Matthias Verrieth fing den Tornado in Weseke mit der Kamera ein. © Matthias Verrieth
Tornado Weseke

Tornado wütete am Dienstag in Weseke und beschädigte rund 30 Häuser

Bei dem Extrem-Wind am Dienstag in Weseke, bei dem rund 30 Häuser und 50 Bäume beschädigt wurden, hat es sich um einen Tornado gehandelt. Wir haben mit Experten über das Wetterphänomen gesprochen.

Bei dem Extrem-Wind am Dienstag um kurz nach 15 Uhr in Weseke hat es sich um einen Tornado gehandelt. Das hat der Deutsche Wetterdienst (DWD) gegenüber der Borkener Zeitung bestätigt. Nach Angaben der Borkener Feuerwehr wurden durch den von West nach Ost ziehenden Wirbel rund 30 Häuser und 50 Bäume beschädigt. Zehn Bäume wurden entwurzelt.

Betroffen waren die nördlichen Bezirke Wesekes. Zahlreiche Anlieger und Dachdecker waren bis in den Abend hinein mit Aufräumen und Reparieren beschäftigt. Verletzt wurde niemand.

Nach der internationalen Fujita-Skala ist das Wetterereignis in der Kategorie F1 einzuordnen. In dieser zweit-untersten Stufe sind die Schäden als „moderat“ klassifiziert. Die Windgeschwindigkeiten in dem von Augenzeugen beobachteten rüsselartigen Luftwirbel liegen demnach zwischen 118 und 180 km/h. „Und damit mehr als bei einem Orkan“, so der DWD-Tornado-Beauftragte Andreas Friedrich.

Schneise mindestens 1,9 Kilometer lang

Tornados ließen sich auch mangels Radarbilder kaum vorhersagen. „Damit sie entstehen, müssen viele Dinge gleichzeitig eintreten“, sagt Friedrich. Die Schauerwolken dürften beispielsweise niedriger als einen Kilometer über dem Boden sein, die Luft darunter sehr feucht, dazu komme es entscheidend auf Windrichtung und -geschwindigkeit an, um die Luft in Rotation zu versetzen. Am Dienstag hatte der DWD für die Region allgemein vor Gewittern gewarnt. Nur bei ausgeprägten Wetterlagen würde auch das Tornado-Risiko kommuniziert, so Friedrich.

Bei der Dokumentation und Einordnung von Tornados sind im Netz sogenannte Storm Chaser (Sturmjäger) aktiv. „Nach aktuellem Kenntnisstand ist die Schneise mindestens 1,9 Kilometer lang und um die 80 Meter breit“, so Hendrik Sass vom Portal tornadomap.org über den Weseker Fall. Es gebe jedoch noch Hinweise, denen zufolge die Schneise noch um einiges länger ausfallen könnte. „Dem muss allerdings noch nachgegangen werden“, betont Sass.

Kein neues Phänomen

Tornados seien in Deutschland übrigens kein neues Phänomen, so DWD-Meteorologe Friedrich. Überliefert ist beispielsweise eine „außerordentliche Lufterscheinung“ am 29. Juni 1764 im mecklenburgischen Woldegk. Heute gilt das verheerende Ereignis als einer von bislang zwei jemals aufgetretenen F5-Tornados in Deutschland.

Friedrich spricht von im Durchschnitt 20 bis 60 nachweisbaren Fällen pro Jahr. Durch Smartphones und Überwachungskameras sinke die Dunkelziffer.

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