Marketingleiter Jens Grotstabel (l.) und Firmenchef Markus Nieuwenhuis haben eine Zulassung für ihren Schnell-Spucktest beantragt. © Horst Andresen
Coronavirus

Corona-Spucktest für jedermann von Firma 1A-Medizintechnik aus Bocholt

Das Bocholter Unternehmen 1A-Medizintechnik hat jetzt die Zulassung für einen Speichel-Antigen-Schnelltest beantragt, den auch Laien nutzen dürfen. Er könnte nicht nur zu Hause, sondern auch in Firmen gemacht werden.

Kräftig spucken für den Covid-19-Schnelltest? Das scheint so banal wie einfach, dass es fast unglaublich klingt.

Jens Grotstabel (37), Marketingleiter beim Unternehmen 1A-Medizintechnik in Bocholt, führt den Test vor. Er spuckt ins Tütchen, entnimmt mit einer Pipette eine Probe seiner Spucke, füllt sie in einen Aktivator, schüttelt das Teil etwa 15 Sekunden und lässt etwas Flüssigkeit daraus auf den Teststreifen tröpfeln. Nach zwei Minuten ist ein roter Strich deutlich sichtbar: Test negativ, keine Coronavirus-Infektion.

Spuck-Schnelltest: Mit dem Aktivator werden einige Tropfen auf den Teststab gegeben…und wie beim Schwangerschaftstest zeigt sich schnell das Ergebnis: ein Strich, negativ. Fotos: Andresen © Horst Andresen © Horst Andresen

Sollte sich nach 15 Minuten ein zweiter Strich zeigen, wäre das Ergebnis positiv mit Folgen: PCR-Test, zum Labor, Quarantäne, Meldung beim Gesundheitsamt. „Das ist so einfach wie ein Schwangerschaftstest“, sagt Grotstabel. Mittlerweile sei dies die zweite Generation der Verfahren, Goldtest genannt.

Sinn und Zweck aller Bemühungen müsse es sein, Infektionsketten zu durchbrechen. Dazu seien diese Tests geeignet. Motto: Mehr Sicherheit durchs Spucken?

Spuck-Schnelltest: Mit dem Aktivator werden einige Tropfen auf den Teststab gegeben…und wie beim Schwangerschaftstest zeigt sich schnell das Ergebnis: ein Strich, negativ. Fotos: Andresen © Horst Andresen © Horst Andresen

Wissenschaftler stehen laut Medienberichten dem Ganzen offenbar (noch) skeptisch gegenüber. Ihr Argument: Vor allem der labor-geprüfte Test brächte ein sicheres Ergebnis. Firmenchef Markus Nieuwenhuis (56) und Jens Grotstabel wissen das, bleiben gelassen. Bedarf und Nachfrage scheinen ihnen recht zu geben. Das Bocholter Unternehmen ist nach eigenen Angaben derzeit einer der wenigen Anbieter dieser Spuck-Testmethode.

Am Flughafen Weeze am Niederrhein wird bereits in Tütchen aus Bocholt gespuckt. Bestellungen kämen von Schulträgern, Behörden und Unternehmen. Die Kosten pro Test sollen sich bei fünf bis sechs Euro einpendeln und seien „wesentlich günstiger gegenüber anderen“, erklärt Nieuwenhuis: „Die Firmenchefs wollen Sicherheit in ihren Unternehmen. Und da ist so ein Testverfahren wesentlich billiger, als wenn eine Fachkraft für einige Zeit in Quarantäne müsste.“

Zweimal die Woche solle man ins Tütchen spucken

Zweimal die Woche solle man ins Tütchen spucken. Eltern könnten ihre Kinder selber testen mit einem Stuhlabstrich. „Man ist innerhalb 15 Minuten auf der sicheren Seite und weiß Bescheid. Ein PCR-Test braucht im Labor zwei bis drei Tage.“

Das Unternehmen vertreibt seit 20 Jahren medizinische Artikel, handelt mit rund 10.000 davon. Und natürlich mit Mundschutz. Viele FFP2-Masken trügen das erforderliche CE-Prüfzeichen. „Ich behaupte jedoch, dass 90 Prozent gefakt sind“, unterstreicht Nieuwenhuis. So habe kürzlich die bayerische Polizei 30.000 dieser Masken zurückgegeben. Damit werde nach wie vor Unfug betrieben, vor allem von unseriösen Händlern. Nieuwenhuis: „Ich kaufe meine Fleischwurst doch auch beim Metzger und nicht in einer Autowerkstatt.“

Millionen-Umsätze gemacht – Millionen Masken verkauft

Millionen von Masken hat das Unternehmen im Pandemiejahr verkauft, Millionen-Umsätze gemacht mit einer Steigerung auf rund 30 Millionen Euro, bekennt Nieuwenhuis freimütig, früher selbst Rettungssanitäter beim Roten Kreuz.

Die hochwertigen FFP2-Einmal-Masken, für die zum Teil bis zu sechs Euro verlangt werden, gehen bei ihm für „unter einem Euro“ in den Verkauf, kürzlich im Sonderangebot für weniger als 70 Cent. 20 Festangestellte arbeiten in Bocholt, gut zehn Aushilfen.

Tests mit Lieferanten in Istanbul in der Türkei weiterentwickelt

Die Spuck-Schnelltests wurden mit Lieferanten in Istanbul in der Türkei weiterentwickelt. Drei Bocholter Mitarbeiter informierten sich dort in einem Labor. „Die Entwicklung geht ständig weiter“, sagt der Bocholter – und auch, warum seine Lieferanten nicht in Deutschland beheimatet seien: „Hier ist der Herstellungspreis fünfmal höher als in der Türkei.“

Einen (kleinen) Haken haben diese Tests noch: Sie dürfen nur an Personen mit medizinischer Ausbildung, also Profis, abgegeben werden. Deshalb blicken die Bocholter gespannt nach Berlin. Jens Spahns Gesundheitsministerium wolle wohl in Kürze die Abgabenordnung ändern. „Damit wäre der komplette Markt frei“, sagt Markus Nieuwenhuis – und lächelt vielsagend.

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