Landrat Kai Zwicker kritisiert die aktuelle Corona-Politik: „Es fehlt an Führung." © Markus Schönherr
Kreis Borken

Inzidenz bleibt über 50: Warum sinken die Corona-Zahlen nicht?

Seitdem die 7-Tage-Inzidenz vor Wochen kurzzeitig unter die magische Marke von 50 gefallen war, schwankt der Wert im Kreis Borken zwischen 50 und 60. Landrat Dr. Kai Zwicker hat eine Vermutung.

Vor drei Wochen war der Kreis Borken auf einem guten Weg, was die Corona-Zahlen anbelangt. Erstmals seit langer Zeit fiel die 7-Tage-Inzidenz, also die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den letzten 7 Tagen, unter den Grenzwert von 50. Das war damals einer der niedrigsten Werte NRW-weit. Doch seit dem stagniert der Wert, er wechselt regelmäßig zwischen 50 und 60. Mittlerweile liegt der Kreis mit 60,1 über dem Landesdurchschnitt, der 56,0 beträgt.

„Wir haben keine Erklärung, die sich belegen lässt“, sagt Landrat Dr. Kai Zwicker im Gespräch mit dem BBV. Allerdings werden seit drei Wochen die Testergebnisse im zuständigen Labor verstärkt auf Mutationen des Virus untersucht. 50 Mutationen konnten laut Kreis bislang nachgewiesen werden. Zwicker vermutet, dass die Nähe zu den Niederlande, in der die britische Mutation weit verbreitet ist, eine Rolle spielt. „Das könnte ein Indiz dafür sein, dass die Zahlen nicht sinken“, sagt Zwicker.

Im Grenzgebiet ähnliche Zahlen

Da es hier viel Arbeitsmigration und sonstigen Grenzverkehr gebe, könnte das Virus vielleicht – und das vielleicht betont er deutlich – so schneller übertragen werden. Die Situation in Gebieten wie dem Kreis Kleve würde laut Zwicker ähnlich aussehen.

Auffällig ist, dass unter anderem in Bocholt die Zahl der Neuinfektionen in den letzten Tagen wieder deutlicher steigt. Gestern vermeldete der Kreis 17 neue Fälle im Stadtgebiet. Einen konkreten Auslöser für diesen Anstieg gibt es aber nicht. „Es gibt keine Cluster, also Ausbrüche in Altenheimen oder anderen Einrichtungen, bei denen sich die Menschen anstecken. Das passiert vor allem im privaten Bereich, zum Beispiel in der Familie“, so Zwicker. Ein Massentest in der Flüchtlingsunterkunft am Theodor-Heuss-Ring brachte auch keinen Infektionsherd zutage.

Grundsätzlich warnt Zwicker aber davor, jetzt in Panik zu verfallen, auch wenn man die Lage zugleich nicht bagatellisieren sollte. „Wir müssen einfach Disziplin bewahren, die Maske tragen und uns an die geltenden Regeln halten“, sagt der Landrat. Mit Blick auf die Niederlande rät er dazu, auf alle unnötigen Fahrten zu verzichten und auf die Regeln im jeweiligen Land zu achten.

Mehrheit verhält sich verantwortungsvoll

Anton Stapelkamp, Bürgermeister von Aalten, sagt auf Anfrage, dass die Lage zuletzt ziemlich stabil war. Die 7-Tage-Inzidenz liegt dort ungefähr bei 100. Gegen die Maßnahmen gebe es in Aalten wenig Widerstand. Auch als es in der letzten Woche sehr kalt war – die Niederländer lieben es, Schlittschuh zu fahren – hätte sich die Mehrheit der Menschen verantwortungsvoll verhalten.

Gespannt ist Stapelkamp im Hinblick auf die Berufungsverhandlung zur Ausgangssperre. Die Sperre war am 23. Januar aufgrund der hohen Infektionszahlen eingeführt worden. Das Verwaltungsgericht in Den Haag hatte sie am Dienstag zunächst aufgehoben. Die Berufungsinstanz setzte das Urteil aber noch am selben Abend wieder aus. Am Freitag soll nun eine Entscheidung fallen. Stapelkamp: „Das Urteil des Richters ist verständlich, es geht streng darum, die Freiheit der Menschen einzuschränken. Ein Richter könnte der nationalen Regierung aber auch mehr Ermessensspielraum in dieser Krise einräumen.“

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.