Abschalten und die Natur genießen, der Hüttenweg ist dafür wie geschaffen. © Foto Textoris
Lünen und Selm

Winterliche Wanderung am Hüttenweg: Idylle direkt vor der Haustür

Der Hüttenweg, der Lünen und Selm miteinander verbindet, ist gerade in Corona-Zeiten eine schöne Wanderstrecke. Unser Reporter Diethelm Textoris hat den Wanderweg im Selbstversuch getestet.

Beim Wort „Hüttenweg“ denkt man vielleicht zunächst an eine Bergtour in den Alpen. Doch auch in unserer Nähe gibt es einen Hüttenweg. Er verbindet das SGV-Wanderheim Netteberge mit den Bahnhöfen Lünen und Selm-Beifang. Mit entsprechender Ausrüstung, vor allen Dingen mit festem Schuhwerk, ist er ganzjährig begehbar und bietet so eine Alternative zum Zu-Hause-Hocken in diesen schwierigen Corona-Zeiten.

Zugegeben, eine winterliche Wanderung habe ich mir anders vorgestellt, als ich zur Sonnenaufgangszeit am Lüner Hauptbahnhof starte. Die Temperaturen liegen bei 8 Grad, es ist diesig und der leichte Nieselregen lässt sich nur mit viel Wohlwollen als hohe Luftfeuchtigkeit interpretieren. Auch Begleithund Cooper ist wenig motiviert, täuscht Interesse an unzähligen Schnupperstellen vor und lässt sich immer wieder mal ziehen. „Das Abenteuer beginnt, wenn man sich trotz Widrigkeiten nicht von seinem Vorhaben abbringen lässt“, habe ich kürzlich gelesen. So steigt auch bei mir schnell die Stimmung, zumal die Wegmarkierung mit dem weißen „H“ auf schwarzem Grund schon zu Beginn an der Ernst-Becker-Straße vorbildlich ist und keine Angst vor Orientierungsproblemen aufkommen lässt. Auch Cooper findet zunehmend Gefallen an der Tour.

Fotostrecke

Naturparadies zwischen Selm und Lünen: Der Hüttenweg

Nach gut zwei Kilometern liegt der Cappenberger See zur Linken. Dieser nach Ausbaggerungen für die Eisenbahnstrecke nach Münster entstandene See ist ein erstes Highlight der Wanderung. Er bietet zu jeder Jahreszeit eindrucksvolle Impressionen, nicht nur für Fotografen. Heute verbreiten Dunst und die Nebelschleier ihre eigene Atmosphäre. Ein trauriges Bild gibt die Jugendherberge zur Rechten ab, die coronabedingt geschlossen ist. Das Schild „Willkommen“ erscheint wie ein Überbleibsel aus glücklicheren Zeiten.

Weiter geht es über den nach dem Gründer der Jugendherbergsbewegung Richard-Schürmann benannten Weg zur Straße im Dreischfeld, nach deren Überquerung zum Kiliansbach und zum Ortsrand von Langern. Hier berührt der Hüttenweg mehrere der neu angelegten Werner Rundwanderwege. Links ist ein Relikt aus der Bergbauzeit zu sehen, als unter den Cappenberger Wäldern Kohle abgebaut werden sollte. Auf der Anhöhe ist das Schloss Cappenberg zu erkennen, das im Dunst ein wenig an das Märchenschloss von Jorinde und Joringel erinnert.

Mit der Varnhöfeler Straße geht es nach links über den Radweg bis Cappenberg. Von hier aus ist ein Abstecher zum Schloss Cappenberg lohnend. Wir folgen jetzt der Straße Hirschwiese bis zu Ende, kommen am Wald entlang bis zum Parkplatz Kohusholz. Nach Überquerung des Cappenberger Damms ist es nur noch ein guter Kilometer bis zum Wanderheim Netteberge. Die Strecke verläuft jetzt weitgehend auf schmalen Waldwegen, ist matschig und in einem schlechten Zustand, weil sie offenbar auch von Reitern benutzt wird. Hier zahlt es sich aus, dass ich mich für die hohen Wanderschuhe mit Profilsohle entschieden habe.

Mittagspause nach neun Kilometern und zwei Gehstunden am Wanderheim des SGV Lünen Selm. Der ist neben der Pflege der Wanderaktivtäten auch im Bereich Natur- und Vogelschutz aktiv. Davon zeugen nicht nur die vielen Nistkästen in der Umgebung der Hütte. Der Verein betreut auch 87 Schleiereulenkästen und 143 Steinkauzröhren in der näheren Umgebung. Nach einer Stärkung mit Käsebrot und heißem Tee für mich und einem Knochen und kaltem Wasser für Cooper geht es weiter.

Der Weg verläuft jetzt bis zum Haus Berge parallel mit dem Rundwanderweg A 2, vorbei am Hof Möller, am Gasthaus Klähr und am ehemaligen Wiegemeisterhaus. Das stammt aus der Zeit, als in Netteberge Sand abgebaut wurde. Nach Beendigung der Ausbaggerungen sind im heutigen Naturschutzgebiet idyllische Teiche und Feuchtbiotope entstanden. Der Weg entlang des naturnahen Selmer Baches versöhnt den Wanderer mit der vorherigen eintönigen, teilweise schnurgeraden Strecke über die Luisenstraße. Bei der Abzweigung am Sandforter Weg fehlt das Wanderzeichen. „Wenn Sie hier nach links abbiegen sind Sie sowas von richtig, sodass Sie schon in 15 Minuten am Bahnhof Beifang sind“, klärt mich eine wegekundiger Selmer auf. Mit einem Zwischenhalt in Bork bringt uns der RB 51 in zehn Minuten für 4,40 € zurück nach Lünen, wobei Cooper kostenlos mitreisen darf.

Eine detaillierte Karte der Wanderung finden Sie hier.
Eine detaillierte Karte der Wanderung finden Sie hier. © Screenshot: Nora Varga © Screenshot: Nora Varga

Eine digitale Karte der Route finden Sie im Internet unter der Adresse: „https://bit.ly/3piFBq6

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