Malte Stump (23) macht eine Lehre in der einzigen Geigenbauwerkstatt in Dortmund. © privat
Ausbildung

Statt Studium: Bocholter baut und repariert Geigen

Seit 2019 absolviert Malte Stump eine Ausbildung in der Bley&Sohn Geigenbauwerkstatt in Dortmund. Vor einigen Tagen initiierte er ein ungewöhnliches Projekt: Geigenbau an einem Wochenende.

In einem Freizeitprojekt baute Malte Stump jetzt mit drei Mitschülern in 43 Stunden eine Geige in der Werkstatt der Dortmunder Firma Bley&Sohn, die nicht aus Tropenholz, sondern aus heimischen Hölzern besteht. Fotos: privat

Mit Musik und Instrumenten ist Malte Stump groß geworden. Schon früh spielte der Bocholter Bratsche, dann Geige und war Mitglied im Jugendsinfonie-Orchester der hiesigen Musikschule. Nach dem Abitur am St.-Georg-Gymnasium studierte er zunächst Musik und Biologie auf Lehramt und als Zweitstudium Orchester-Leitung (Dirigat). Doch dann schlug er eine andere, eher seltene Richtung ein: Der Bocholter macht zurzeit eine Ausbildung zum Geigenbauer und repariert und baut selbst Instrumente.

Nur zwei Musikbauinstrumentenschulen in Deutschland

„Ich bin jetzt im dritten Lehrjahr und ich werde wohl im Juli 2022 meine Gesellenprüfung machen“, sagt Stump im Gespräch mit unserer Zeitung. Er hat sich für eine dreijährige duale Ausbildung entschieden. Sein Arbeitgeber ist die Bley&Sohn Geigenbauwerkstatt im Dortmunder Kreuzviertel, die sich auf die Reparatur, die Restauration und den Verkauf von Streichinstrumenten spezialisiert hat. Zweimal im Jahr fährt Stump zum Blockunterricht für jeweils fünf Wochen nach Mittenwald in Bayern. Dort gibt es eine von nur zwei Musikbauinstrumentenschulen in Deutschland. Die andere ist im sächsischen Klingenthal zu finden.

„Die Entscheidung, mein Studium an der Musikhochschule in Köln abzubrechen, ist eigentlich recht spontan gefallen“, sagt Stump. Er habe vorher schon als Aushilfe bei Bley&Sohn gearbeitet, „um mir Geld fürs Studium zu verdienen“. Das kleine Unternehmen in Dortmund hatte er schon über die Bocholter Musikschule kennengelernt. „Ich fand es total schön, etwas mit den Händen zu machen, einen direkten Kontakt zu den Instrumenten zu haben und auch zu den Kunden“, sagt der Bocholter. Das habe ihm mehr gefallen als das Studium.

Arbeit erzeugt langfristigen Mehrwert

Jetzt habe er oft viele schöne, auch alte Instrumente in den Händen. „Ich bekomme Instrumente auf den Tisch, die nahezu schrottreif sind. Ich versuche dann, das Beste wieder aus ihnen herauszuholen“, sagt der 23-Jährige. Mit der Arbeit erzeuge man einen langfristigen Mehrwert. „Wenn die Instrumente gut gepflegt werden, kann man meine Arbeit in 100 Jahren noch sehen.“

Es sei kein Muss, Geige spielen zu können, um Geigenbauer zu werden, sagt der Bocholter. „Aber es hilft einem schon enorm.“ Das sieht sein Chef, Jonathan Bley, genauso. „Man sollte den Kunden schon etwas vorspielen können und es ist auch gut, wenn sie sehen, dass man mit den Instrumenten sehr vertraut ist“, sagt der 40-Jährige. Mit Malte Stump als Auszubildenden sei er sehr zufrieden. „Er ist unheimlich engagiert und ich bin mir sicher, dass er die Gesellenprüfung schaffen wir“, sagt Bley.

In 43 Stunden Geige gebaut

Beeindruckt habe ihn das jüngste Freizeitprojekt von Malte Stump. Dafür stellte der Dortmunder seine kleine Werkstatt zur Verfügung. Zusammen mit drei anderen Schülern der Mittenwalder Schule baute der Bocholter an einem Wochenende in 43 Stunden eine Geige. Das Besondere: „Sie besteht nicht aus Tropenholz, sondern aus heimischen Hölzern.“ Zugleich sei das Projekt eine gute Übung für die Gesellenprüfung gewesen, in der auch Teile von Instrumenten gebaut werden müssen.

Nach der Ausbildung will Stump erst einmal bei seinem jetzigen Arbeitgeber bleiben. „Dann aber möchte ich für ein paar Jahre nach Großbritannien, um mehr über den Geigenbau zu erfahren“, sagt der Bocholter. „Und irgendwann“, so fügt der 23-Jährige hinzu, „möchte ich mich selbstständig machen.“

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