Der Name Terfrüchte ist im Kreis Borken vor allem in Stadtlohn verbreitet. © BBV (Montage)
Namensforschung

Terfrüchte wohnte an der Umzäunung – vor allem auch in Stadtlohn

Der Nachname Terfrüchte ist vergleichsweise selten. In zwei Städten im Kreis Borken ist dieser aber doch stark verbreitet: in Borken und vor allem in Stadtlohn. Einige Hintergründe.

Der mit etwas über 50 Namensträgern recht seltene Name Terfrüchte findet sich fast ausschließlich in Nordrhein-Westfalen und hier insbesondere im Kreis Borken. Dort zeichnen sich Nester in den Städten Borken und Stadtlohn ab.

Es gibt mehrere anklingende Familiennamen. Dies ist zunächst der noch etwas seltenere Name „te Vrügt“ mit einem starken Nest in Stadtlohn. Ferner gehören dazu die Namensformen Früchte, Frugte, Fröchte, Frochte und Vrochte. All diese Namen sind recht selten, alle sind sie überwiegend in Westfalen ansässig. Auch in den Niederlanden gibt es zugehörige Familiennamen: ter Vrugte, ter Vrugt, te Vruchte, te Fruchte, Frugte und Vrugte, alle mit weniger als 100 Namensträgern.

Aus der bei einigen Namen enthaltenen Präposition te („zu, an, bei“) sowie aus ter (= te der „zu/an/bei der“) bei Terfrüchte/ter Vrugte ergibt sich zweierlei: Erstens handelt es sich um Wohnstättennamen, die sich auf den Wohnsitz des jeweils ersten Namensträgers beziehen, und zweitens liegt im Grundwort (Früchte, Frugte, Fröchte, Vrugte, Vrügt usw.) ein Lokalname vor.

Viele Abwandlungen vor allem in Stadtlohn

Das zugrunde liegende Wort ist nicht ohne Weiteres zu identifizieren, da es fast überall ausgestorben ist. Es handelt sich um mittelniederdeutsch wrechte, wruchte „Zaun, Einfriedigung“ bzw. mittelniederländisch wrechte, wruchte, wrochte „Zaun, Umzäunung“. Die etymologische Zuordnung dieses Wortes ist noch nicht endgültig geklärt, wahrscheinlich gehört es zu den Tätigkeitswörtern werken, wirken. Der ursprüngliche Anlaut Wr- ist noch erhalten in dem Beleg „Johan toe Wruchte“ (1609 in Markelo/Overijssel).

Sowohl im Niederdeutschen als auch im Niederländischen wurde Wr- zumeist zu Fr- abgewandelt (geschrieben als Fr- oder Vr-). Heute scheinen die zur Wortsippe gehörigen Wörter nur noch im Westmünsterland (Frechte, Früchte „Zaun um eine Weide“, Früchtpaol „Zaunpfahl“) und im Osten der Niederlande zu existieren (vruchte „Zaun“).

Einige Belege im Niederdeutschen

Im Münsterland war die Umwandlung zu Fr- spätestens am Ende des 15. Jahrhunderts durchgeführt, wie folgende Belege aus der Willkommschatzung des Fürstbistums Münster von 1498/99 erweisen: 1498 „Hinrick Fruchte“ (Dülmen), 1498 „Johan Fruchte“ = 1499 „Johan Vruchte“ (Telgte), 1498 „Vruchte to Panewijck“, 1498 „Johan Vrochte“ = 1499 „Johan Vruchte“ (Drensteinfurt), 1498 „Frochte“ = 1499 „Vrochte“ (Hoetmar).

Auch in Leeden im Tecklenburger Land ist der Name Früchte recht früh belegt: 1545 „Fruchte“, 1577 „Früchte“. Von dort stammt auch der zusammengesetzte Name Janfrüchte, der den Familiennamen Früchte mit dem Rufnamen Jan „Johann“ verbindet („der aus der Familie Früchte namens Jan = Johann“). Ältere Belege aus Leeden: 1773 „Christine Wilhelmine Janfrüchte“, 1807 „Herman Henrich Johannfrüchte“.

Die Namen Terfrüchte und te Vrügt bezeichneten den Wohnsitz an der Umzäunung. Einige ältere Belege: 1678 „Enneken ter Vrucht“, 1681 „Jan ter Vrugt“, 1685 „Sweer te Vrugte“, 1690 „Teunis ter Frucht“, 1692 „Jan ter Frught“ (alle in Ruurlo, Gelderland), 1695 „Aalbert te Vrugt“ (Borculo, Gelderland), 1701 „Lisebet ter Frugt“ (Ruurlo), 1723 „Vrederik Jan te Vrughte“ (Winterswijk, Gelderland), 1731 „Albert te Frugte“ (Borculo), 1750 „Mechtildis te Fruchte“ (Groenlo, Gelderland), 1791 „Jan Willem ter Vrught“ (Zelhem, Gelderland), 1840 „Anna Helena Terfruechte“ (Stadtlohn), 1841 „Hendrika ter Vrugte“ (Borculo).

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