Die Gülleanlage hat nie richtig funktioniert. © Josef Barnekamp
Gülle-Großanlage

Millionenprojekt vor dem Aus: Insolvenzantrag für Gülleanlage gestellt

Richtig funktioniert hat die Gülle-Großanlage in Velen offenbar nie. Jetzt wurde ein Antrag auf Insolvenz beim Amtsgericht eingereicht. Zahlreiche Landwirte aus der Region hatten investiert.

Angekündigt worden war ihr Start schon vor Jahren. Richtig funktioniert hat sie aber offenbar nie. Die NDM Naturwertstoffe GmbH, die mit ihrer Gülle-Großanlage in Velen jährlich rund 200.000 Kubikmeter Gülle in ihre Einzelteile zerlegen und Stoffe wie Phosphor weiterverkaufen wollte, hat wegen drohender Zahlungsunfähigkeit einen Antrag auf Insolvenz beim Amtsgericht in Münster eingereicht.

Das habe NDM-Geschäftsführerin Doris Nienhaus bei der virtuellen Gesellschafterversammlung am Montag bekanntgegeben, sagte Ludger Schulze Beiering, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes, auf Anfrage unserer Zeitung. Nienhaus selbst war nicht zu erreichen. Sie hatte in der Vorwoche eine Anfrage unserer Zeitung zu Gerüchten über eine bevorstehende Insolvenz unbeantwortet gelassen.

Gerüchte gab es schon seit einigen Tagen

An der GmbH, die das Projekt für rund 17 Millionen Euro in der Bauerschaft Nordvelen errichtet hat, sind rund 90 Landwirte aus der Region als Gesellschafter beteiligt. Was mit ihren Investitionen passiert, war am Dienstag noch ebenso unklar wie die Frage, ob das Land in die Bresche springen muss: Während die beteiligten Bauern nach Angaben des Landwirtschaftlichen Wochenblattes mit 2,3 Millionen Euro plus fünf Millionen Euro Nachrangdarlehen beteiligt sind, hat das Land dem Projekt eine millionenschwere Landesbürgschaft zugesichert. In das Projekt waren zudem bereits 1,58 Millionen Euro Fördergeld aus Mitteln des Bundes bei der Landwirtschaftlichen Rentenbank geflossen.

Während vonseiten der NDM offenbar das Ausbleiben eines bereits bewilligten Landeszuschusses in Höhe von 1,5 Millionen Euro als Grund für den Insolvenzantrag genannt wurde, gibt es nach Ansicht von Fachleuten vor allem technische Gründe für das Scheitern. So habe das Konzept der Anlage, Phosphor, Kalilauge und anderes aus der Gülle abzuscheiden, nie richtig funktioniert. Noch im Vorjahr hatte NDM-Geschäftsführerin Doris Nienhaus eingeräumt, dass die Anlage zu maximal 60 Prozent ausgelastet sei – und das gut drei Jahre nach dem früher mal anvisierten Komplettstart der Anlage.

Die Pläne für die Gülleaufbereitungsanlage in Nordvelen hatte die NDM bereits vor fast genau sechs Jahren vorgestellt, nachdem das Projekt einer XXL-Gülle-Biogasanlage an gleicher Stelle gescheitert war. Damals war 2015/2016 als möglicher Start der Aufbereitungsanlage genannt worden.

Anlage sollte eigentlich schon vor Jahren funktionieren

Dass die NDM auf der Suche nach zusätzlichem Geld ist, das hatten die Verantwortlichen Anfang des Jahres auch Julia Klöckner unterbreitet. Die Bundeslandwirtschaftsministerin war auf Einladung des CDU-Bundestagabgeordneten Johannes Röring in Nordvelen zu Gast, mochte aber keine weitere Förderung zusagen.

Die beteiligten Landwirte, zu denen auch Ludger Schulze Beiering gehört, hoffen jetzt darauf, dass sich möglicherweise ein Investor findet, der das Projekt weiterführt. „Am liebsten wäre uns natürlich, wenn weiter Gülle verarbeitet wird“, sagte der Weseker Landwirt. Auch kämen andere Landwirte oder ein landwirtschaftliches Unternehmen in Frage. Dass das Projekt letztlich nicht nur am fehlenden Zuschuss gescheitert sei, daraus machte der Vorsitzende des landwirtschaftlichen Kreisverbandes keinen Hehl. Wenn das Konzept funktioniert und Geld eingebracht hätte, dann stünde man sicherlich jetzt nicht vor der Insolvenz.

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