Die Ponys haben auf dem Gnadenhof ihre eigene Koppel. Dieses Pony wurde mit der Flasche aufgezogen und landete später auf dem Gnadenhof. © Sven Betz
Gnadenhof

Rettung vor dem Schlachthof: Gnadenhof in Rhede nimmt Pferde auf

Kirstin und Daniela Niehaves führen einen Gnadenhof in Rhede. Drei weitere Pferde kamen allein in der Coronazeit dazu. Die Schwestern sind auf Spenden angewiesen, um den 35 Pferden und auch Hühnern und Schafen zu helfen.

Drei weitere Pferde haben Kirstin und Daniela Niehaves während der Corona-Pandemie auf ihrem Gnadenhof in Krommert aufgenommen.

Ein Pferd sollte eigentlich fürs Voltigieren eingesetzt werden, doch seine Gesundheit spielte nicht mit. Der Hengst hatte Glück: Er wurde nicht eingeschläfert, sondern fand Zuflucht auf dem Gnadenhof.

Noch schlimmer wäre es für zwei Jährlinge geworden, sie wären auf dem Teller gelandet. „Die beiden Kaltblüter waren fürs Schlachten gezüchtet worden“, sagt Kirstin Niehaves. Eigentlich wollte die 50-Jährige zu dem Zeitpunkt keine weiteren Pferde mehr aufnehmen. „Aber dann habe ich Bilder von ihnen gesehen und wenn man die Bilder erst mal im Kopf hat…“, sagt Niehaves.

35 Pferde und Ponys leben auf dem Gnadenhof

Nun leben 35 Pferde und Ponys auf dem Gnadenhof in Krommert. Das Gelände haben Niehaves und ihre jüngere Schwester gepachtet. Ihren Tieren können sie dort eine 2,5 Hektar große Außenfläche bieten. Schon über 25 Jahre ist der Gnadenhof dort angesiedelt. Schon immer war es den Schwestern ein Herzensanliegen, sich um in Not geratene Tiere zu kümmern. „Schon mein erstes Pferd war ein Tierschutzpferd“, sagt Kirstin Niehaves. „Es war damals mehr tot als lebendig, als ich es bekommen habe“, sagt sie.

Das älteste Pferd auf dem Gnadenhof ist eine weiße Stute. Sie ist 42 Jahre alt und lebt dort seit 11 Jahren. „Sie ist leicht dement und sieht nicht mehr so gut“, berichtet Niehaves. Vor vier Wochen erlitt die Stute einen Schlaganfall. Inzwischen geht es dem Pferd wieder etwas besser. „Der Tierarzt hat gesagt, diese Chance soll sie bekommen“, erzählt Niehaves.

Natürlich fällt auf dem Gnadenhof viel Arbeit an, die meistern die Schwestern gemeinsam mit drei Helfern, zwei davon sind jedoch derzeit krank. Die Pferde haben zum Beispiele Arthrose und Muskelprobleme. „Die Arbeit auf dem Gnadenhof besteht vor allem Dingen aus Scheißeschippen“, formuliert es Niehaves drastisch. Es gehe nicht darum, mit den Pferden zu kuscheln. „Das wollen viele unserer Tiere eh nicht mehr, weil sie zu oft von den Menschen enttäuscht worden sind“, sagt Niehaves. Das sei vielen Menschen, die schon mal auf dem Gnadenhof helfen wollen, nicht klar.

Geritten wird keines der Pferde mehr

Geritten wird keines der Pferde auf dem Gnadenhof mehr. „Die Pferde sind alle krank“, sagt Niehaves. Einer der Neuzugänge – das ehemalige Voltigierpferd – ist sehr dünn. Niehaves hat ihn vom Tierarzt gründlich durchchecken lassen, doch körperlich fehlt dem Pferd eigentlich nichts. „Vielleicht ist es Stress“, vermutet Niehaves. Das Pferd soll nun einzeln gefüttert werden und nicht mehr gemeinsam mit den anderen.

35 Pferde benötigen natürlich auch eine ganze Menge Futter. Am Tag wird ein großer Rundballen Heu benötigt, dazu kommen 400 Kilogramm Kraftfutter im Monat. Benötigt werden auch Stroh und Späne, Vitamine sowie Spezialfutter. Das geht ins Geld. Der Gnadenhof benötigt im Monat 3500 bis 4000 Euro. Während der Corona-Pandemie sind dem Gnadenhof viele Spenden weggebrochen. „Wenn die Leute selbst kein Geld mehr haben, können sie auch nichts spenden“, sagt Niehaves.

Der Gnadenhof arbeitet mit dem Veterinäramt des Kreises und dem Tiernotruf zusammen. Einige der Pferde, die nun auf dem Gnadenhof leben, waren zuvor vom Kreisveterinäramt beschlagnahmt worden. Vor etwa zwei Jahren nahm der Gnadenhof übergangsweise auch acht Schweine auf, die in Raesfeld auf einem Acker gefunden worden waren.

Auch zwölf Hühner aus einer Legebatterie gerettet

Neben den Pferden leben auf dem Gnadenhof auch zwölf Hühner, die aus einer Legebatterie gerettet wurden. Zudem hat Niehaves 22 Schafe, die bei einer Freundin in Hamminkeln auf der Wiese stehen. Zum Scheren sind die Schafe nun zum Gnadenhof gebracht worden. Ein Teil der Schafe ist noch dort, die übrigen Tiere sind bereits wieder in Hamminkeln.

Mehr Infos auf der Internetseite des Gnadenhofs .

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