RS-Virus

Kinderklinik in Coesfeld überfüllt: Pop-Up-Klinik soll Abhilfe schaffen

Das RS-Virus sorgt dafür, dass die Kinderklinik in Coesfeld überfüllt ist. Eine Pop-Up-Tagesklinik soll für eine Alternative sorgen, doch dafür fehlt ganz dringend Personal.
Die kleine Clara (hier auf dem Arm ihrer Mutter) leidet wie viele andere Kinder an einer Infektion mit dem RS-Virus. Das Mädchen wird stationär in der Kinderklinik in den Christophorus-Kliniken behandelt.
Die kleine Clara (hier auf dem Arm ihrer Mutter) leidet wie viele andere Kinder an einer Infektion mit dem RS-Virus. Das Mädchen wird stationär in der Kinderklinik in den Christophorus-Kliniken behandelt. © Manuela Reher

Täglich blicken alle auf die Infektionszahlen beim Corona-Virus. Dabei beschäftigt Eltern und Kinderärzte gerade etwas ganz Anderes: das RS-Virus. Das ist die Abkürzung für das respiratorische Synzytial-Virus. Das verursacht schwere Erkrankungen der unteren Atemwege.

„Die Lage ist dramatisch“, sagt Dr. Hubert Gerleve, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin in den Christophorus-Kliniken. „Auf dem Papier haben wir 74 Betten in der Kinderklinik“, fügt er hinzu. Aber aktuell werden 84 kleine Patienten dort behandelt, davon 16 Kinder mit einer RSV-Infektion. Die Kinderklinik ist auch für Teile des Kreises Borken zuständig.

„Das komplette Team arbeitet unter Hochdruck“, sagt der Chefarzt. Man habe bereits zig Patienten abweisen müssen, weil die Aufnahmekapazität erschöpft gewesen sei. Das Problem gebe es nicht nur in Coesfeld, sondern bundesweit, betont Dr. Gerleve, der als Delegierter für den Landesverband NRW des Verbandes leitender Kinder- und Jugendärzte und Kinderchirurgen Deutschlands sehr gut vernetzt ist.

Kinderkrankenschwestern fehlen ganz dringend

Abhilfe soll in Coesfeld durch eine „Pop-up-Tagesklinik“ in den Christophorus-Kliniken geschaffen werden. Das würde die Möglichkeit schaffen, Bluttests und Ultraschall-Untersuchungen zu machen und dann den Schweregrad der Erkrankung der kleinen Patienten zu ermitteln, sagt Dr. Gerleve. Danach könnten die Patienten nach der Behandlung entweder wieder nach Hause entlassen oder stationär aufgenommen werden. Wenn klar sei, wie viele Patienten vollstationär aufgenommen werden müssen, könne man dann gezielt versuchen, Platz auf der Station zu schaffen.

Medizinische Geräte und Raum sowie Fachärzte seien vorhanden; allerdings fehle es dringend an Kinderkrankenschwestern. Dr. Hubert Gerleve appelliert an diesen Personenkreis, sich angesichts dieser Notlage zu melden. „Wir müssen uns der Verantwortung stellen“, macht der Chefarzt deutlich. Denn die Infektwelle laufe jetzt erst an.

„Für den Winter erwarten wir noch deutlich mehr dieser Infektionen“, sagt Dr. Gerleve. Die Kinder seien wegen der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie „immunologisch untrainiert“. Gerade Säuglinge hätten noch nicht genügend Antikörper für eine ausreichende Immunantwort auf das RS-Virus.

„Wir wollen keine Patienten mehr abweisen müssen“

Wenn die Rahmenbedingungen (Kinderkrankenschwestern und Finanzierung) geschaffen würden, könne die „Pop-up-Tagesklinik“ montags bis freitags von 10 bis 17 Uhr geöffnet werden. „Damit könnten wird das Gröbste auffangen“, ist sich Dr. Gerleve sicher. „Denn wir wollen keine Patienten mehr abweisen müssen.“

Eine aktuelle Umfrage unter den Kinderkliniken in NRW habe ergeben, dass sich etwa ein Drittel der Kinderkliniken an die Pflegepersonal-Untergrenzen-Verordnung halte und konsequent Betten schließe, wenn nicht ausreichend Personal vorhanden sei. Daher setzt sich Dr. Gerleve dafür ein, dass diese Verordnung angesichts der Notlage befristet ausgesetzt wird. Aus Sicht des Verbandes bestehe dringender Handlungsbedarf, um „einen Kollaps in den Kinderkliniken zu verhindern“ und eine Versorgung von schwer kranken Kindern zu ermöglichen.

Interessierte Kinderkrankenschwestern können sich im Sekretariat der Kinder- und Jugendklinik melden: Tel. 02541-8911312; Mail: paediatrie@christophorus-kliniken.de.

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