Weiße Straßen sind in diesen Tagen keine Seltenheit in Lünen. An vielen Stellen wie hier an Salfordbrücke kommen die Wirtschaftsbetriebe mit dem Räumen kaum hinterher. © Daniel Koßler
Wintereinbruch

Zu viel Schnee: Viele Straßen in Lünen sind noch nicht geräumt

Die Wirtschaftsbetriebe Lünen (WBL) haben am Montag (8. Februar) das Personal aufgestockt. Doch nach wie vor sind viele Straßen in Lünen nicht geräumt worden - trotz 24-Stunden-Einsatzes.

In der Nacht zu Montag (8. Februar) waren 30 Mitarbeiter der Wirtschaftsbetriebe Lünen (WBL) mit 12 Fahrzeugen im Einsatz, um zumindest die 180 Straßen der „Priorität 1“ (Hauptverkehrsstraßen) im Stadtgebiet verkehrssicher zu halten.

Am Montag selbst wurde das Personal nochmal mit Mitarbeitern aus der Grünpflege, der Straßenunterhaltung und der Müllentsorgung aufgestockt, so dass rund 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Einsatz waren. Hinzu kamen zwei zusätzliche Fahrzeuge.

Auch auf der Kurt-Schumacher-Straße gibt es am Montagmittag eine geschlossene Schneedecke. Das heißt allerdings nicht, dass die Straße nicht geräumt wurde, wie Stadtsprecher Benedikt Spangardt erklärt.
Auch auf der Kurt-Schumacher-Straße gibt es am Montagmittag eine geschlossene Schneedecke. Das heißt allerdings nicht, dass die Straße nicht geräumt wurde, wie Stadtsprecher Benedikt Spangardt erklärt. © Daniel Koßler © Daniel Koßler

„Damit ein Einsatz rund um die Uhr möglich ist, werden die Teams in Intervallen durchgetauscht“, erklärt Stadtsprecher Benedikt Spangardt. Doch auch dieses Verfahrensweise reicht nicht aus, um alle Straßen in Lünen – also auch die mit den Prioritäten 2 und 3 – wenigstens einmal zu räumen. Entsprechend häufen sich in den Kommentarspalten der sozialen Netzwerke die Meldungen, dass die WBL an mehreren Orten in Lünen noch nicht gewesen sei.

Wobei diese Rückmeldungen laut Benedikt Spangardt auch eine andere Ursache haben könnten: „Die Leute schauen aus dem Fenster und sehen eine weiße Straße. Damit ist für sie klar: Hier wurde nicht geräumt.“ Tatsächlich jedoch sei die WBL zumindest auf den Hauptverkehrsstraße unterwegs gewesen – und auch diese Straßen sind nach wie vor weiß.

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Schnee in Lünen

Weiße Straßen trotz Räumung

Das habe einen Grund: „Weil sehr niedrige Temperaturen zu erwarten sind, verzichtet der Winterdienst auf den Einsatz von Auftausalz.“ Stattdessen werden nach dem Räumen abstumpfende Mittel, beispielsweise Granulate, gestreut. „Würden wir hier Salz streuen, hätten wir bei den aktuellen Temperaturen sofort eine Eisbahn.“ Und das wiederum würde zu deutlich mehr Verkehrsbehinderung und auch Gefahren führen.

„Wenn eine Straße also weiß ist, heißt das nicht automatisch, dass sie nicht geräumt wurde“, betont der Stadtsprecher und bemerkt mit Blick auf die Kommentatoren in den sozialen Netzwerken: „Wir sind übrigens nicht die einzige Kommune, die es ,total verplant‘ und „einfach nicht drauf‘ hat.“ Anders formuliert: Die sogenannte Weißräumung sei bei solchen Witterungsbedingungen absolut üblich.

Allerdings stimmt es auch, dass die WBL es zur Zeit schlichtweg nicht schafft, überall zu räumen. „Weil der Schneefall anhält, haben die WBL alle Hände voll damit zu tun, den Standard der Stufe 1 herzustellen und zu halten“, bittet der Stadtsprecher an dieser Stelle um Verständnis. Die Straßen der Priorität 2 würden folgen, sobald es möglich ist.

Bei eisigen Temperaturen ist auch der Marktplatz vor dem Rathaus alles von Schnee eingedeckt. Der Wochenmarkt am Dienstag (9. Februar) fällt aus.
Bei eisigen Temperaturen ist auch der Marktplatz vor dem Rathaus alles von Schnee eingedeckt. Der Wochenmarkt am Dienstag (9. Februar) fällt aus. © Daniel Koßler © Daniel Koßler

Es sei auch nicht möglich, pauschal die Dauer der Einsätze vorherzusagen. „Ein Durchgang, also alle Lüner Straßen in der Priorität 1 bei üblicher Winterwitterung, dauert etwa vier Stunden“, so Spangardt. „Im Moment kann man wegen des starken Schneefalls von ungefähr acht Stunden ausgehen.“ Entsprechend länger würden dann auch die Räumungen der Straßen aus den anderen beiden Stufen dauern.

30 Tonnen Streugut pro Durchgang

Trotz dieser Extremlage hat man bei den WBL keine Sorge, dass das Streugut knapp werden könnte: „Man rechnet bei ,normaler‘ Winterwitterung mit etwa 10 bis 15 Gramm pro Quadratmeter, im Moment setzen die WBL wegen des extremen Wetters circa 50 Gramm pro Quadratmeter an“, erklärt Spangardt.

Ein „Durchgang“, also alle Straßen der Priorität 1, benötige ungefähr 30 Tonnen Streugut. Eine genaue Mengenangabe des gelagerten Streuguts, also Granulat und Salz, ist laut Spangardt schwierig. „Aber die WBL haben in den vergangenen Jahren die Silos immer voll gemacht, davon profitieren wir gerade.“

Ansonsten sei aber auch die Marktlage bei den Lieferanten derzeit entspannt –

anders als die Lage auf den Straßen, wo die Autofahrer mit widrigen Bedingungen zu kämpfen haben. Die Stadt Lünen appelliert: „Fahren Sie sehr vorsichtig!“

Über den Autor
Redaktion Lünen
Journalist, Vater, Ehemann. Möglicherweise sogar in dieser Reihenfolge. Eigentlich Chefreporter für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen. Trotzdem behält er auch gerne das Geschehen hinter den jeweiligen Ortsausgangsschildern im Blick - falls der Wahnsinn doch mal um sich greifen sollte.
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Daniel Claeßen

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