Bürgermeister Thomas Kerkhoff will im Fall der Ewibo aufklären. Noch immer ist nicht klar, gegen wie viele Beschuldigte ermittelt wird. © Sven Betz
Ermittlungsarbeit

Der Fall Ewibo: Mysteriöse Anzeige gegen Bocholts Bürgermeister

Nach monatelangen Ermittlungen im Fall der Bocholter Ewibo nennt die Staatsanwaltschaft jetzt einen Zeitplan. Und klar ist auch: Nicht alle getätigten Aussagen des Bürgermeisters sind zutreffend.

Die Staatsanwaltschaft rechnet im Herbst mit ersten Ermittlungsergebnissen im Fall Ewibo (Entwicklungs- und Betriebsgesellschaft der Stadt Bocholt). Das hat gestern Oberstaatsanwaltschaft Udo Vennewald von der zuständigen Schwerpunktstaatsanwaltschaft Bielefeld erklärt.

„Dann können wir etwas dazu sagen, ob sich konkrete Tatvorwürfe“ ergeben. Zum Kreis der Beschuldigten wolle er sich nicht äußern. Die Ermittler sind bereits seit der Razzia Anfang März mit der Auswertung des umfangreichen Beweismaterials beschäftigt.

Aussage nicht zutreffend

Unmittelbar nach der Untersuchung der Ewibo-Geschäftsräume hatte Bürgermeister Thomas Kerkhoff (CDU) erklärt, dass gegen keinen Mitarbeiter der Ewibo ermittelt werde. Diese Aussage hat sich zwischenzeitlich in mindestens zwei Fällen als nicht zutreffend erwiesen: Denn jetzt wurde bekannt, dass auch der frühere Stadtkämmerer Ludger Triphaus zum Zeitpunkt von Kerkhoffs Erklärung bei der Ewibo beschäftigt war.

Triphaus war nach BBV-Informationen für eine Projektarbeit im Rahmen einer geringfügigen Beschäftigung angestellt. Gegen ihn ermittelt die Staatsanwaltschaft ebenso wie gegen Ewibo-Geschäftsführer Berthold Klein-Schmeink. Im Raum steht der Verdacht der Untreue.

Wird gegen weitere Mitarbeiter ermittelt?

Thomas Kerkhoff sagte auf Nachfrage dazu: „Zum Zeitpunkt meiner Erklärung hatte ich davon keine Kenntnis.“ Er würde deshalb diese Erklärung „so nicht wiederholen“.

Ob gegen weitere Mitarbeiter der Ewibo ermittelt wird, möchte die Staatsanwaltschaft derzeit nicht kommentieren. „Es gilt die Unschuldsvermutung „, so Oberstaatsanwalt Vennewald. Klar ist bislang nur: Es wird gegen weitere Beschuldigte ermittelt – allerdings ist unklar, gegen wie viele Mitarbeiter.

Anzeige gegen Bocholt Bürgermeister

Für Fragen sorgt die Anzeige gegen Bocholts Bürgermeister. Vor zwei Wochen hatte Kerkhoff öffentlich mitgeteilt, dass gegen ihn Strafanzeige erstattet wurde. Von wem und warum wisse er nicht. Nähere Informationen oder Akteneinsicht habe er bislang nicht bekommen. „Ich weiß auch jetzt noch nicht, weshalb ich angezeigt wurde“, sagt der Bürgermeister im BBV-Gespräch.

Bocholts Bürgermeister Thomas Kerkhoff (CDU)
Bocholts Bürgermeister Thomas Kerkhoff (CDU) © Sven Betz © Sven Betz

Die Recherche ist schwierig, denn die Beteiligten verweisen aufeinander: Die zuständige Staatsanwaltschaft in Münster möchte sich nicht dazu äußern, ob möglicherweise gegen Bocholts Bürgermeister ermittelt wird.

„Da müssen Sie schon Herrn Kerkhoff fragen“, sagt Oberstaatsanwältin Dr. Barbara Vogelsang. Der wiederum zeigt sich angesichts einer solchen Äußerung verdutzt: „Ich weiß ja selbst nicht, was mir vorgeworfen wird.“

Staatsanwaltschaft seit Monaten im Einsatz

Der Fall Ewibo beschäftigt mittlerweile seit Monaten Staatsanwaltschaft, Stadtpolitik und Verwaltung. Anfang März hatten die Ermittler die Geschäftsräume an der Adenauerallee durchsucht und 150 Kisten Beweismaterial gesichert.

Hintergrund: Anfang Mai gab Bürgermeister Kerkhoff bekannt, dass Ewibo-Geschäftsführer Berthold Klein-Schmeink von seinen Aufgaben als Geschäftsführer freigestellt worden ist. Zuvor hatte der städtische Rechtsanwalt in Erfahrung gebracht, dass gegen Klein-Schmeink ermittelt wird.

Zur Freistellung sagte Kerkhoff damals: „Dieser Schritt war im Interesse der Gesellschaft notwendig, um möglichen Schaden von der Ewibo als Gesellschaft, ihren wichtigen Aufgaben für die Stadt Bocholt und vor allem den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern fern zu halten“, heißt es in seiner Mitteilung.

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