Per Handy einen Parkplatz reservieren? In Smart Cities soll vieles möglich werden, hoffen Kreis und Kommunen. © Colourbox.com
Kreis Borken

Smart City: Kreis Borken bewirbt sich für Modellprojekt

Es klingt verlockend, scheint zukunftsweisend – und realistisch. Vernetzte Städte, die sich moderner Computertechnik bedienen, gesteuert über Apps. Eine Smart-City soll auch der Kreis Borken werden.

Smart City heißt ein Modellprojekt, das im Kreis Borken in einigen Jahren Standard sein könnte mit 17 intelligenten, cleveren Städten und Gemeinden. Per Handy einen Parkplatz reservieren? In Smart Cities soll vieles möglich werden, hoffen Kreis und Kommunen.

Der Kreistag hat in seiner jüngsten Sitzung seinen Segen gegeben für das 13,6 Millionen Euro schwere Paket. Bei einer 65-prozentigen Förderung bleiben (überschaubare) 3,5 Millionen Euro Eigenanteil. Alle 17 Kommunen sitzen im Boot. Mit am Ruder ist die Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Borken (WFG).

Region steht mit Herzblut dahinter

Die kommunale Gemeinschaft hat offenbar die Zeit erkannt: In der Rekordzeit von nur sechs Wochen haben die Beteiligten unter Federführung der Stabsstelle des Kreises die Bewerbung geschrieben und zum Bauministerium nach Berlin gesandt. Michael Weitzell, Leiter der Stabsstelle beim Kreis: „Die Region steht mit Herzblut dahinter. Es geht nicht um Peanuts.“ Es geht um mehr – um Stadtentwicklung und Digitalisierung einer Region in einem modernen Zeitalter mit hochmodernen Hilfen.

Die Möglichkeiten scheinen fast endlos. Beispiele: Messung von Pegelständen der Flüsse, Füllmengen in Abfallbehältern und Müllcontainern in Gewerbegebieten; weitere Einsatzgebiete: Stromleitungsnetze, Straßenbeleuchtung, Verkehrsströme, autonomes Fahren.

Schwerpunkt Mobilität

Kreis und Kommunen widmen sich dem Schwerpunkt Mobilität. Ziel sei ein Rundumservice, sagt Michael Weitzell: Wann kommt der nächste Bus, der mich von Ahaus nach Heek bringt. Gibt es dort eine Fahrradverleihstation oder Car-Sharing? Wenn ich mit dem Auto in die Stadt fahre(n muss): Welche Parkplätze sind voll? Wann wird ein Platz wo frei? Ein gut funktionierendes Parkleitsystem sei erfahrungsgemäß eine anspruchsvolle Aufgabe, meint Weitzell.

Auch die „letzte Meile“ spiele im zunehmenden Paketverkehr eine immer größere Rolle: Wäre es sinnvoll, vor der Stadt in Kooperation mit Unternehmen einen Standort für Paketlieferungen aufzubauen, die von dort zentral mit einem E-Fahrzeug in die Citys gebracht würden?

Positiven Effekt auf Umwelt

Inken Steinhauser, für Digitalisierung bei der WFG zuständig, betont, dass eine Fülle von Akteuren mitbeteiligt werden soll: Stadtwerke, Verkehrsbetriebe, Wohnungswirtschaft, Technologieunternehmen, Gewerbebetriebe, gemeinnützige Träger, die Wissenschaft. Steinhauser: „Digitale Mobilitätsangebote haben einen positiven Effekt auf die Umwelt, verbessern die wirtschaftliche Situation, beleben Innenstädte, bieten speziell Lösungen für den kriselnden Einzelhandel, ermöglichen durch Anbindung von Ortsteilen und Vernetzung von Verkehrsträgern eine bessere Nutzung des Nahverkehrs, neue Möglichkeiten für Berufspendler und soziale Kontakte.“

Ob das Vorhaben angenommen wird, entscheidet sich bis zum Sommer. Michael Weitzell hat ein gutes Gefühl: „Wir können mit dem Pfund wuchern, dass die gesamte Region mit 18 Partnern dahinter steht.“ Das sei eher selten der Fall.

3,5 Millionen Euro Eigenanteil

Der relativ junge Sammelbegriff „Smart City“ beschreibt Ideen und Konzepte für urbane Räume, mit denen Städte durch Einsatz moderner Technologie effizienter und damit klimaschonender sowie lebenswerter werden sollen. So erklärt das Wissenslexikon Wikipedia den Begriff. Das Projekt für „clevere“ Städte in der Region bezuschusst die Bundesregierung mit 65 Prozent. Die für den Kreis bisher verbleibenden 35 Prozent (3,5 Millionen Euro) könnten wohl durch weitere Förderungen (Land, Stiftungen, EU) minimiert werden. Sollte die Bewilligung in den nächsten Wochen erfolgen, wäre mit einer Vorbereitungszeit bis zum Start von etwa einem Jahr zu rechnen. Projektende wäre vier Jahre später. Smart-City-Modellprojekte laufen seit Förderbeginn 2019 bereits in 45 Städten und interkommunalen Verbünden. Für die jetzige Bewerbungsphase stehen laut Kreis Borken 300 Millionen Euro zur Verfügung. Zum Aufbau der Infrastruktur wäre der Ausbau eines kreisweiten sogenannten LoRaWAN-Netzes nötig. Das steht für Long Range Wide Area Network – ein digitales Netz unter Berücksichtigung von Cybersicherheit und Datenschutz. Ein solches Netz soll energieeffizientes Senden von Daten auch über lange Strecken ermöglichen.

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