In 300 Autos versammelten sich am Donnerstag die Mitglieder der IG Metall zum Warnstreik auf dem Berliner Platz. © Sven Betz
Streik

Metaller streiken in Bocholt coronakonform wie im Autokino

Rund 450 Mitglieder der IG Metall haben am Donnerstag auf dem Berliner Platz in Bocholt ihren Forderungen in den Tarifverhandlungen Nachdruck verliehen - und zwar coronakonform im Auto.

Eine sichere Perspektive für die Zukunft, das fordert die Gewerkschaft IG Metall für die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie in der Region. Um ihre Forderungen gegenüber den Arbeitgebern in den anstehenden Tarifverhandlungen zu bekräftigen, haben sich am Donnerstag Arbeitnehmer zu einem Warnstreik auf dem Berliner Platz in Form eines Autokinos versammelt. Die Belegschaften von 15 Betrieben beteiligten sich an dem Warnstreik.

450 Metaller kamen zur Kundgebung

Mit 300 Autos, die mit 450 Metallern besetzt waren, warben die Teilnehmer für ihr Anliegen. Unterstützt wurden sie von weiteren 350 Kollegen aus dem Homeoffice. „Die Emotionen gehen hoch. Die IG Metall ist auch in komplizierten Zeiten kampffähig. Das haben wir heute in Bocholt eindrucksvoll unter Beweis gestellt“ sagte Pietro Bazzoli, Geschäftsführer IG Metall Bocholt.

Die Lage in den metallverarbeitenden Betrieben ist unterschiedlich. Gleichwohl sind alle Betriebe durch die Corona-Pandemie betroffen. So ist die Auftragslage bei der Anholter Firma Trox zufriedenstellend, bekräftige Betriebsrat Thomas Boland.

„Schwankende Auftragslage bei Schmitz Cargobull in Vreden“

Ganz anders sieht es aus bei Schmitz Cargobull in Vreden. Hier sprach Betriebsrätin Ronja Diesfeld von einer schwankenden Auftragslage. Darüber hinaus seien die Lieferketten durch die Pandemie unterbrochen worden, was die Arbeit des Unternehmens auch beeinträchtige. Das bedeute Kurzarbeit und Materialversorgungsengpässe. Gute Regelungen für den Einsatz von Leiharbeitern sind für die Betriebsrätin wichtig. „Nur durch Flexibilität kann die Situation verändert werden“, betonte Diesfeld.

Positiv bewertet sie die Anzahl der Auszubildenden im Unternehmen. Es sind annähernd 90. Zukunftssicherung ist das Stichwort, das für alle Betriebsräte wichtig ist. Auch Jürgen Bosse von der Firma Flender und Diane Brandenburg von der Firma Pieron sehen das so.

„Gutes Paket mit Flender geschnürt“

Für alle Firmen stehe die Nachfrage nach jungen Menschen an, die ja die Zukunft für die Unternehmen bedeuteten, hieß es. Die Veränderungen in den Firmen seien spürbar und die Kollegen erwarteten für die Zukunft verbindliche Zusagen, unterstrichen die Gewerkschafter. Als gute Regelung für die Zukunft sieht Betriebsrat Jürgen Bosse das Paket, das mit dem neuen Eigentümer von Flender geschnürt worden ist, seit Flender Siemens verlassen hat. „Es ist eine gute Regelung und wir haben eine Garantie für fünf Jahre“, sagte Bosse.

Die Gewerkschaft sehe die Herausforderungen, denen die Betriebe ausgesetzt sind. Deshalb sei es wichtig, dass kleine und mittelständische Betriebe nicht auf der Strecke bleiben. Gute und ausgebildete Mitarbeiter seien unabdingbare Voraussetzungen für den Erfolg eines Unternehmens. „Das Gold für jedes Unternehmen liegt in den Köpfen der Beschäftigten“, sagte Bazzoli.

Die IG Metall fordert in der aktuellen Tarifrunde ein Entgelt-Volumen von 4 Prozent bei 12 Monaten Laufzeit, das zur Stabilisierung der Einkommen oder zur Sicherung von Beschäftigung dienen soll. Außerdem wolle sie einen betrieblichen Rahmen für betriebliche Zukunftstarifverträge schaffen und die Perspektiven für dual Studierende verbessern, heißt es.

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