Nach dem Tötungsdelikt an der Danziger Straße stehen und liegen auf der Treppe vor dem Haus Blumen und Kerzen. Die Haustür, deren fehlende Glasscheibe durch Holz ersetzt wurde, ist behördlich versiegelt. © Frithjof Nowakewitz
Tötungsdelikt

Große Anteilnahme nach Familientragödie in Isselburg

Nach der Familientragödie an der Danziger Straße bekunden viele ihre Anteilnahme. Bürgermeister Michael Carbanje, der die Familie vom Sehen her kennt, ist geschockt. Um das überlebende Mädchen kümmert sich das Kreisjugendamt.

Warum tötet ein Mann seine Frau und Tochter? Angesichts der Familientragödie in einem Haus an der Danziger Straße fragen sich das derzeit viele Isselburger. Als mögliches Tatmotiv zieht die Polizei in Betracht, dass es nach der schon länger andauernden Trennung des Ehepaares zu Streit gekommen sei.

In den sozialen Netzwerken bekunden viele Menschen ihre Anteilnahme. Vor allem wünschen sie der 14-jährigen Tochter, die die Tat des Vaters körperlich unversehrt überstanden hat, viel Kraft.

Bürgermeister Michael Carbanje zeigt sich von dem Geschehen sichtlich geschockt. „Mir fehlen die Worte, wie man so was als Familienvater machen kann“, sagt er im BBV-Gespräch. Auch ihm liegt es am Herzen, dass die 14-Jährige das Geschehene mithilfe der Familie und des Jugendamtes bald verarbeiten kann. Er berichtet: „Ich kannte die Familie vom Sehen, da man sich aufgrund der räumlichen Nähe hin und wieder mal begegnet.“

Kerzen und Blumen an der Tür niedergelegt

Die Stichstraße, an der das Haus liegt, wirkt verlassen. Vor dem Hauseingang haben Menschen Kerzen und Blumen niedergelegt. Auf einem Glas, in dem sich eine Kerze befindet, bekundet ein Mädchen mit noch kindlicher Handschrift ihre Anteilnahme. Die Situation wirkt bedrückend. Das Polizeisiegel und die Eingangstür, die mit einer Holzplatte versehen ist, holen die Emotionen ein wenig auf den Boden.

Nur wenige Meter entfernt vollzieht sich der banale Alltag. Auf dem Gelände des nahegelegenen Aldi-Marktes gehen die Bürger einkaufen. Zwei ältere Frauen sprechen über das, was am Vortag passiert ist, und sind sich darin einig, dass sich private Tragödien meist hinter der Haustür abspielten. Eine sagt: „Man sieht es den Leuten doch nicht an, wenn es Probleme innerhalb der Familie gibt, die dann in solch einer Tragödie enden.“

Wie es dem überlebenden Mädchen geht, kann Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt auf Anfrage nicht sagen. Am Donnerstag habe die 14-Jährige psychisch stabil gewirkt, und es sei zunächst einmal „ein gutes Zeichen“, dass sie schon mit der Polizei gesprochen habe. „Ich kann nur hoffen, dass sich diese positiven Zeichen fortsetzen“, sagt der Sprecher der Staatsanwaltschaft Münster.

Weitere Details zu diesem Fall, etwa zur verwendeten Tatwaffe, möchte er nicht nennen – hier habe der Persönlichkeitsschutz Vorrang vor dem Interesse der Öffentlichkeit.

Jugendamt kümmert sich um die 14-jährige Tochter

Für Isselburg sei das Kreisjugendamt zuständig, bestätigt auf Anfrage Karlheinz Gördes, Pressesprecher der Kreisverwaltung. Der Fachbereich Jugend und Familie kümmere sich um die 14-Jährige. Derzeit würden Überlegungen angestellt, „wo sie nach dem Krankenhausaufenthalt leben kann“. Noch werde das Mädchen medizinisch betreut.

Gördes zufolge wird der Kreis beim Familiengericht die Vormundschaft beantragen, „damit wir rechtssicher handeln können“. Zudem habe die Kreisverwaltung die schulpsychologische Beratungsstelle eingeschaltet.

Mitarbeiter des Jugendamtes sind auf solche Einsätze vorbereitet

Wie werden die Mitarbeiter des Jugendamtes auf solche Einsätze vorbereitet? Von ihrer Ausbildung her seien sie auf besondere Situationen eingestellt, sagt der Pressesprecher. Doch mit Blick auf das Isselburger Tötungsdelikt betont er: „Das ist natürlich ein Extremfall.“ Beim Kreisjugendamt herrsche „große Betroffenheit – solch ein Fall nimmt alle mit“. Die zuständigen Mitarbeiter erhielten regelmäßige Supervisionen mit Fallbesprechungen. In Fällen wie diesen würden sie natürlich von der Kreisverwaltung begleitet, doch stehe nun im Fokus, „dass wir für das Kind klären, wie es weitergeht“.

14-Jährige auch von Opferschutz der Polizei betreut

Auch der Opferschutz der Polizei hat die 14-Jährige betreut. „Die Kollegen sind natürlich geschult“, berichtet auf Anfrage Frank Rentmeister, Sprecher der Kreispolizei Borken. Doch seien Polizisten „keine Psychologen“. Der Opferschutz der Polizei könne beraten, „Netzwerkarbeit“ betreiben und eine professionelle Beratung vermitteln.

Wie viele Einsätze der polizeiliche Opferschutz im Jahr hat, weiß Rentmeister nicht. Darüber werde wohl keine Statistik geführt, und zu den Aufgaben der Opferschützer gehöre es ja auch, mit den Opfern von Straftaten „viele Telefongespräche“ zu führen.

Ahaus, Heek und Legden am Abend

Täglich um 18:30 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.

Lesen Sie jetzt