50-Euro-Schein mit dem Bildnis der Europa in einem durchsichtigen Porträt-Fenster – rechts auf einer echten, links auf einer gefälschten Banknote. Die Fälschung hat deutlich weniger Details (Symbolbild). © dpa
Spaß landet vor Gericht

Mann wollte mit falschem Fünfziger an der Tanke bezahlen – der Schuss ging nach hinten los

Zu der Verkäuferin im Tankstellen-Shop sagte der Mann, dass er zu Hause 10.000 Euro in falschen 50er-Scheinen habe. Dies habe er jedoch nur so zum Spaß gesagt, meinte er jetzt vor Gericht. Der Schuss ging nach hinten los.

Das Schöffengericht am Amtsgericht Bocholt befand einen Isselburger für schuldig, Mitte Februar versucht zu haben, an der Shell-Tankstelle in Anholt mit einem gefälschten 50-Euro-Schein zu bezahlen und so Falschgeld in Umlauf zu bringen.

Zu der Verkäuferin im Tankstellen-Shop sagte der Mann, dass er zu Hause 10.000 Euro in falschen 50er-Scheinen habe. Dies habe er jedoch nur so zum Spaß gesagt, bekundete der Angeklagte gestern vor dem Schöffengericht. „Ich wollte die Verkäuferin auf den Arm nehmen, aber leider ist der Schuss nach hinten losgegangen.“

Als die Polizei die Wohnung des Isselburgers durchsuchte, fand sie mehrere falsche 50-Euro-Scheine, die allerdings mit dem Vermerk „Kopie“ versehen waren und deshalb nicht als Falschgeld angesehen wurden. Die habe er in einem Online-Shop erworben, um sie in ein Geschenk für eine Silberhochzeit einzuarbeiten, erklärte der 41-Jährige vor Gericht.

Allerdings fand die Polizei bei der Durchsuchung auch den falschen 50-Euro-Schein, den der Angeklagte offenbar wieder mitgenommen hatte, nachdem die Mitarbeiterin der Tankstelle den Geldschein nicht angenommen hatte.

Nicht bewusst, dass das strafbar ist

Habe der Angeklagte denn nicht gewusst dass er Falschgeld sofort der Polizei melden und übergeben müsse, weil er sonst eine Straftat begehe?, fragte ihn der Richter. Nein, es sei ihm nicht bewusst gewesen, dass dies strafbar sei, antwortete der geständige Angeklagte. Er ist bereits wegen zweier weiterer Vergehen aktenkundig; womöglich erwartet ihn noch ein anderes Strafverfahren. Woher er den falschen Fünfziger habe, wisse er auch nicht mehr, sagte der Isselburger.

Im Einvernehmen mit der Staatsanwältin stufte der Vorsitzende Richter die Tat als minderschweren Fall ein und warf dem 41-Jährigen die Feilhaltung von Falschgeld vor, also die Bereithaltung von Falschgeld. Außerdem habe es sich um eine relativ geringe Summe und nur um einen gefälschten Geldschein gehandelt, stellte er fest. Die Beweisaufnahme war bereits nach 25 Minuten abgeschlossen; eine Zeugin, die zum Prozesstermin angereist war, brauchte nicht mehr gehört zu werden.

Während der Verteidiger für seinen Mandanten auf Freispruch plädierte, forderte die Staatsanwältin eine Geldstrafe über 120 Tagessätze. Das Gericht verurteilte den Mann schließlich zu einer viermonatigen Haftstrafe, die für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde. In der Urteilsbegründung nannte der Vorsitzende Richter den Umstand, dass der Angeklagte den falschen Fünfziger nicht zur Polizei gebracht habe, einen großen Fehler. Damit setze sich der Angeklagte dem Verdacht aus, den falschen Geldschein aufbewahren zu wollen, um ihn bei späterer Gelegenheit in Umlauf zu bringen – zumal er gewusst habe, dass der Geldschein gefälscht gewesen sei, fügte der Richter hinzu.

Warnschuss für den Angeklagten

Er betonte, das Gericht habe sich beim Urteil bewusst für eine Freiheitsstrafe anstelle einer Geldstrafe entschieden – sozusagen als Warnschuss für den Angeklagten. „Wenn Sie sich ab jetzt zwei Jahre lang nichts zu Schulden kommen lassen, ist die Sache erledigt“, sagte der Richter. Alle Beteiligten akzeptierten das Urteil; auf eine Berufung wurde verzichtet.

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