In der Montage von Rose Bikes erklärt Geschäftsführer Thorsten Heckrath-Rose den Grünen-Landesvorsitzenden Mona Neubaur und Felix Banaszak (von links) die Abläufe der Herstellung. © Sven Betz
Verkehr

Chef von Rose Bikes: „Bocholts Fahrrad-Infrastruktur ist alt“

Bocholt droht seinen Spitzenplatz unter den fahrradfreundlichsten Städten dauerhaft zu verlieren, wenn die Kommune nicht stärker investiert. Davon ist der Chef von Rose Bikes überzeugt. Und nennt Gründe.

Kürzlich habe er Eier in einer Lenkertasche transportieren wollen. „Als ich zu Hause ankam, waren alle Eier kaputt.“ Der Belag vieler Radwege in der Stadt sei mittlerweile ausgesprochen schlecht. Außerdem seien viele Radwege zu eng. Die Stadt dürfe sich nicht auf ihren Lorbeeren vergangener Jahre ausruhen, sondern müsse den Anspruch haben, Fahrradstadt Nummer 1 zu bleiben.

„Es war gut, dass wir im ADFC-Ranking von Platz 1 auf Platz 2 abgerutscht sind. Das war ein Weckruf.“ Der Unternehmer wünscht sich, dass die Stadt „angemessen“ in ihre Radwege investiert – aber auch in die Infrastruktur. Dazu gehörten auch Abstellanlagen für Fahrräder.

Keine öffentliche Abstellanlage

Außer am Bahnhof gebe es in der Stadt keine „richtig sichere“ öffentliche Abstellanlage. „Bocholts Fahrrad-Infrastruktur ist alt.“ Würde mehr investiert, ließe sich auch der Radanteil am städtischen Verkehr auf mehr als 50 Prozent ausbauen, ist Heckrath-Rose überzeugt.

Seine Gäste hörten es mit Interesse: Die Landesvorsitzenden der nordrhein-westfälischen Grünen, Mona Neubaur und Felix Banaszak, waren nach Bocholt gekommen, um sich über das Unternehmen zu informieren, dessen Bemühungen für mehr Klimaschutz sie sehr würdigten.

Kritik am geplanten Radschnellweg

Kritik äußerte Heckrath-Rose auch an der Politik beim geplanten Radschnellweg von Bocholt nach Rhede. Landesverkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) hatte erklärt, dass sich zunächst die Kommunen entlang der alten Bahntrasse klar werden müssten, was sie wollen: eine Bahnverbindung oder einen Radschnellweg.

Die Kommunen würden so allein gelassen. Die Diskussion in der Stadtpolitik habe ihn erschreckt: Die Debatte verliere sich in politischen Grabenkämpfen. Und es werde mit harten Bandagen gekämpft. „Da möchte ich echt kein Politiker sein.“

Klare Meinung

Thorsten Heckrath-Rose hat auch eine klare Meinung zum umstrittenen Nordring-Projekt: „Anfangs war ich gegen den Nordring“, sagt der Fahrrad-Hersteller. „Aber das hat sich geändert.“ Wenn jetzt sehr schnell in den Ausbau von Radwegen in der Stadt investiert werde, dann halte er den Verlust von den Bäumen auf der Nordring-Trasse für vertretbar.

Auch ihn schmerze der Verlust der Bäume : „Aber das Leben besteht aus Kompromissen.“ Und es dürfe in dieser Debatte nicht sein, dass am Ende nur der Lauteste gewinnt.

Fachkräftemangel und Lieferschwierigkeiten

Rose Bikes selbst habe derzeit erheblich mit Fachkräftemangel und Lieferschwierigkeiten zu kämpfen. In den vergangenen Tagen habe das Unternehmen beispielsweise 100 Elektro-Fahrräder zusammengebaut, die nicht verkauft werden können – weil aktuell die Sättel nicht geliefert werden.

Ähnliches gelte für 3000 Fahrradgabeln, die momentan in Ägypten liegen und nicht zugestellt werden könnten. Von „Nachwuchsproblemen ohne Ende“, berichtete Alexander Schwartz, Mitarbeiter im Logistik-Management des Unternehmens.

Derzeit verlassen täglich rund 4700 Pakete die Firma. „Mit mehr Mitarbeitern könnten wir diese Zahl deutlich steigern.“

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