Jörn Christiaens betreibt in einem kleinen Raum seines Elternhauses eine besondere Form der Landwirtschaft. © Stefan Pingel
Kreative Idee

Start-up „Vollgepackt“: Eine besondere Form der Landwirtschaft

Jörn Christiaens betreibt mit seinem Start-up „Vollgepackt“ eine ganz besondere Form der Landwirtschaft. Seine Pflanzen wachsen in geschlossenen Räumen in einem Regal bei Kunstlicht.

Bei Jörn Christiaens wachsen die Pflanzen übereinander. In dem kleinen Raum in seinem Elternhaus in Loikum stapelt der 27-Jährige die Felder mit grünen und roten Radieschen, Erbsen, Brokkoli und Rotkohl in einem Regal übereinander. Mit seinem jungen Start-up-Unternehmen „Vollgepackt“ verkauft er in verschiedenen Märkten in der Region die Ernte der sogenannten Microgreens.

Dahinter verbergen sich im Prinzip Keimlinge, die sowohl als Nahrungsergänzungsmittel als auch Dekoration von Speisen Verwendung finden. „Man holt sich die Kindheit ins Regal“, beschreibt er den Anbau.

Urban oder Vertical Farming

Aufgewachsen im ländlichen Loikum arbeitet Christiaens aktuell als Projektingenieur in der Logistikberatung in Düsseldorf. Als er anfing, sich privat mit dem Thema der Selbstversorgung zu beschäftigen, stieß er schnell auf Begriffe wie Urban oder Vertical Farming.

Speziell in Städten, wo es an Platz mangelt, soll die vertikale Landwirtschaft genutzt werden, um dort den Anbau von Obst und Gemüse auch im großen Stil zu ermöglichen. Außerdem stieß er auf die Microgreens, die zum Teil aufgrund ihrer Inhaltsstoffe als Superfood gehandelt werden.

Theorie in die Praxis umgesetzt

Als Christiaens im vergangenen Jahr tatsächlich daran ging, die Theorie in die Praxis umzusetzen, stand dahinter schon der Plan, nicht nur sich selbst zu versorgen, sondern damit auch Geld zu verdienen. Und bei seinem Start-up „Vollgepackt“ macht die ganze Familie mit. Angebaut werden die Sprossen bei seinen Eltern Sophie und Bernhard Christiaens in Loikum.

Dort habe er doch mehr Platz und Fläche, obwohl ja viel Platz beim Vertical Farming nicht benötigt wird. Seine Schwester Julia betreut von Kuala Lumpur aus die Website. Und seine jüngere Schwester Judith kümmert sich in Chicago um den Bereich Forschung. Schon mit dem Start also ein internationales Unternehmen, könnte man sagen.

Anbau auf Hanfmatten

Üblicherweise wird beim Anbau mit Nährstofflösungen auf Hanfmatten gearbeitet. Christiaens zieht seine Microgreens aber in Bioerde groß. Pflanzenschutzmittel werden nicht verwendet. Es gibt auch keinen Insektenbefall. Im Prinzip produziere er die Microgreens in Bioqualität“, sagt Christiaens. Er verwendet zwar heimische Gemüsesorten wie Brokkoli, Sonnenblumen oder Radieschen, ist durch die kurze Anbauphase aber nicht mehr saisonal gebunden.

Zum Teil werden die Samen eingeweicht. Auf jeden Fall durchlaufen sie eine Dunkelphase, die etwas drei bis fünf Tage dauert. In abgedeckten Schalen keimt die Saat heran und wird regelmäßig gewässert. Damit wird der Wachstumsprozess unter der Erde simuliert, erläutert der Microgreens-Stadtfarmer.

In den USA „boomt“ die Nachfrage

Dann kommen die Schalen mit den Keimlingen offen bis zu sieben Tage ins Regal. Leuchtstoffröhren decken das Lichtspektrum des Tages ab. „Die Ernte erfolgt nach etwa 14 Tagen kurz vor dem Laubblattstadium“, sagt Christiaens. Die Sprossen verpackt er dann zu 25 oder 50 Gramm in Tüten aus Graspapier.

In den USA sind die Microgreens „ein Riesending“, erzählt der Jungunternehmer. Sie sollen nicht nur frischen Wind in die Kulinarik bringen, sondern werden auch für ihre Eigenschaften gelobt. Sie sollen zum Beispiel 40 Mal mehr Vitalstoffe aufweisen als ausgewachsenes Gemüse. Auch die sekundären Pflanzenstoffe werden eine gesundheitsfördernde Wirkung zugeschrieben.

Viele positive Effekte

Je nach Pflanzenstoff kann das eine antimikrobielle, entzündungshemmende oder verdauungsfördernde Wirkung sein. Als Konkurrenz zur klassischen Landwirtschaft sieht der Stadtfarmer das Vertical Farming allerdings nicht, eher als Ergänzung.

Die Resonanz nach seiner ersten Lieferung im November ist durchaus groß. „Es spricht sich herum, die Nachfrage steigt.“ Christiaens geht davon aus, dass er den Anbau der Microgreens bald ausweiten muss. Und auch neue Sorten will er im Sommer ins Programm nehmen.

Verkaufsorte & Kontakt

  • Die Microgreens von „Vollgepackt“ erhält man unter anderem bei Edeka Komp oder den Biomärkten in Bocholt und Wesel, bei de Baey auf dem Bauernmarkt in Loikum oder auf dem Bocholter Wochenmarkt bei Käse und Feinkost Heßling.
  • Ein Kontakt ist möglich per E-Mail an info.vollgepackt@gmail.com oder unter 01520-1595549. Auch auf Instagram kann man dem jungen Start-up-Unternehmen unter dem Stichwort „Vollgepackt“ folgen.

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