Schwarzlohn-Prozess

Zeuge nickt indirekt ab: „Ich war Chef einer Briefkastenfirma“

Im Schwarzlohnprozess gegen einen Bauarbeiter aus Lünen hat ein Zeuge seine eigene Baufirma als bloße Briefkastenfirma enttarnt. „Es gab kein Büro, nur einen Briefkasten - mehr nicht.“
Schlechte Aussichten: Coronabedingt fallen mehrere Verhandlungstage im Prozess gegen einen psychisch kranken Mann aus Werne aus. © dpa

Überraschung im „Schwarzlohn-Prozess“ gegen einen Bauarbeiter aus Lünen: Nach wochenlang gefühlt fruchtlosen Zeugenvernehmungen hat ein Zeuge aus Wuppertal am Montag (2.8.) am Bochumer Landgericht unumwunden eingeräumt, Chef einer reinen Briefkastenfirma gewesen zu sein. „Ich war zwar Chef, habe aber nichts gemacht“, nickte der Mann ab.

Schein-Rechnungen ausgestellt

Die Firma, die der Zeuge nach eigenen Angaben vor Jahren auf dem Papier geführt hat, gehörte zu der Vielzahl von Unternehmen, die Staatsanwaltschaft und Gericht im Visier haben, weil sie mit der Firma um den Lüner und den Mitangeklagten scheinbar zwielichtige Verträge abgeschlossen haben. Verträge, bei denen es offenbar einzig und allein nur darum ging, (Schein-)Rechnungen schreiben zu können, deren Rechnungsbetrag später als so genannte „Kick-Back-Zahlung“ heimlich in Bar wieder zurückfließen – und so die Finanzierung von Schwarzlohnzahlungen in Bar ermöglichen.

Als mutmaßlicher Drahtzieher dieses illegalen Modells, gilt ein Mann aus Krefeld. „Er war mein Freund, hat mir aber nichts dafür bezahlt, dass ich ‚Strohmann‘ war“, erklärte der Zeuge am Montag. Laut Anklage soll der Mann aus Lünen gemeinsam mit seinem mitangeklagten Ex-Firmenchef aus Witten durch eben dieses „Krefelder“ Schwarzlohn-System einen Steuerschaden in Höhe von 3,1 Millionen Euro angerichtet haben. Beide Angeklagten schweigen.

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