Nach dem Reinigen durchlaufen die Matratzen-Systeme einen Funktionstest. © Markus Schönherr
Wirtschaft

Borkener Firma vermietet Matratzen an Kliniken – auch an die Charité

Es sind besondere Matratzen, die Kliniken in ganz Deutschland beim Borkener Unternehmen Air Systems mieten. Die Matratzen-Systeme verhindern das Wundliegen der Patienten. Corona hat die Nachfrage gesteigert.

Wenn irgendwo in Deutschland ein Covid-Patient auf einer Intensivstation behandelt wird, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass er auf einer Matratze liegt, die aus Borken geliefert wurde. Wobei Steffen Paus nicht bloß von Matratzen spricht, sondern von Matratzen-Systemen, die weit mehr können müssen als die Schlaf-Unterlage im heimischen Schlafzimmer. Paus ist Geschäftsführer des Borkener Unternehmens Air Systems, das die hochtechnisierten Matratzen aus Taiwan importiert und hiesigen Kliniken bereitstellt.

8000 bis 9000 Matratzen aktuell vermietet

„Etwa 95 Prozent der Matratzensysteme vermieten wir“, sagt Steffen Paus. Mit den Kliniken werde tagesgenau abgerechnet. „Aktuell haben wir 8000 bis 9000 Systeme in der Vermietung“, so der Geschäftsführer. Zu den Kunden gehören neben dem Borkener St.-Marien-Hospital auch die Charité in Berlin und die Uni-Klinik in Frankfurt. Fünf bis 20 Euro beträgt die Tagesmiete.

Was die medizinischen Matratzen von anderen unterscheidet, deutet der Firmenname Air Systems schon an. Air – Luft. Die Patienten liegen im wahrsten Sinne des Wortes auf einer Luftmatratze, die aus vielen kleinen Kammern besteht. Ein Steuerungsgerät sorgt dafür, dass die Kammern in einem vorgegebenen Rhythmus mit Luft befüllt werden. Ist die eine Kammer gefüllt, wird die Luft der benachbarten Kammer automatisch abgelassen. So werden einzelne Körperpartien des Patienten immer wieder vom Druck entlastet. Ziel sei es, das Wundliegen zu verhindern, erklärt Steffen Paus – die sogenannte Dekubitus-Prophylaxe.

Aufbereitung in Borken

Das Vermiet-Modell bringt es mit sich, dass die Matratzen-Systeme auch wieder zurückgegeben werden. Am Hauptsitz der Firma in Borken werden die „infektiösen“ Matratzen aufbereitet. Dafür gibt es regelrechte Waschstraßen. Mit einem Desinfektionsmittel und unter erhöhter Temperatur werden die Matratzen gereinigt. Die Matratzen-Auflagen durchlaufen in überdimensionierten Waschmaschinen einen ähnlichen Prozess. Nach einem Funktionstest können die Systeme wieder vermietet werden.

Auf 20 bis 25 Durchläufe kommen die Leih-Matratzen. Rund 240 Stück können pro Tag gereinigt werden. Dafür sind die Mitarbeiter im Zwei-Schicht-System im Dienst. 45 Mitarbeiter hat Air Systems in Borken. Mit den acht über Deutschland verteilten Stützpunkten sind es 85 Mitarbeiter. Steffen Paus spricht von einem organischen Wachstum des Unternehmens, das 1998 in Heiden gegründet wurde und 2005 an die Siemensstraße in Borken umsiedelte. Dort werden nicht nur Matratzen aufbereitet, sondern auch andere medizinische Hilfsmittel wie Rollstühle und Lifter.

Die Matratzen-Vermietung war auch schon vor Corona das Haupt-Standbein von Air Systems. Die Pandemie hat die Nachfrage in diesem Bereich aber stark ansteigen lassen. Diese Entwicklung sei regional sehr unterschiedlich, sagt Steffen Paus. Während aus Regionen mit niedrigen Infektionszahlen kaum mehr Matratzen angefordert werden, ist die Nachfrage in Hotspot-Regionen um bis zu 50 Prozent gewachsen. Steffen Paus ist sich aber sicher, dass die aus Borken gelieferten Matratzen auch nach Corona gefragt sein werden.

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.