Das Vorzeigeobjekt von Rose Bikes ist die Biketown in Bocholt. Trotz der Schwierigkeiten will das Unternehmen weitere Filialen eröffnen, unter anderem im Frühjahr in Köln. © Ludwig van der Linde
Wirtschaft

Corona sorgt für Lieferengpässe bei Rose Bikes – bis zu 6 Monate Wartezeit

Jetzt hat die Corona-Pandemie auch Rose Bikes hart getroffen. Das Bocholter Unternehmen meldet Lieferengpässe und befürchtet für Kunden lange Wartezeiten für gewisse Fahrradtypen.

Das Geschäftsjahr 2020 verlief für den Zweirad-Spezialisten Rose Bikes überaus erfolgreich. Mit einem Umsatz von 137,1 Millionen Euro verzeichnete das Bocholter Unternehmen ein Umsatzplus von 34 Prozent. Doch jetzt bekommt auch Rose Bikes die Auswirkungen der Corona-Pandemie deutlich zu spüren.

Es fehlen nach eigenen Angaben fix zugesagte Teile und Komponenten aus Asien für die Bike-Montage. Dies hat Auswirkungen auf die Lieferfähigkeit der Bocholter – vor allem im Mountainbike-Segment. Kunden müssen mit Verzögerungen bis zu sechs Monaten rechnen, teilt das Unternehmen mit.

Rose Bikes von Situation „komplett überrascht“

„Wir sind von dieser Situation komplett überrascht“, erklärt Geschäftsführer (CEO) Thorsten Heckrath-Rose. „Unsere bestellte Ware kommt nicht wie von den asiatischen Zulieferern zugesichert bei uns an. Fest zugesagte Teile haben wir bis heute nicht erhalten.“

Der Unternehmenschef entschuldigt sich bei allen betroffenen Kunden, die sich jetzt auf außergewöhnlich lange Wartezeiten einstellen müssen: „Die Lösung des Problems hat für uns oberste Priorität und wir sind davon überzeugt, dass wir sukzessive über die nächsten Wochen und Monate unsere Lieferfähigkeit bei den Mountainbikes wieder verbessern können“, sagt Heckrath-Rose weiter. Allerdings sei die Lage schwer einschätzbar und es könnten aktuell keine verlässlichen Aussagen getroffen werden.

Das Geschäft mit Fahrrädern boomt: Rose Bikes kann auf ein sehr erfolgreiches Jahr 2019/2020 zurückblicken. © Rose Bikes © Rose Bikes

„Jeder, dessen Bike-Lieferung von der Verzögerung betroffen ist, bekommt von uns eine persönliche Mail zum Status seiner Bestellung mit allen wichtigen Informationen und nächsten Schritten, gemeinsam eine für den Kunden gangbare Lösung zu finden“, verspricht Tim Böker, Verkaufschef bei Rose Bikes.

Umsatzausfall in Millionenhöhe

Das Unternehmen rechnet mit einem Umsatzausfall im größeren einstelligen Millionenbereich. Durch die Erfolge der letzten Jahre sei Rose Bikes jedoch wirtschaftlich gut aufgestellt. In der Beschaffungsplanung will Rose Bikes für das nächste Jahr ins volle Risiko gehen und tätigt aktuell den größten Wareneinkauf seiner über 100-jährigen Unternehmensgeschichte.

Auch an den Investitionen in die Produktentwicklung, in Digitalisierung, in die Marke und in den Ausbau der Flächen, wie zum Beispiel die Store-Eröffnung in Köln im Frühsommer, hält das Unternehmen fest. „Wir sind davon überzeugt, dass es in der Krise wichtig ist, Vollgas zu geben, um das Kundenerlebnis rund um unsere Bikes immer besser zu machen“, sagt Böker.

Sicherung der Lieferfähigkeit hat Priorität

Der Sicherung der Lieferfähigkeit will der Zweiradhersteller in Zukunft höchste Priorität einräumen. Dafür soll der Einkauf strategisch weiterentwickelt werden. So soll in Kürze auf der Management-Ebene die neue Position „Head of Supply Chain“ geschaffen werden, die Einkaufskompetenz für den asiatischen Raum und mehr Präsenz bei den Lieferanten schaffen soll.

Darüber hinaus sieht Geschäftsführer (CEO) Marcus Diekmann die ganze Fahrradbranche in der Pflicht, eigene Kompetenzen in Europa aufzubauen und die Abhängigkeit aus Asien zu reduzieren. „Trotz guter Erfahrungen in der Vergangenheit in vielen Segmenten in Asien, müssen auch in Europa Produktionsstätten und -kapazitäten aufgebaut werden“, ist Diekmann überzeugt. Das sei eine Aufgabe, die seiner Meinung nach die ganze Branche nur gemeinsam auf den Weg bringen könne.

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