So sieht das Grabenprofil aus. Der Schutzstreifen mit zwei parallel verlaufenen Leitungen ist 24 Meter breit, die Baubedarfsfläche 35 Meter. Baustart soll 2023 sein. Amprion meint, nach einem Jahr könne Ackerfläche wieder bewirtschaftet werden. © Horst Andresen
Stromtrasse

Stromtrasse genehmigt: Amprion stellt Abschnitt Borken-Osterath vor

Der Netzbetreiber Amprion hat am Montag einen Teilabschnitt einer neuen Stromtrasse vorgestellt, der auch den Kreis Borken durchqueren wird. Amprion rechnet mit einigen Klagen.

Die Bundesnetzagentur in Bonn hat den geplanten Streckenverlauf einer Stromtrasse (A-Nord) von Borken-Rhedebrügge bis Meerbusch-Osterath (Kreis Neuss) genehmigt (Abschnitt D). Die Trasse wurde am Montag, 7. Juni, vom Netzbetreiber Amprion GmbH, Dortmund, in Wesel vorgestellt. Sie führt von Rhedebrügge südlich an Rhede und Bocholt vorbei Richtung Rees und unterquert dort den Rhein. Der Verlauf Richtung Nordkreis (Abschnitt C) wird erst im Juli bekanntgegeben. Die Stromautobahn soll 2025 fertig sein. Sie führt von Emden in den Westen und vom Knotenpunkt Osterath nach Süddeutschland. Ihr Ziel: überschüssigen Strom aus dem Norden zu Verbrauchern zum Süden zu transportieren. Die Kosten werden mit zwei Milliarden Euro kalkuliert.

Der Netzbetreiber Amprion hat am Montag einen Teilabschnitt einer neuen Stromtrasse vorgestellt, die den Kreis Borken durchqueren wird. Am Montagmorgen hatte die Bundesnetzagentur in Bonn den Abschnitt D über eine Länge von knapp 103 Kilometern freigegeben.

Demnach wird die Leitung südlich von Bocholt zwischen dem Ortsteil Biemenhorst und Dingden-Lankern verlaufen und weiter südöstlich von Rhede. In Rhedebrügge, westlich des Pröbstingsees in Borken-Hoxfeld, ist planerisch erst einmal Schluss. Der Verlauf des Abschnitts C, der Richtung Nordkreis führt, soll von der Agentur erst im Juli bekanntgegeben werden, berichtete am Montag Amprion vor der Presse in Wesel.

Die Rhein-Unterquerung soll bei Rees verlaufen. Von dort wird der Strom zum Verteiler nach Meerbusch-Osterath im Kreis Neuss weitergeleitet. Das Erdkabel mit zwei Gigawatt Volumen (Bedarf für zwei Millionen Menschen) soll Strom von Windkraftanlagen aus dem Norden durch die Republik zum Süden transportieren. Netzbetreiber Amprion rechnet mit zwei Milliarden Euro Kosten für die rund 300 Kilometer lange Strecke Emden-Osterath.

Die Netzagentur hat zunächst einen 1000 Meter breiten Korridor genehmigt. In ihm muss der 24 Meter breite Trassenstreifen liegen; den muss die Bundesnetzagentur später nochmals genehmigen. In den nächsten Monaten werden von Amprion Planfeststellungsverfahren mit Beteiligung der Öffentlichkeit eingeleitet. Das Dortmunder Unternehmen erhofft sich einen Baubeginn in 2023, parallel verlaufend zwischen Emden und Endpunkt Osterath.

5000 Ansprechpartner – Amprion rechnet mit Klagen

An der Stromtrassenführung durch den Kreis Borken führt kein Weg mehr vorbei – trotz Protesten in der Vergangenheit vor allem von Landwirten. Sie hatten – zusammen mit dem Kreis Borken – bemängelt, dass (zu) viele Trassen für Strom und Gas durchs Kreisgebiet führten. Amprion plant, den Strom in vier Jahren befördern zu können – und rechnet Klagen ein. „Wir haben es mit 5000 Ansprechpartnern auf dieser Strecke zu tun. Da kann es vorkommen, dass dagegen geklagt wird“, schätzt Projektleiter Dr. Jörn Koch. Dann würde sich der geplante Betrieb ab 2025 weiter hinausschieben.

Mit jedem Eigentümer oder Pächter würde gesprochen – auch, weil sich Amprion für die Nutzung der Flächen ins Grundbuch eintragen möchte. Als Entschädigung erhalten Eigentümer/Nutzer 35 Prozent des Bodenverkehrswertes, erklärt Amprion-Sprecher Jonas Knoop: „Bei zehn Euro Wert pro Quadratmeter zahlen wir 3,50 Euro. Der wirtschaftliche Ausfall wird entschädigt.“ Ein Jahr nach Fertigstellung könne das Acker- oder Weideland wieder genutzt werden; eine Bebauung darauf sei ausgeschlossen. Die Trasse verlaufe im Übrigen an Wäldern vorbei, um die Natur zu schonen.

Erst im Juli wird von der Netzagentur die Festlegung des Abschnitts C erwartet, von Rhede aus Richtung Nordkreis. Es gebe keine Tendenz, wo die Trasse genau herführe, hieß es in Wesel. Amprion präferiert weiter einen westlichen Verlauf an Südlohn, Stadtlohn und Ahaus vorbei westlich von Gronau Richtung Bad Bentheim. Möglich sei nach wie vor auch eine Alternative in Richtung Gescher.

Bürgerdialoge

Netzbetreiber Amprion will Bürgern und Betroffenen die Stromtrasse A-Nord näher vorstellen. Deshalb plant dieser online zwei Bürgerdialoge: kommenden Montag (14. Juni), 18 bis 20 Uhr, und Dienstag (15. Juni), 12 bis 14 Uhr sowie 18 bis 20 Uhr. Anmeldungen: https://event.strategiex.de/anord. Eine Telefonsprechstunde für „individuelle Fragen“ ist nächsten Mittwoch (16. Juni) geplant, 8 und 12 Uhr; Anmeldung: Telefon 0231 3176907 (werktags von 15 und 18 Uhr).

Zum Thema: Stromtrasse A-Nord

Die Trasse A-Nord ist die Bezeichnung einer Leitung als Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) im Rahmen des Netzentwicklungsplans (NEP) Deutschlands. A-Nord wird als Erdkabel in neuer Trasse ausgeführt, informieren das Unternehmen Amprion und wikipedia. Das Vorhaben wird von dem Übertragungsnetzbetreiber Amprion getragen, zwischen Emden und Meerbusch-Osterath. Zusammen mit der HGÜ-Leitung Ultranet (von Osterath in den Süden) bildet A-Nord den Korridor A – eine geplante Nord-Süd-Verbindung zur verlustarmen Übertragung hoher Leistungen über große Entfernungen, die die vorwiegend in Norddeutschland erzeugte Windenergie aus Onshore- und Offshore-Windparks in den Westen und Süden transportieren soll.

A-Nord (300 Kilometer) ist in vier Abschnitte gegliedert: Emden-Ost bis Bunde (Niedersachsen), Trassenlänge 23 Kilometer; Bunde bis Wietmarschen (jeweils Niedersachsen), 81 Kilometer; Wietmarschen bis Borken-Rhedebrügge, 93 Kilometer; Rhedebrügge bis Osterath (Rhein-Kreis Neuss), 103 Kilometer.

Amprion GmbH

Die Amprion GmbH ist einer von vier Netzbetreibern in Deutschland. Sie soll nach gesetzlichem Auftrag handeln. Das Stromnetz ähnele dem Straßennetz. Das Amprion-Höchstspannungsnetz transportiert Strom in einem Gebiet von Niedersachsen bis zu den Alpen. Die Stromleitungen seien „Lebensadern der Gesellschaft: Sie sichern Lebensqualität und Arbeitsplätze der Menschen“, erklärt Amprion mit Sitz in Dortmund.

Amprionzahlen (nach Angaben des Unternehmens):

11.000 Kilometer Übertragungsnetz. 29 Millionen Menschen leben in dem Netzgebiet. In diesem Raum wird (geschätzt) ein Drittel der Wirtschaftsleistung Deutschlands erzeugt. 24,3 Milliarden Euro investiert Amprion in den kommenden zehn Jahren in den Umbau und Ausbau des Netzes. 2000 Beschäftigte arbeiten in Dortmund und an mehr als 30 weiteren Standorten. Amprion ist aus der RWE-Transportnetz-Strom-GmbH hervorgegangen und machte 2020 einen Gewinn von 217 Millionen Euro.

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.