Auf der Moskaunale wurde das Werk 'Stillen im Kollektiv' als bester Kurzfilm ausgezeichnet. Der zweiminütige Film zeigt 10.000 russische Mütter, die in einem Fußballstadion im Sitzen ihre Babys stillen.

Mit zwölf Iwans für die beste Kameraführung und mit sechs Iwans für herausragenden Kostüme wurde 'Stillen im Kollektiv' zum höchstdotierten Kurzfilm gewählt.

Für ihre besonders kollektive Körperhaltung (aufrechtes Hohlkreuz) während der Dreharbeiten wurde Ludmilla Nowajana mit einem Extra- Igor belohnt."© Foto: Nico Drimecker
Stillen im Kollektiv: "Auf der Moskaunale wurde das Werk 'Stillen im Kollektiv' als bester Kurzfilm ausgezeichnet. Der zweiminütige Film zeigt 10.000 russische Mütter, die in einem Fußballstadion im Sitzen ihre Babys stillen.

Mit zwölf Iwans für die beste Kameraführung und mit sechs Iwans für herausragenden Kostüme wurde 'Stillen im Kollektiv' zum höchstdotierten Kurzfilm gewählt.

Für ihre besonders kollektive Körperhaltung (aufrechtes Hohlkreuz) während der Dreharbeiten wurde Ludmilla Nowajana mit einem Extra- Igor belohnt."
Das Werk "Nudoku" ist die Horst Engel'sche Mischung aus dem Spiel Sudoku und Nudeln.© Foto: Nico Drimecker
Eine Uhr, deren Zeiger aus roten Gummibären bestehen, und die Erdbeeren statt Ziffern hat. Name des Werks: "Erdbärzeit".© Foto: Nico Drimecker
"Das Doppelkomma" von Horst Engel: "In einer europäischen Langzeitstudie die sich mit der Grammatiksicherheit aller EU-Bürger befasste wurde festgestellt dass die deutschen Bürger am häufigsten vergessen das Komma zu setzen.

Die Bundesregierung hat auf Geheiß der europäischen Kultusministerkonferenz beschlossen in einem regionalem Feldversuch zu testen ob die Menschen durch das Angebot eines zusätzlichen Kommas also eines Doppelkommas größere Sicherheit in der Rechtschreibung respektive der Interpunktion erzielen zu können.

So könnte bei ganz eindeutigen Sätzen die ein Komma benötigen das Doppelkomma bei Sätzen wo sich der Deutsche unsicher ist immerhin noch auf das Einfachkomma zurückgegriffen werden.

Zunächst werden Saarbrücken und Moers in einem kommunalen Test die Praktikabilität und Einsatzmöglichkeiten für zehn Jahre testen.

Sollte Deutschland den europäischen Standard von 141 Kommafehlern pro Jahr auf 1000 Einwohner innerhalb von drei Jahren unterbieten,, so droht eine Grammatikalstrafe in Höhe von sechs Mio. Euro."© Foto: Nico Drimecker
"Jahreshauptversammlung", von Horst Engel:

Im Baden-Württembergischen Ort Murr werden Schilder für alle nur erdenklichen Verwendungszwecke (Funktionsräume, Büros, Toiletten, etc.) produziert. Die Schilder haben sich in der größten Gewerkschaft »IG Blech« organisiert.

Einmal im Jahr kommen alle noch in Lohn und Brot stehenden Schilder zusammen, um über die Arbeitsbedingungen zu berichten, die in den einzelnen Firmen völlig unterschiedlich sind. Auf der Jahreshauptversammlung wurden u.a. folgende Punkte in die Agenda aufgenommen:

- Einhaltung der 20-Std. Woche
- Vorruhestandsregelung bei frühzeitigem Rost
- Lärmschutztüren
- Schildungsurlaub
- Rechenschaftsbericht / Wahlen

Das in der Bremer Spedition Sühne & Hagel beschäftigte Schild »Bin gleich wieder da« wurde einstimmig zum Gewerkschaftssekretär ernannt.© Foto: Nico Drimecker
"Karo Solo" von Horst Engel: Die Rentner Willi, Erwin und Karl spielen seit 28 Jahren einmal pro Woche Skat.

Willi, der in seiner aktiven Berufszeit Busfahrer war, ist der Gutmütigste in der Runde. Wird von seinen Mitspielern oft gehänselt, weil er infolge einer Inkontinenz nach dem achten Pils schnell nach Hause muss.

Erwin ist seit zwei Jahren Witwer, hat beim Skat den besten Überblick. Lässt seinem Unmut schon mal freien Lauf, wenn einer aus der Runde eine falsche Karte ausspielt. Er ernährt sich zu Hause vorzugsweise von Dosensuppen. Seine Lieblingssuppe ist der Pichelsteiner Eintopf nach Hausfrauen-art, den er mit einem kräftigen Schuss Maggi verfeinert. Erwin klagt in letzter Zeit über Sodbrennen.

Karl ist mit 71 Jahren der Älteste. Verfügt über viel Erfahrung und ist in dritter Ehe mit Gerda verheiratet. Glücklich, wie er sagt. Der Skat findet meistens bei Karl statt, weil Gerda immer so leckere Suppen, belegte Brötchen und selbst eingelegte Gurken, auftischt. In der kalten Jahreszeit serviert sie hin und wieder einen Aufgesetzten - lecker.

Erwin kommt raus...© Foto: Nico Drimecker
Horst Engels Kunst erinnert ein wenig an Bilderrätsel. Das ist ein "Rahmenprogramm".© Foto: Nico Drimecker
Horst Engels Schöpfung: "Der Bär der Ringe".© Foto: Nico Drimecker
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Nudoku ist, wenn man so will, verwandt mit Lüdia. Auch wenn der Künstler sagt: „Beim Walken oder Joggen kommen mir die meisten Ideen.“ Und Lüdia war fast eine Auftragsarbeit. Tage vor dieser Nacht im Jahr 2001 las Horst Engel in den Ruhr Nachrichten, für die Trophäe des Lüner Kinofestes werde ein Name gesucht.

Zum fünften Mal hatte der Künstler Andrzej Irzykowski im Jahr 2001 die große Statue vom Marktplatz im Miniaturformat als Kinofest-Auszeichnung gegossen. „Bis dahin jedoch ohne Namen“, weiß Horst Engel. Die Figur ist weiblich. „Da war ja klar: Lünen und eine Frau, das muss ’Lüdia‘ sein.“Am Küchentisch von Horst Engel liegen immer, seit August 1996, ein kleiner Block und ein Stift. „Man weiß ja nie, ob man nicht mal eine Idee sofort aufschreiben muss.“ Während der schwarze Tee zieht, notiert sich Horst Engel „Lüdia“. Sowie zwei weitere Vorschläge.

„Aber eigentlich war klar, dass es nur Lüdia sein kann.“ Womit er nicht nur Platz eins unter seinen eigenen Ideen meint, wie er mit einem Schmunzeln zugibt, sondern auch im Wettbewerb, in dem 20, 30 Namen konkurrierten. Mit gedämpfter Stimme spricht Horst Engel: „Es hätte mich schon ein bisschen gewundert, wenn es nicht der Name geworden wäre.“Was er nicht aus Eitelkeit sagt, sondern eben: Weil es nur Lüdia sein konnte. An jenem Morgen muss Horst Engel noch warten. Zwei große Tassen schwarzer Tee vergehen und einige Gedanken an eine frühere Freundin aus seiner Heimatstadt Minden, die Lydia hieß. Er telefoniert mit Freunden, fragt, wie es ihr gehe. „Aber wir hatten alle keinen Kontakt mehr zu ihr.“ Schon einen Tag später bekommt Horst Engel einen Anruf. Sein Namensvorschlag soll es sein. Der Preis, den Horst Engel erhält, wird nur ein Mal vergeben. Die Statue namens Lüdia jedes Jahr wieder. An einem Sonntagabend im November.

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