Förster Andreas Janson glaubt zwar, dass der aktuelle Frost die Borkenkäfer-Population dezimiert. Gedanklich hat er sich dennoch von den Fichtenbeständen schon verabschiedet. © Lars Johann-Krone
Waldschäden

Frost setzt Borkenkäfern zu, kann die Fichten aber nicht retten

Der Frost setzt auch den Borkenkäfern zu. Das freut die Förster im Kreis, denn die Schädlinge setzten dem Fichtenwald zu. Aber eine echte Entspannung bringt der knackig kalte Winter wohl nicht.

Kleine Käfer, große Wirkung. Auch im Velener Tiergarten sind in den vergangenen Monaten viele Fichten gefällt worden. Zu sehr hatte ihnen der Borkenkäfer zugesetzt. Länger anhaltender Frost und natürlich mehr Niederschläge im Sommer waren die Hoffnung vieler Waldbauern und Förster, vielleicht noch einige Fichtenbestände retten zu können. Allerdings könnte die aktuelle Wetterlage für die hiesigen Fichten zu spät kommen.

Viele Fichten wurden bereits gefällt

Andreas Janson ist Förster der Landsbergschen Verwaltung und unter anderem für den Tiergarten zuständig. Dort hat er im vergangenen Jahr schon große Flächen an Fichtenbestand fällen lassen, weitere könnten folgen. „Ich habe mich insgeheim schon von diesem Baum verabschiedet“, sagt er. „Ich habe mich letztes Jahr sehr bemüht, dem Käfer die Nahrungsgrundlage zu nehmen. Wir haben viel aufgeräumt, aber keine Entspannung festgestellt.“

Ein Borkenkäfer und Käferlarven unter der Rinde einer geschlagenen Fichte
Ein Borkenkäfer und Käferlarven unter der Rinde einer geschlagenen Fichte © picture alliance/dpa © picture alliance/dpa

Die Entscheidung, die Fichten alle zu fällen, müsse zwar der Eigentümer treffen, sagt Janson, aber er werde Jakob von Landsberg Velen empfehlen, die Fichten vollständig zu ernten. In Velen handele es sich dabei wohl noch um rund 800 Festmeter Fichtenholz.

Janson geht davon aus, dass der aktuell länger anhaltende Frost der Population an Buchdruckern und Kupferstechern durchaus zusetzen könne, „aber ich glaube, diese Kälte kommt insgesamt wohl zu spät für unsere Fichten. Die hätten wir nach dem ersten extrem trockenen Sommer gebraucht“, so Janson. Die Schäden an den hiesigen Fichtenbeständen seien schon zu groß.

Teil der Käfer bekommt „eins auf die Mütze“

„Die Borkenkäfer, die sich im Winter im Holz unter der Rinde eingenistet haben, die werden durch diese Temperaturen wohl eins auf die Mütze bekommen haben. Der Population, die im Boden überwintert, wird dieser Frost aber nicht so viel anhaben, glaube ich“, so Janson.

Diese Vermutung äußert ähnlich der Landesbetrieb Wald und Forst NRW. „Die Larven, die sich unter Rinde eingenistet haben, wird es vermutlich bei der Kälte erwischt haben“, sagt Friedrich Louen von Wald und Holz NRW. 10 bis 40 Prozent der Käfer überwinterten jedoch wohl in der sogenannten Streuschicht am Boden. Da helfe die Schneeschicht aktuell auch teilweise, da sie isolierend wirkt und den Boden und somit auch die Käfer wärme. Diesen hilft zudem auch die Umwandlung körpereigener Stoffe, die die Frosthärte der Insekten hebt und sie sehr robust macht.

Die Population der Käfer werde wohl stark reduziert. Louen schränkt aber ein: Diese Kälte sei nur ein Baustein, der eine Entspannung der kritischen Lage für viele Bäume möglich machen könne. „Eine echte Entspannung ist es noch nicht. Wichtig ist eine Wasserversorgung des Bodens im Frühjahr und Sommer“, so Louen.

Hoffen auf Niederschläge im Sommer

Auch Andreas Janson hofft mit dem Blick auf die Landsbergschen Waldbestände auf Niederschläge im Frühjahr und Sommer. Denn auch zum Beispiel viele Eichen reagierten, so vermutet Janson, mittlerweile sichtbar auf die Trockenheit. „Überall sind Trockenäste an den Eichen zu sehen“. Diese haben keine Rinde mehr und sehen deutlich abgestorben aus.

Janson wird Jakob von Landsberg Velen weiter vorschlagen, seinen Wald stark zu mischen. Und das nicht nur in Neuanpflanzungen. „Das machen wir auch im Bestand“, so Janson. Hier und da wurden in der Vergangenheit schon Douglasien in einen bestehenden Wald gepflanzt. „Ich werde es bald mal mit Tannen probieren. Und da, wo noch keine Lärchen sind, versuche ich Lärchen hinzubringen, weil die eine angenehme Art hat, sich auszusamen“, sagt der Förster.

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