Wir brauchen den verkaufsoffenen Sonntag auch in Corona-Zeiten

mlzMeinung

Nachdem klar war, dass der verkaufsoffene Sonntag am 29.11. durchgeführt wird, gab es in den sogenannten sozialen Medien einen empörten Aufschrei, völlig unberechtigt.

Lünen

, 16.11.2020, 20:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn man die Kommentare auf Facebook liest, dann könnte man meinen. es wurde entschieden niemand müsse mehr Masken tragen und ein stadtweites Sommerfest geplant. Ein Nutzer schreibt: „Das verstehe wirklich, wer will! Totaler Unfug:“ Aber darum geht es nicht, nein. Die Kommentare schimpfen darüber, dass der verkaufsoffene Sonntag durchgeführt werden.

Wenn ich solche Kommentare lese, dann frage ich mich, was die Menschen sich vorstellen. Werden an diesem Sonntag shoppingwütige Teenager nach Lünen rennen und durch die Läden stürmen? Die Antwort ist ziemlich sicher nein. Es werden normale Menschen sein, die nach einer Winterjacke schauen wollen, ein neues Paar Joggingschuhe suchen oder vielleicht erste Weihnachtsgeschenke besorgen.

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Nur weil die Geschäfte geöffnet sind, heißt es nämlich nicht, dass alle anderen Regeln nicht mehr gelten. Es müssen immer noch Masken getragen werden, es dürfen immer noch nur zwei Haushalte zusammen vor die Tür. Auch Abstandsgebot und Hygieneregeln gelten weiterhin. Die Stadt und die Geschäfte Lünens werden auch an diesem 29.11. die Einhaltung der Auflagen überprüfen, wie in den vergangenen Wochen.

Äpfel mit Birnen vergleichen

Auch gerne zur Sprache gebracht: „Das ist ein Schlag ins Gesicht für die Gastronomen.“ Die Gastronomen dürfen Stand jetzt erst am 1.12. wieder öffnen. Die Argumentation erinnert mich ein bisschen an kitschige Liebesromane. Wenn einer von uns sie nicht haben kann, dann darf sie eben keiner haben. Nur das es hier nicht um die Liebe, sondern um Ladenöffnung geht. Die Gastronomen gegen die Geschäfte auszuspielen ist mehr als schäbig, denn es ist gerechtfertigt, dass unterschiedliche Regeln für beide gelten.

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In der Gastronomie hat es nachweislich Hotspots gegeben, auch wenn sich viele an die Vorgaben gehalten haben. In den Geschäften sieht schon die Grundlage ganz anders aus. In einem Laden wird eben normalweise kein Alkohol getrunken oder stundenlang gelacht und gequatscht. Der Besuch eines Restaurants oder einer Bar hat meist das Ziel, Zeit mit anderen Personen zu verbringen und Spaß zu haben. Wer in Lünen einkaufen geht, der macht meist keine wilde Kneipentour, sondern einfach nur seine Besorgungen.

Am Ende könnte der verkaufsoffene Sonntag den Personenverkehr in der Fußgängerzone entzerren. Der 29.11. ist eine Chance, seine Einkäufe in Ruhe und über einen ganzen Tag verteilt zu machen. Hier ein bisschen schauen, dort ein bisschen bummeln, alles mit Masken und auf Abstand, Corona konform eben.

*In einer früheren Version des Artikels hieß es, dass die Entscheidung für den verkaufsoffenen Sonntag von der Stadt gefällt wurde. In der Corona-Schutzverordnung des Landes NRW wird die Durchführung von fünf verkaufsoffenen Sonntagen gestattet.

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