Tierheim Lette zieht um „Definitiv kein Bau von der Stange“

Jessica Demmer
Rund 1000 Quadratmeter beträgt die Grundfläche des neuen Tierheims, das voraussichtlich im Sommer von Lette nach Goxel umzieht und dann „Tierheim Nordkreis Coesfeld“ heißen wird. (v.l.) Architekt Hans-Jürgen Gebker, Sandra Kassenböhmer, Geschäftsführerin des Tierschutzvereins Coesfeld, Dülmen und Umgebung, sowie Birgit Roesmann und Hedwig Sicking vom Vorstand freuen sich schon darauf. © Jessica Demmer
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Der Rohbau für das neue Tierheim in Goxel steht. „Das ist definitiv kein Bau von der Stange“, zieht Architekt Hans-Jürgen Gebker ein Zwischenfazit seit dem Baubeginn im März 2022. Die vielen Genehmigungen und die Erschließung des 6000 Quadratmeter großen Grundstücks seien eine Herausforderung gewesen. Allein ein Jahr habe es bis zum Stromanschluss gedauert. „Der Brunnenbau, der Löschteich, die Abwasserentsorgung, alles ist um ein Vielfaches teurer geworden.“

Die ersten Pläne für einen Neubau gab es bereits 2017, ursprünglich waren rund 1,4 Millionen Euro inklusive Grundstückskauf vorgesehen, wie Sandra Kassenböhmer, Geschäftsführerin des Tierschutzvereins Coesfeld, Dülmen und Umgebung, berichtet. Dann kamen Corona, Krieg und Inflation. Jetzt liegen die Gesamtkosten bei rund 2,3 Millionen Euro, die reinen Baukosten inklusive Photovoltaik-Anlage bei 1,55 Millionen. „Die Inneneinrichtung haben wir nicht mitkalkuliert. Wenn alles fertig ist, sind wir arm wie eine Kirchenmaus, dann ist kein Euro mehr übrig. Aber es wird schön werden“, sagt Sandra Kassenböhmer mit einem Zwinkern. Eine Küche hätten sie bereits gespendet bekommen, ebenso das Mobiliar einer Tierarztpraxis. Auch nehmen sie das alte Inventar mit.

Viele Anforderungen

Nächste Woche sollen die großen Eingangstüren kommen, anschließend der Innenausbau starten. Elektro, Heizung und Sanitär. Die Installation erfolgt über dem Putz. „So können wir flexibler in den kommenden Jahren auf technische Veränderungen reagieren und müssten die Wände nicht wieder aufstemmen“, so Sandra Kassenböhmer weiter.

In die Gestaltung des Tierheims sind nicht nur jede Menge Ideen aus der alltäglichen Arbeit im jetzigen Tierheim in Lette geflossen, sondern auch zahlreiche Förderrichtlinien seitens des Tierschutzbundes. „So muss zum Beispiel der Tageslichteinfall in den Räumen der Tiere ein Achtel der Bodenfläche betragen, es muss freie Sicht nach draußen herrschen und in unserem Raum für Kleintiere dürfen sich Fressfeinde nicht sehen“, nennt sie Beispiele.

In den beiden Flügeln, die sich links und rechts vom Eingangsbereich für den Quarantänebereich und die Vermittlungstiere erstrecken, ist jeweils die Mitte für die Versorgung vorgesehen. Futterküche, Tierarztraum und Waschmaschine kommen dort unter anderem hin. Liegen die Gänge zwischen dem Versorgungstrakt und den Hunden auf der einen und den Katzen auf der anderen Seite aktuell noch in einem Halbdunkel, so wird sich das bald ändern, ergänzt Hans-Jürgen Gebker. „Wir werden hier noch Lichtkuppeln in das Dach einbringen.“

Der ursprüngliche Umzugstermin sei für März vorgesehen. Das werde aber unter anderem wegen der winterlichen Temperaturen nicht klappen. „Wir gehen jetzt vom Sommer aus“, hält sich der Architekt noch etwas zurück. Die Einweihung selbst, so Sandra Kassenböhmer, werde zunächst ohne Tiere stattfinden. „Sonst könnten wir den Quarantänetrakt nicht mehr zeigen. Außerdem ist es für die Tiere stressfreier“, gibt sie zu bedenken und nennt mit einem Lachen am Ende eine kleine Wunschvorstellung. „Es wäre schön, wenn der Umzug doch noch in einem Monat mit M stattfinden könnte.“