Wohnungen statt Bäume? GFL und Naturschützer kämpfen gegen Abholzung des Kleinbecker Parks

mlzStadtentwicklung

Der Streit um die Zukunft des Kleinbecker Parks reißt nicht ab: Trotz polititischer Mehrheit für eine Bebauung des Areals stemmen sich GFL und der Arbeitskreis für Umwelt weiter dagegen.

Horstmar

, 16.07.2019, 16:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Geht es nach dem Willen der Wählergemeinschaft Gemeinsam für Lünen (GFL) und des Lüner Arbeitskreises für Umwelt und Heimat, dann ist in Sachen Kleinbecker Park das letzte Wort noch nicht gesprochen.

Sowohl die GFL als auch der Arbeitskreis wollen alles daran setzen, um die vom Stadtentwicklungsausschuss Ende Juni mehrheitlich auf den Weg gebrachte teilweise Wohnbebauung in dem Park doch noch zu verhindern.

Das kündigten Andreas Dahlke, Sachkundiger Bürger der GFL, und Friedrich Angerstein, Vorsitzender des Arbeitskreises, am Dienstag (16.) im Gespräch mit unserer Redaktion an.

GFL scheitert im Rat

Dabei spielte für beide eine entscheidende Rolle, dass der Rat in seiner Sitzung am Donnerstag (11.) mit den Stimmen von CDU und SPD sowie einer FDP-Stimme den GFL-Antrag zum vollständigen Erhalt des Kleinbecker Parks abgeschmettert hat.

„Es kann doch nicht sein, dass der Rat auf der einen Seite den Klimanotstand ausruft und auf der anderen Seite den Erhalt des Parks ablehnt“, sagte Andreas Dahlke.

Angerstein erinnerte daran, dass der Arbeitskreis im Vorfeld der Ratssitzung an alle Fraktionen appelliert hatte, den GFL-Antrag zum Erhalt des Parks zu unterstützen. Vergebens, wie seit Donnerstagabend feststeht.

„CDU und SPD stimmten am Donnerstag für die komplette Abholzung des Parks. Die Chance auf ein gepflegtes grünes Begegnungszentrum im Herzen Horstmars wurde damit vertan“, sagte Angerstein am Dienstag.

Die SPD brachte das Kunststück fertig, in der gleichen Ratssitzung den Klimanotstand auszurufen und kurz danach für die Vernichtung eines Stadtparks zu stimmen, der laut Fachleuten eines der wichtigsten Elemente für die Erhaltung eines erträglichen Stadtklimas ist.“ Für Angerstein ein Unding.

„Bebauung unvereinbar mit Umweltschutz“

Wie schon in der Ratssitzung betonte Dahlke am Dienstag, dass eine Bebauung beziehungsweise Teilbebauung des Kleinbecker Parks in Horstmar mit Blick auf den dringend erforderlichen Umwelt- und Klimaschutz unvereinbar sei. Deshalb werde sich die GFL auch weiterhin mit diversen Aktionen für den Erhalt des Parks stark machen. Laut Dahlke wisse die GFL aus zahlreichen Gesprächen mit Anwohnern, dass die große Mehrheit für den Erhalt des Parks ist: „Davor kann Politik die Augen nicht verschließen.“

Immer noch überrascht zeigte sich der Kommunalpolitiker und Gärtnermeister von der Darstellung der Verwaltung, wonach fast 75 Prozent der knapp 100 Bäume des Kleinbecker Parks mittelschwer oder stark beschädigt seien.

„Verzerrung der Fakten“

Laut Dahlke verzerrt diese Darstellung die Fakten: „Tatsächlich ist der Kleinbecker Park äußerst wertvoll. Insbesondere wegen seiner über 50 Jahre jungen Stiel-Eichen, die gut 500 Jahre alt werden können.“

Der Park sei über viele Jahre hinweg aus Kostengründen nicht gepflegt worden. Viele Schäden, so Andreas Dahlke, die jetzt aufgelistet würden, seien durch die Stürme der vergangenen Jahre entstanden. Die Baumkronen müssten fachmännisch beschnitten und der Kleinbecker Park einmal gründlich durchpflegt werden. Dieser Aufwand sei gut investiertes Geld.

Das sieht Friedrich Angerstein ganz genau so: Jahrelang hätten Harpen und die Stadt den Kleinbecker Park nicht mehr gepflegt, „um die Bürger darauf einzustimmen: Schmucke Neubauten sehen doch schicker aus“, sagte der Arbeitskreisvorsitzende.

Angerstein ließ keinen Zweifel daran aufkommen, dass „Naturschützer die SPD lieber als Bündnispartner hätten, statt gegen eine SPD Front machen zu müssen, die in Lünen die Naturzerstörung vorantreibt“.

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