Die Klinikleitung bleibt bei ihrer Entscheidung, dass der Borkener Kreißsaal im Laufe des Jahres 2022 schließt. © Peter Berger
Kreißsaal

Minister sieht keine Chance auf Erhalt der Geburtshilfe in Borken

Für den Weiterbetrieb der Geburtshilfe-Station am St.-Marien-Hospital Borken sieht NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann keine Perspektive. 2022 wird die Geburtshilfe nach Bocholt verlegt.

Knapp ein Jahr musste die Borkener SPD auf eine Antwort der Landesregierung auf ihre Online-Petition zum Thema Geburtshilfestation warten. Fast 6000 Unterzeichner hatten sich für den Erhalt der Geburtshilfe-Station am St.-Marien-Hospital ausgesprochen. Die Antwort von Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU), datiert vom 14. Januar, fällt erwartungsgemäß aus: Für den Weiterbetrieb der Abteilung sieht Laumann keine Perspektive.

Andere Stationen in erreichbarer Nähe

Im November 2019 hatte die Geschäftsführung des Klinikums Westmünsterland die Zusammenlegung der Geburtshilfe am St.-Agnes-Hospital Bocholt bekanntgegeben. Geschehen soll dies im Laufe des Jahres 2022. Der Standort Borken sei zu klein für eine wirtschaftliche Fortführung, lautete der Hauptgrund.

Darauf regte sich Protest. Für diesen äußert Laumann in seinem Schreiben zwar grundsätzlich Verständnis: „Die Menschen wollen, dass in der Stadt, in der sie leben, ein Krankenhaus ist, in dem auch Kinder zur Welt kommen“, heißt es in dem Brief. Andererseits könnten die Träger autonom über ihr Angebot entscheiden, sofern dadurch nicht die regionale Versorgung gefährdet sei.

Deutlich unter 40 Minuten Fahrtzeit

Laumann verweist auf den bundesweiten Grundsatzbeschluss, dass die flächendeckende Versorgung in der Geburtshilfe erst dann als gefährdet anzusehen sei, wenn die Fahrtzeit mit dem Auto mehr als 40 Minuten zur nächstgelegenen Station betrage. Das gelte gleichermaßen für städtische und ländliche Regionen.

Die Erreichbarkeit der Standorte Bocholt, Ahaus und Gronau sei, bezogen auf den gesamten Kreis, „deutlich“ unter dieser Zeitspanne gewährleistet, so Laumann. Zusammen mit dem Perinatalzenrum I im Coesfelder St.-Vincenz-Hospital, in dem „Frühchen“ behandelt werden, sei die Versorgung „ohne den Standort Borken“ sichergestellt.

„Andere Bundesländer, andere Politik“

Die Borkener Sozialdemokraten reagierten enttäuscht auf den Laumann-Brief, der mutmaßlich wegen der Bekämpfung der Corona-Pandemie erst jetzt versendet wurde. „Andere Bundesländer, andere Politik“, verweist Vorsitzender Jürgen Niemeyer auf ein Förderprogramm, das 2017 im unionsgeführten Bayern aufgelegt wurde.

Nach Angaben des bayrischen Gesundheitsministeriums besteht ein Ziel des Programms darin, kleinere Geburtshilfeabteilungen im ländlichen Raum zu sichern. Mit dieser Säule würden Landkreise und kreisfreie Städte im ländlichen Raum finanziell unterstützt, die Defizite kleinerer Geburtshilfestationen ausgleichen.

Der Freistaat übernehme dabei im Rahmen der zur Verfügung stehenden Mittel bis zu 85 Prozent des auf die Geburtshilfe entfallenden Defizits – maximal jedoch eine Million Euro je Haus. Das Geld sollte erstmalig 2019 für Defizite ausgezahlt werden, die im Jahr 2018 entstanden sind.

Mit jeweils unter 500 Geburten in den vergangenen Jahren gehört Borken zu den kleinen Geburtshilfen in NRW.

Über den Autor

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.