Bundestagskandidat im Porträt

Entscheidung: Politik statt Ruhestand

Mit dem Ziel „20 Prozent“ tritt der Marler Bernard Keber als Bundestagskandidat für die AfD im Wahlkreis 122 an. Wir haben ihn besucht.
Vor der Bundestagswahl am 26. September: Die MZ bei AfD-Kandidat Bernard Keber. © Meike Holz

An der Tür begrüßt Dalmatiner-Hündin Oraya die Gäste, die zum Interview mit dem AfD-Kandidaten vor der Bundestagswahl kommen. Die schwarz-weiß gefleckte Hundedame ist fünfzehneinhalb Jahre alt, neugierig und zutraulich. Dalmatiner gehören seit vielen Jahren zur Familie bei Bernard Keber. „Es sind besonders umgängliche Tiere. Sie sind sehr kinderfreundlich“, sagt er. „Und sie halten fit.“

Seit 1979 in Marl

Die täglichen Spaziergänge hat er übernommen, als seine Ehefrau gesundheitliche Probleme hatte. Eigentlich sollten es nur zwei Wochen sein“, erzählt er. „Aber jetzt sind schon mehr als zehn Jahre daraus geworden.“ Am Kanal oder in seinem Stadtteil dreht Bernard Keber nun zweimal täglich zu Fuß seine Runden. Er lebt seit 1979 in Marl „und inzwischen auch gern“, wie der gebürtige Gelsenkirchener betont. „In Alt-Marl kann man sich wohlfühlen.“

Bis vor wenigen Wochen gab es noch zwei Hunde im Haus. Der neuneinhalbjährige Rocco ist plötzlich und ohne Anzeichen einer Erkrankung gestorben. Die Asche des Vierbeiners ruht jetzt bei den Kebers zu Hause in einer Urne im Wohnzimmer-Regal.

Erst spät für die Politik entschieden

Nachdem er 2019 sein eigenes Dentallabor aufgegeben hat, nimmt sich Bernard Keber mittlerweile viel Zeit für die Politik – man könnte sagen als Spätberufener. Der 72-Jährige stieg in einem Alter ein, in dem andere sich zur Ruhe setzen. Bei der Alternative für Deutschland AfD fand er aus seiner Sicht den richtigen Platz für politisches Engagement. Aus seiner Sicht wird dort zurzeit die richtige Politik gemacht. Der Klimawandel sei nicht menschengemacht, meint der AfD-Kandidat. Er will nichts wissen, vom „Hype, der um das Klima gemacht wird“, will das Abschalten von Kohlekraftwerken stoppen und weiter auf Atomstrom setzen. Windkraft und Solarenergie sieht er nicht als Alternative, weil er diese Ressourcen nicht für ausreichend hält.

Schon kurz nach Beginn von Bernard Kebers politischer Aktivität stellte ihn der AfD-Stadtverband im vergangenen Jahr bei der Kommunalwahl als Bürgermeisterkandidat für Marl auf. Nach der Kommunalwahl im September 2020 wurde er für die AfD sachkundiger Bürger im Marler Stadtrat. Die AfD-Fraktion in Marl hat sich gespalten. Damit ist Bernard Keber jetzt auch in Fachausschüsse des Rates nachgerückt. Jetzt kandidiert er als einer von 63 AfD-Direktkandidaten in Nordrhein-Westfalen im Wahlkreis 122 für den Bundestag.

Lange Zeit Sympathien für Angela Merkel

Wie einige andere in seiner Partei war Bernard Keber früher CDU-Wähler. „Aber Bernd Lucke gefiel mir schon ganz gut“, sagt er rückblickend auf die Gründertage der AfD. Nach dem Rückzug des AfD-Mitbegründers im Jahr 2015 blieb Bernard Keber dabei – auch aus Verärgerung über die Bundeskanzlerin. Er habe Angela Merkel immer geschätzt, so Keber. Aber ein Ereignis habe dazu geführt, dass sich das änderte:

Es geht um die Siegesfeier der CDU nach der Bundestagswahl 2013. Die Bundeskanzlerin habe dem damaligen CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe auf der Bühne die Fahne entrissen und in die Ecke geworfen, so beschreibt Bernard Keber die kurze Szene, genauso wie sie lange Zeit in sozialen Netzwerken verbreitet und skandalisiert wurde. Der AfD galt die Kanzlerin fortan als deutschlandfeindlich. „Und 2015 hat sie zu viele Fremde ins Land gelassen“, fügt Bernard Keber hinzu.

Als AfD-Kandidat erlebt er Ablehnung

Der 72-Jährige erlebt, dass er abgelehnt wird, weil es die AfD ist, in der er seine politische Heimat sieht. Er kritisiert, dass die AfD mit Nazis, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus gleichgesetzt werde. „Ich bin das alles nicht. Auch mir ist ein Björn Höcke zu radikal“, erklärt er. „Und für mich hat jeder Mensch den gleichen Wert.“ Er sieht sich als Vertreter einer Partei, die aus der Homepage ihres Landesverbands über sich selbst feststellt: „Wir kommen aus der Mitte der Gesellschaft.“

Seitdem er politisch aktiv ist, nimmt er Begegnungen mit Menschen anders wahr. Manchmal fühlt er sich unwohl, wenn er auf der Straße Jugendliche trifft. „Wenn jemand mit dem Skateboard auf mich zurollt und erst direkt vor mir abbremst, habe ich das unangenehme Gefühl, das soll mich einschüchtern“, erzählt er.

„Wissen Sie, was Sie da tun?“

Andere zufällige Aufeinandertreffen dagegen führten auch zu guten Gesprächen: „Weißt du, was du da tust?“, habe ihm ein junger Mann vor kurzem an einer Ampel zugerufen. Bernard Keber war gerade dabei, ein Wahlplakat für seine Kandidatur zu kleben. Es kam nicht zum Streit, sondern zu einer kontroversen, aber guten kurzen Diskussion, berichtet der Bundestagskandidat. Der junge Mann sei aus Marokko gewesen. Am Ende seien sie inhaltlich zwar immer noch zu keiner Übereinstimmung bei den politischen Ansichten gekommen. Aber so etwas wie an diesem Abend wünsche er sich öfter. „Ich finde es schäbig, wenn man nicht wenigstens miteinander reden kann.“

„Vermisse den Respekt“

Bernard Keber stammt aus Gelsenkirchen. Hier war er als Kind zwei Jahre lang bei den Pfadfindern und hat dort Werte gelernt, die ihm bis heute wichtig sind. Respekt zum Beispiel – der wird Kindern und Jugendlichen seiner Ansicht nach heute zu wenig vermittelt. „Das vermisse ich“, sagt Keber und fügt hinzu: „Bei türkischen Familien erlebt man das anders. Ich finde es gut, wie respektvoll dort die Kinder ihren Eltern begegnen.“ Dass insgesamt zu wenig Werte an Kinder weitergegeben würden, kritisiert der Marler. Er macht das auch daran fest, dass der Nachwuchs ganztags in Kitas und Tagesbetreuung untergebracht wird, weil beide Eltern arbeiten müssen. Keber bevorzugt das Familienmodell – ein Elternteil bleibt zu Hause und erzieht die Kinder. Ob das Vater oder Mutter sei, spiele für ihn keine Rolle, unterstreicht er.

Politik ist aber nicht alles im Leben des Marler AfD-Kandidaten. Seine berufliche Laufbahn begann Bernard Keber unter Tage auf der Zeche. Danach nahm er eine Stelle in der metallverarbeitenden Industrie an, wurde später Lkw-Fahrer und machte dann die Ausbildung zum Zahntechniker. Nach der Meisterprüfung machte er sich mit einem Dentallabor selbstständig, das er nach 40 Jahren 2019 geschlossen hat.

Familie spielt eine wichtig Rolle

Seitdem spielt die Familie eine noch größere Rolle. Bernard Keber ist verheiratet, hat zwei Söhne und ist inzwischen fünffacher Großvater. Das älteste Enkelkind ist fünf Jahre alt, der jüngste Enkelsohn wurde erst im August geboren.

Fragt man ihn nach seinen Hobbys nennt der Marler das Motorradfahren. Gemeinsame Touren mit seinem Sohn führten ihn unter anderem schon bis nach St. Tropez, Paris oder auf den Balkan. Zusammen mit seiner Frau macht Bernard Keber Urlaub mit dem Wohnmobil oder bucht eine Ferienwohnung. Als Hundebesitzer muss man darauf achten, dass auch die Vierbeiner mit auf Reisen gehen können. Die Reisen mit dem Auto führen an verschiedene Ziele in Deutschland oder Österreich, eben immer so weit, dass man nicht fliegen muss und die Hunde der Familie dabei sein können.

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