Zu den wenigen Landwirten, die im Bereich Maschinenanschaffung bislang einen Antrag stellen konnten, gehört Andreas Hemker (mit Tochter Marla). © Julian Stratenschulte/dpa
Landwirtschaft

Die „Bauernmilliarde“ ist schwer anzuzapfen

Im Januar konnten Landwirte zum ersten Mal Zuschüsse für die Anschaffung umweltschonender Technik aus der „Bauernmilliarde“ beantragen. Die meisten kamen allerdings nicht zum Zug, weil der Topf schnell leer war. Jetzt soll die für das zweite Halbjahr geplante zweite Runde vorgezogen werden.

Einen holprigen Start hat die „Bauernmilliarde“ des Bundes-Landwirtschaftsministeriums hingelegt. Als Landwirte im Januar online Zuschüsse aus dem Programm beantragen wollten, um damit die Anschaffung umweltschonender Maschinen mitzufinanzieren, strandeten viele auf einer überlasteten Internetseite. Auch der Vorsitzende des landwirtschaftlichen Kreisverbandes, Ludger Schulze Beiering, hatte kein Glück. Er möchte gerne in neue Pflanzenschutztechnik investieren. Als die Internetseite nach vielen Versuchen wieder funktionierte, war der Topf für den Bereich Maschinenkauf schon leer.

Förderungen bis 2024

Hinter dem Begriff „Bauernmilliarde“ verbirgt sich das „Investitionsprogramm Landwirtschaft“. 816 Millionen Euro stellt der Bund dafür bereit, verteilt auf die Jahre 2021 bis 2024. Landwirte, die in moderne Technik investieren, die zum Beispiel das passgenaue Ausbringen von Pflanzenschutz- oder Düngemitteln ermöglicht, können eine 40-prozentige Förderung bekommen. Einer, dem das im Januar gelang, ist Andreas Hemker.

Der Agrar-Ingenieur arbeitet beim Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband in Borken und bewirtschaftet im Nebenerwerb einen Hof in Rosendahl. Einen neuen Düngerstreuer und eine Pflanzenschutzspritze möchte er mit Hilfe des Zuschusses anschaffen. Die neue Spritze soll GPS-gesteuert sein und automatisch Überlappungen beim Ausbringen des Mittels verhindern. Der Zuschuss aus dem neuen Fördertopf hilft dabei sehr.

„Den Umfang der Präzisionstechnik hätte ich sonst nicht gewählt“, sagt Hemker. Rund 45.000 Euro kostet allein die Spritze. Für viele Landwirte sei die Anschaffung modernster Technik ohne diese Förderung kaum zu bezahlen. Hemker schätzt, dass etwa 50 Prozent der zukunftsfähigen Betriebe Interesse an dem Programm haben.

Zweite Runde wird vorgezogen

Bald werden die Landwirte auch wieder die Gelegenheit haben, neue Anträge zu stellen, erklärt Dr. Christof Altmann, Pressesprecher der Landwirtschaftlichen Rentenbank. Die Rentenbank wickelt die Vergabe der Zuschüsse für den Bund ab. Eigentlich sollte dies in halbjährlichen Tranchen geschehen.

Zu den wenigen Landwirten, die im Bereich Maschinenanschaffung bislang einen Antrag stellen konnten, gehört Andreas Hemker (mit Tochter Marla).
Zu den wenigen Landwirten, die im Bereich Maschinenanschaffung bislang einen Antrag stellen konnten, gehört Andreas Hemker (mit Tochter Marla). © privat © privat

Da im Bereich der Maschinen-Anschaffung die Nachfrage im Januar so groß war, werde die Förderung für das zweite Halbjahr wahrscheinlich auf März vorgezogen. Ein genaues Datum stehe aber noch nicht fest, so Altmann. Interessierte Landwirte könnten sich aber jetzt schon auf der Internetseite der Rentenbank registrieren.

Umwelthilfe vermisst schlüssiges Konzept

Positive und negative Aspekte hat die „Bauernmilliarde“ aus Sicht der Deutschen Umwelthilfe. Die gebürtige Hülstenerin Reinhild Benning ist dort Referentin für Landwirtschaft und Tierhaltung. Einerseits sei es gut, dass der Bund die Not der Bauern bei der Umstellung der Betriebe erkennt, sagt sie. Andererseits werde die Förderung ohne richtiges Konzept umgesetzt.

Das Geld wäre effektiver angelegt worden, wenn damit zum Beispiel regionale und ökologische Produkte in Kantinen gebracht würden. Insgesamt wünscht sich Reinhild Benning ein Punktesystem für die Förderung der Landwirtschaft. Je ökologischer gewirtschaftet wird, desto mehr Punkte und damit Geld von der EU gibt es.

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