Vor dem Bocholter Rathaus haben Einzelhändler auf ihre prekäre Situation aufmerksam gemacht. © Jochen Krühler
Lockdown

Bocholter Händler machen mit gelben Plakaten auf prekäre Lage aufmerksam

Bocholt sieht gelb: Einzelhändler und Gastronomen machen mit 1500 gelben Plakaten auf ihre schwierige Lage aufmerksam. Am Montag demonstrierten sie vor dem Bocholter Rathaus.

Mit vielen gelben Plakaten an ihren Schaufenstern und einem Banner vor dem Rathaus haben Bocholter Einzelhändler und Gastronomen am Montag auf ihre schwierige Situation in der Corona-Pandemie hingewiesen.

Sie beteiligten sich an der bundesweiten Aktion „Wir machen auf-_merksam“. Damit fordern sie von der Bundesregierung eine baldige Öffnung der Läden oder eine angemessene Entschädigung für erlittene Umsatzausfälle.

Werbegemeinschaft und Stadtmarketing mit im Boot

Zur Teilnahme an der Aktion aufgerufen hatte die Werbegemeinschaft. Unterstützt wurde sie dabei vom Stadtmarketing. Die große Mehrheit der Ladenbesitzer in der Innenstadt beteiligte sich an der Aktion und hängte rund 1500 gelbe Plakate in ihre Schaufenster. Um zwölf Uhr mittags zog ein Kran ein 8 mal 5 Meter großes Banner mit dem Schriftzug der Aktion vorm Historischen Rathaus in die Höhe. Das Banner wurde am Nachmittag wieder abgebaut.

„Wir öffnen – Ihre Augen für eine absolute Notsituation“, heißt es auf den Plakaten, die in Zeiten des Lockdowns in den Schaufenstern hängen bleiben sollen. Viele Geschäftsinhaber seien am Ende ihrer Möglichkeiten.

„Ladensterben droht“

Das betonte auch Mechtild Hoffs, Vorsitzende der Bocholter Werbegemeinschaft, am Rande der Protestaktion. „Wenn es so weitergeht, werden Läden sterben und unsere Innenstädte veröden“, sagte sich im Gespräch mit unserer Zeitung. Die aktuelle Situation sei „wirklich eine Katastrophe“. Sie forderte: „Entweder müssen die Läden wieder geöffnet werden oder es muss eine Entschädigung stattfinden, damit wir überleben können.“ Zudem appellierte sie an die Bocholter, den örtlichen Handel zu unterstützen.

Dirk Schönicke, ebenfalls im Vorstand der Werbegemeinschaft, sagte, dass die Infiziertenzahlen bislang nicht durch den Handel in die Höhe gegangen seien. Er betonte, dass Ladenöffnungen corona-konform stattfinden könnten. „Die Konzepte gibt es ja bereits“, sagte er. „Wir werden mit dem Virus einfach leben müssen, solange nicht alle durchgeimpft sind.“

„Handel braucht möglichst bald Klarheit“

Nähkasten-Geschäftsführer Stefan Friederich erklärte, dass die Situation derzeit im Textil-Einzelhandel vor allem wegen der Ungewissheit schwierig sei. „Wir haben noch genug Winterware im Lager, und jetzt warten wir auf die neue Kollektion“, sagte er. Für den Handel wäre es deshalb gut, wenn sobald wie möglich Klarheit herrsche, wie es weitergeht. Denn demnächst müsse der Bekleidungshandel schon die Ware für die kommende Herbst-Winter-Saison bestellen. Friederich: „Wir leben derzeit von der Substanz.“

Auch Gastronomen beteiligten sich am Montag an der Protestaktion. Vor dem Rathaus postierten sich auch Cornelius Hirschberg und sein Sohn Dustin Amadeus Hirschberg mit einem gelben Plakat. Die beiden betreiben das Bistro Amadelius an der Osterstraße. „Wir haben unser Bistro eröffnet, als Corona anfing“, sagte Cornelius Hirschberg im BBV-Gespräch. Weil sie noch keine Vorjahresumsätze hätten, würden sie derzeit auch keine staatliche Hilfe bekommen. „Wir leben derzeit nur von Erspartem“, sagte Hirschberg. Sie würden zwar auch einen Abholservice anbieten, aber leben könne man davon nicht.

Zukunft des Banners noch ungewiss

Das große gelbe Banner blieb am Montag übrigens nur über die Mittagszeit vor der Rathausfassade am Kran hängen. Aus Denkmalschutzgründen durfte es nicht an dem Gebäude befestigt werden. Was nun mit dem Banner geschehen soll, ist vorerst unklar. Stadtmarketing-Chef Ludger Dieckhues will klären, ob es am Rathaus am Berliner Platz oder am Gigaset-Gebäude befestigt werden kann.

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