Lüner hatte keinen Motorrad-Führerschein, aber ein Youtube-Video geschaut

mlzGerichtsverhandlung

Ohne Rücksicht auf Verluste bretterte ein junger Lüner mit seinem Motorrad über die Autobahn. Wie das geht? Das lernte er nicht etwa in der Fahrschule - sondern beim Video schauen.

von Sylvia Mönnig

Lünen

, 10.09.2020, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Was er über das Fahren eines Motorrads wissen musste, lernte der Lüner nicht etwa, wie üblich, in einer Fahrschule. Nein, der 19-Jährige verließ sich darauf, dass ein Video bei YouTube reichen würde. Ohnehin war die Verlockung einfach zu groß, als er im April die Honda für 50 Euro ersteigerte und im Bereich Köln abholte.

Unter anderem befuhr er mit seinem neuen Leichtkraftrad die A4 – und dabei war er sich sehr wohl bewusst, dass ihm der Führerschein und seinem Gefährt die Versicherung fehlte. Ganz zu schweigen davon, was passiert wäre, hätte es einen Unfall gegeben. Dazu kam es glücklicherweise nicht. Pech hatte der selbsternannte Motorradfahrer dennoch. Er wurde erwischt.

„Ich musste zum Bahnhof“

In Begleitung seines Vaters, der die Empörung über das Verhalten des Sohnes nicht im Ansatz verhehlte, erschien der junge Lüner nun zu seinem Prozess vor dem Amtsgericht. Dort versuchte er verzweifelt, sein Handeln zu rechtfertigen: „Das stimmt. Nur ich musste zum Bahnhof.“ Mit dem Zug hätte er dann die Honda nach Hause bringen wollen. „Ich wollte das Motorrad so schnell wie möglich bei mir zuhause haben, um es zu reparieren.“

Darüber nachgedacht, dass er die ungewöhnliche Fracht gar nicht mit der Bahn hätte transportieren dürfen, habe er nicht. Aber es sei ihm bewusst gewesen, dass die Fahrt mit dem Krad in jeder Hinsicht verboten gewesen sei. Er entschuldigte sich und gelobte Besserung. In Kürze, so beteuerte er, wolle er die Dummheiten lassen. Der Jugendrichter parierte prompt und trocken: „Nicht in Kürze, sondern sofort.“

Dringende Warnung des Richters

Insgesamt fand der Richter für die Tat des 19-Jährigen und drei Voreintragungen im Strafregister deutliche Worte. „Das ist einfach zu viel.“ Falls der Lüner in der Form weitermache, müsse er befürchten, irgendwann auch einmal im Gefängnis zu landen. „Sie dürfen keine Dummheiten mehr begehen.“ Freiheitsentziehende Maßnahmen blieben dem Angeklagten diesmal allerdings noch erspart. Er wurde nach Jugendstrafrecht richterlich verwarnt, wurde zur Teilnahme an einem Verkehrserziehungskurs und zur Zahlung von 300 Euro Geldbuße zugunsten des Verkehrsclubs Deutschland verurteilt.

Eindringlich ermahnte ihn der Richter, an dem Kurs teilzunehmen und die Geldbuße zu bezahlen. Ansonsten, so der Richter, drohten bis zu vier Wochen Ungehorsamsarrest. Der junge Lüner erkannte seine vielleicht allerletzte Chance und akzeptierte die Entscheidung sofort. sam

Lesen Sie jetzt