Soziales

Jeder zehnte Bürger im Kreis Borken ist schwerbehindert

Manche sitzen im Rollstuhl, bei anderen erkennt man auf den ersten Blick nicht, dass sie es sind – schwerbehindert. Fast jeder Zehnte im Kreis Borken hat eine anerkannte Schwerbehinderung.
Rund 35.000 Menschen im Kreis sind schwerbehindert – neben Rollstuhlfahrern (Symbolbild) auch psychisch Kranke, Krebspatienten und Blinde.
Rund 35.000 Menschen im Kreis sind schwerbehindert – neben Rollstuhlfahrern (Symbolbild) auch psychisch Kranke, Krebspatienten und Blinde. © dpa

9,5 Prozent der Bevölkerung oder in Summe 35.370 Männer, Frauen und Kinder waren es Ende 2021, wie das Statistische Landesamt NRW in dieser Woche mitteilte. Damit hat die Zahl der Schwerbehinderten seit 2013 kreisweit um rund 3000 zugenommen.

„Wir bearbeiten jährlich rund 10.000 solcher Verfahren“, sagt Karin Ostendorff, Leiterin des Fachbereichs Soziales beim Kreis Borken, wo man für das Thema zuständig ist. Ein Teil davon sind Erstfeststellungen, andere sogenannte Veränderungsanträge, etwa wenn sich bei Behinderten deren Lage verschlimmert oder aber auch verbessert.

Achtseitiger Antrag ist notwendig

Oft komme der Anstoß zum Antrag auf Feststellung einer Behinderung im Zuge einer Rehamaßnahme, manchmal von Sozial- oder Pflegediensten oder aber auch vom Antragsteller selbst, sagt Ostendorff. Mit einem achtseitigen Antrag kann man das Verfahren in die Wege leiten. Abgefragt werden die Personalien, Angaben zu Gesundheitsstörungen. Auch Haus- und Facharzt-Behandlungen und Krankenhausaufenthalte werden abgefragt.

„Das kann man durchaus selbst erledigen, das kriegt man hin“, sagt Rechtsanwältin Maria Lensker-Watermann. Sie ist Geschäftsführerin beim Kreisverband Borken-Coesfeld des Sozialverbandes VdK, der seine Mitglieder auch beim Thema Schwerbehindertenrecht berät. Ist der Antrag eingereicht, schauen sich vom Kreis beauftragte Ärzte die Unterlagen an – und entscheiden nach Aktenlage.

Steuerliche, arbeits- und rentenrechtliche Vergünstigungen

Dabei würden eventuell vorhandene Einschränkungen nicht einfach miteinander addiert, sondern miteinander abgewogen, betont Ostendorff. Das sei auch der Grund, weswegen der ermittelte Grad der Behinderung mitunter nicht dem entspricht, was die Antragsteller sich vorstellen. „Für viele ist 50 die magische Grenze“, betont die Sozialamtsleiterin. Das sei auch so, weil damit renten- und arbeitsrechtliche Besserstellungen verbunden sind. Gleichwohl gebe es Vergünstigungen, etwa auch steuerlicher Art, schon bei geringeren Graden.

Ist man mit der Einstufung durch den Kreis einverstanden, bekommt man die zeitlich befristete Einstufung, falls nicht, legt man Widerspruch ein. „2020 hatten wir bei 10.300 Schwerbehindertenverfahren 1400 Widersprüche“, nennt Ostendorff Zahlen.

Änderungsanträge können sinnvoll sein

„Vieles im Verfahren hat einen Spielraum“, weiß Lensker-Watermann aus ihrer Erfahrung. Einstufungen bis zum Grad von 40 seien relativ unstrittig, „50 zu erreichen ist schwer“, betont sie.

Es könne mitunter aber ein guter Weg sein, zunächst einmal eine Einstufung von unter 50 zu akzeptieren und diese dann über einen späteren Änderungsantrag überprüfen zu lassen, etwa wenn die Leiden sich verschlimmerten. „Gesundheit ist ja kein starrer Zustand“, betont sie. Für ein (im Übrigen grundsätzlich kostenfreies) Klageverfahren beispielsweise müsse man 1,5 Jahre rechnen, für einen Widerspruch drei Monate.

Vorab Gespräch mit dem Hausarzt suchen

Auch wenn bei der Masse der Verfahren immer mal was schief laufen könne, so arbeiteten die Westmünsterlandkreise Borken und Coesfeld „schon sehr gut“ sagt Lensker-Watermann. Man solle sich aber trotzdem Zeit für den Antrag nehmen und vorab mit dem Hausarzt sprechen, damit dieser weiß, dass er vom Kreis Borken in der Sache angeschrieben wird.

Hilfestellung in Sachen Schwerbehindertenantrag leisten neben dem VdK, der in Ahaus eine Geschäftsstelle fürs Westmünsterland betreibt (www.vdk.de/kv-borken-coesfeld), auch andere Sozialverbände. Kostenlos und auch für Nichtmitglieder tut das auch die „Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung“ (EUTB), die in Borken und Ahaus Büros unterhält (www.eutb-kreis-borken.de). Sie plant für Anfang Oktober eine Veranstaltung zum Thema „Schwerbehindertenrecht und Schwerbehindertenausweis“.

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