Dieses Knallgerät steht seit kurzem auf einem Feld in Dortmund Westrich, direkt an der Stadtgrenze zu Castrop-Rauxel. © Privat
Anwohner genervt

Knallgerät: Lärm an Dortmund-Castrop-Rauxeler Stadtgrenze verärgert Anwohner

Auf einem Feld zwischen Dortmund und Castrop-Rauxel hat ein Bauer vor kurzem ein Knallgerät aufgestellt. Es soll Vögel abhalten. Anwohner empören sich über den Krach.

Es sieht aus wie eine kleine Kanone. Und man könnte sagen: Es soll auch einen ähnlichen Zweck erfüllen. Nämlich den, Gegner zu vertreiben. Doch hier endet der Vergleich auch. Denn die Gegner sind keine Menschen – und es soll auch niemand getötet werden.

Es geht um ein Knallgerät. Aufgestellt hat es vor kurzem ein Bauer auf einem Feld zwischen Dortmund-Westrich und Castrop-Rauxel-Frohlinde. Ein Knallgerät, oder auch Schreckschussgerät, ist ein Gerät, das durch Platzpatronen oder durch die Verbrennung von Gas in regelmäßigen Abständen einen Knall erzeugt. Ziel ist die Vergrämung von Wild und Vögeln auf landwirtschaftlich genutzten Flächen.

Viele Anwohner dachten zuerst, das laute Knallen käme von Jägern, die in der Gegend gelegentlich ihrer Arbeit nachgehen. „Letzte Woche Mittwoch oder Donnerstag hat das angefangen“, meint eine Anwohnerin. Seitdem habe sie kaum noch Vögel in ihrem Garten gesehen, in dem sie viele Vögel füttert. Alle zwei Minuten hörte sie ein lautes Knallen, bis abends um 22 Uhr.

Das Knallen verschreckt Tiere

Was sie besonders stört: Vögel und andere Tiere werden durch das Knallen verschreckt und vertrieben. „Alle Vögel waren weg, ich höre keinen Pieps mehr“, erzählt sie. „Wir haben Krach genug, aber das Knallen belastet die Tiere.“

Auch wenn in ihrem Haus alle Fenster und Türen geschlossen sind, höre sie das laute Knallen immer noch. Sie persönlich störe das nicht so sehr, aber viele Nachbarn hätten sich bereits beschwert und deswegen auch die Polizei gerufen.

Am Samstag (2.10.) soll das Knallgeräusch dann leiser und weniger zu hören gewesen sein. Am Sonntag habe es gar nicht geknallt, am Montag waren die Geräusche nachmittags wieder zu hören. Mindestens bis zum Sportplatz an der Brandheide, auf dem der FC Frohlinde spielt. Die Anwohnerin fasst zusammen: „Das Knallen terrorisiert hier Mensch und Tiere.“

Anwohnerin vom Knall erschrocken

Eine andere Anwohnerin, die auf dem Feldweg mit ihrem Hund spazieren war, erzählt, sie habe sich extrem über das Knallen erschrocken. Auch sie dachte zuerst, dass Jäger auf Jagd seien. Sie persönlich würde das Geräusch zwar nicht sehr stören, bezweifelt aber die Sinnhaftigkeit der Aktion.

An diesem Heuwagen steht das Knallgerät auf dem Feld. © Julien März © Julien März

Laut einer weiteren Anwohnerin, die wegen des Lärms die Polizei gerufen hatte, habe der verantwortliche Landwirt gegenüber dem Ordnungsamt Dortmund angegeben, dass er eine Genehmigung für das Gerät und seine Nutzung habe. Das verstehe sie nicht, immerhin „stört es hier jeden“.

Anwohner empfinden das Knallen als nervig und störend

„Ich finde das überhaupt nicht lustig“, meint ein anderer Anwohner. „Das nervt natürlich, wenn man im Garten sitzt und es knallt jede Minute“, so der Mann. Und auch andere Anwohner haben eine ähnliche Meinung.

„Wir haben uns schon gewundert“, erzählen drei Anwohnerinnen, die mit ihren Hunden auf dem Feldweg spazieren gegangen sind. Vor allem die Vertreibung der Rehe sei für sie ein Problem. Aber auch sie selber würden sich durch das Knallgerät gestört fühlen. „Wir wohnen einige hundert Meter weit weg, und selbst bei uns Zuhause hört man das total laut“, so eine der Frauen.

Anwohnerin fordert gegenseitiges Verständnis

Doch nicht jeder Anwohner fühlt sich so gestört. Eine andere Frau meint, sie würde das Geräusch nicht nerven. „Die Leute wollen am Stadtrand wohnen, aber kommen dann nicht mit dem Landleben und der Landwirtschaft klar. Es wäre schön, wenn gegenseitiges Verständnis da wäre“, meint sie.

Benutzung von Schreckschussanlagen ist grundsätzlich erlaubt

Doch warum braucht der Bauer das Knallgerät überhaupt? Laut Stadtsprecher Christian Schön haben sich die Vögel an den Menschen und an urbane Landschaften so sehr gewöhnt, dass Landwirte mit den herkömmlichen Vogelscheuchen nichts mehr ausrichten können.

Daher bräuchten Landwirte moderne Vogelscheuchen, die mit technischen Mitteln ausgestattet sind, wie etwa mit Geräuschen oder Bewegungen. Schön erklärt: „Das ist legitim und legal zugleich. Der Einsatz solcher Vergrämungshilfen oder Schreckschussanlagen gehört laut Landwirtschaftskammer zur guten fachlichen Praxis.“

Deshalb brauchen Landwirte keine Genehmigung für die Benutzung solcher Geräte. Allerdings gibt es natürlich Bedingungen, an die sich Landwirte halten müssen. Von der modernen Vogelscheuche soll weder eine echte Gefahr für Mensch und Umwelt noch eine Belästigung ausgehen. Faktoren, die bei der Beurteilung dazu eine Rolle spielen, sind beispielsweise Abstand zur Wohnbebauung, Schallpegel und Wiederholungshäufigkeit der Töne.

Landes-Immissionsschutzgesetz regelt die Benutzung

Diese Regeln und Bestimmungen zum Einsatz von Tongeräten, also auch einer Schreckschussanlage, sind im Landes-Immissionsschutzgesetz geregelt. Darin heißt es beispielsweise in Paragraf 10: „Geräte, die der Schallerzeugung oder Schallwiedergabe dienen (Musikinstrumente, Tonwiedergabegeräte und ähnliche Geräte), dürfen nur in solcher Lautstärke benutzt werden, dass unbeteiligte Personen nicht erheblich belästigt werden.“

Beim Umweltamt Dortmund recherchiert und prüft die Immissionsschutzabteilung derzeit die Zulässigkeit des Einsatzes einer Schreckschussanlage. Ob es sich dabei um das Knallgerät in Westrich handelt, darf Stadtsprecher Christian Schön aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht verraten.

Natürlich haben wir auch Fragen an den Landwirt, der das Gerät betreibt. Doch hat er uns bis Freitagmittag keine Antworten gegeben.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
2002 in Bochum geboren, aufgewachsen in Dortmund, BVB-Fan. Seit dem Abitur 2020 als freier Mitarbeiter für die Ruhr Nachrichten unterwegs. Immer auf der Suche nach guten Geschichten am Puls der Stadt.
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Julien März

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