Die Feuerwehr steht am Flugplatz Renneritz an der weiträumig abgesperrten Unfallstelle. Hier war ein Flugzeug abgestürzt. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild
Unglück in Sachsen-Anhalt

Nach Flugzeugabsturz mit drei Jugendlichen: „Unglück macht fassungslos“

Bei einem Flugzeugabsturz in Sachsen-Anhalt sind am Sonntag vier Menschen ums Leben gekommen. Darunter auch drei Jugendliche aus der Region Borken, die dort ein Fliegerlager besucht hatten, und der Pilot.

Bei einem Flugzeugabsturz in Sachsen-Anhalt sind am Sonntagnachmittag vier Menschen ums Leben gekommen. Unter den Opfern sind auch junge Mitglieder des Luftsportvereins Borken, die dort ein Fliegerlager besucht hatten. Unter Beteiligung von Notfallseelsorgern fand am Montagabend auf dem Flugplatz in Hoxfeld eine Andacht statt.

„Wir sind in Schockstarre, das hat uns alle völlig aus der Bahn geworfen“, sagt Thomas Grunden. Der Vorsitzende des Luftsportvereins Borken versucht die Niedergeschlagenheit in Worte zu fassen, die den ganzen Club seit Sonntagnachmittag erfasst hat. Drei Jugendliche, die in Hoxfeld trainiert haben – zwei Mädchen (14 und 16) und ein 15-jähriger Junge – sind beim Absturz eines Kleinflugzeugs in Renneritz/Sachsen-Anhalt ums Leben gekommen.

Zahlreiche Augenzeugen

Auch der 55-jährige Pilot ist tot. Unter Beteiligung von Notfallseelsorgern fand am Montagabend auf dem Flugplatz eine Andacht statt. Auch die Eltern der toten Kinder seien vor Ort gewesen. „Wir haben viel gesprochen, viel geweint“, sagt Grunden.

Das Wrack des völlig ausgebrannten einmotorigen Flugzeuges wird von Mitarbeitern des Luftfahrt-Bundesamt untersucht. © Heiko Rebsch/dpa-Zentralbild/dpa © Heiko Rebsch/dpa-Zentralbild/dpa

Das Unglück sei offenbar beim Landeanflug vor zahlreichen Augenzeugen geschehen, so Grunden. Die Segelflugschüler hatten sich dort zu einem zweiwöchigen Sommer-Camp aufgehalten. Mit dem erfahrenen Piloten seien die Jugendlichen zu einem Rundflug aufgebrochen, der nicht zum eigentlichen Lehrgangsprogramm gehörte.

16-Jährige wurde zuerst lebend geborgen

Die 16-Jährige konnte schwerverletzt aus dem Wrack geborgen werden, sie erlag am Montagmorgen jedoch im Krankenhaus ihren Verletzungen. Grunden selbst war nicht vor Ort. Er sei am Sonntag unmittelbar nach dem Absturz von einem völlig aufgelösten Clubmitglied angerufen worden.

Unter Beteiligung der Kreisstelle habe man dann sofort versucht, Gewissheit über die Identität der Opfer zu erlangen. Gegen 21 Uhr sei den Eltern dann die traurige Nachricht überbracht worden. „Wir wollten nicht, dass sie es aus den sozialen Medien erfahren“, sagt Grunden.

Aus Borken und Rhede

Ein Mädchen und der Junge stammen aus Borken, das andere Mädchen ist Rhederin und gehörte der Luftsportgruppe Bocholt an, deren Mitglieder ebenfalls ihre Basis in Hoxfeld haben. „Wir sind alle eine Familie“, beschreibt Grunden das Zusammengehörigkeitsgefühl. „Ans Fliegen mag hier momentan keiner denken“, sagt er.

Bis mindestens Sonntag soll der Betrieb am Flugplatz weitgehend ruhen. Am Samstag und Sonntag wolle man Gesprächskreise anbieten. „Wir sind alle eine Familie“, beschreibt Grunden das Zusammengehörigkeitsgefühl in Hoxfeld. Darauf komme es in dieser schweren Zeit besonders an, fügte er hinzu.

Betroffenheit im Aero-Club ist groß

Auch beim Dachverband, dem Deutschen Aero-Club, ist die Betroffenheit groß. „In der Fliegergemeinschaft herrscht tiefe Trauer, wir bekommen auch viele Rückmeldungen aus den Landesverbänden“, sagt Präsident Stefan Klett zur BZ. „Wir fühlen mit den Angehörigen und den Vereinsmitgliedern.“ Ein solch tragisches Unglück „mitten in einer Ferienstimmung“ mache fassungslos, so Klett, der zugleich Präsident des Landessportbundes ist.

Die Ursache für den Absturz ist unklar. Laut Medienberichten handelte es sich um eine viersitzige Maschine vom polnischen Typ „PZL-104 Wilga“. Experten der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung in Braunschweig haben die Ermittlungen aufgenommen.

Mit schnellen Ergebnissen sei nicht zu rechnen, sagte ein Sprecher der Bundesstelle dem MDR. Er verwies auf umfangreiche Analysen. Dazu gehörten der technische Zustand der Maschine, die Flugerfahrung des Piloten, die örtlichen Gegebenheiten wie auch das Wetter zum Zeitpunkt des Unglücks.

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