Enrico Seeber klagt gegen die Schließung der Hundeschulen. © Sven Betz
Coronavirus

Wegen Corona: Bocholter Hundeschulbesitzer sehen Schließung kritisch

Auch die Hundeschulen müssen während des zweiten Lockdowns schließen. Zwei Bocholter Hundeschulbesitzer sehen das kritisch. Vor allem auf einige spezielle Hunde sehen sie Probleme zukommen.

Enrico Seeber kann es nicht verstehen: Obwohl er seine Hundeschule draußen auf einem 1300 Quadratmeter großen Areal neben dem Tierheim an der Wiener Allee betreibt und ein Hygienekonzept hat, musste auch er während des zweiten Lockdowns schließen. Während des ersten Lockdowns durfte er jedoch nach drei bis vier Wochen weiterarbeiten. Was ist dieses Mal anders?

„Während des ersten Lockdowns galten wir als Dienstleister“, erklärt der 39-Jährige, der auch Mitglied im Berufsverband der Hundeerzieher/innen und Verhaltensberater/innen (BHV) ist. „Nun gelten wir aber als Bildungseinrichtung und dürfen deswegen nicht arbeiten.“

Dass eine Hundeschule nun also eine Bildungseinrichtung sein soll, „kann man mit ein bisschen Fantasie vielleicht nachvollziehen“, sagt Seeber. Schließlich bilde er ja im weitesten Sinne Leute fort. Trotzdem findet er: „Die Schließung ist Quatsch.“

Normfeststellungsklage läuft bereits

Aus diesem Grund beteiligt er sich an einer Normfeststellungsklage, die gerade vor dem Oberverwaltungsgericht behandelt wird. „Wir lassen prüfen, ob das so rechtens ist“, betont der Rheder. Auf dem Gelände seiner Bocholter Hundeschule – dem Hundeschulzentrum NRW/Westmünsterland – könne man problemlos Abstand halten. „Wir sind hier an der frischen Luft und wenn die Hunde an der Leine sind, dürfen sie sich sowieso nicht berühren“, betont Seeber.

Denn an der Leine sollen die Hunde entspannt sein. „Wenn ich dann die Länge der Leine und die Länge des Hundes rechne, habe ich auf jeden Fall drei bis vier Meter Abstand“, so Seeber. Im Freilauf und in der Welpenstunde dürften sich die Hunde aber natürlich berühren. Und das seien auch die einzigen Situationen, in denen die Hundehalter mal den Abstand unterschreiten könnten.

Finanziell ist die Situation angespannt

„Aber dafür haben wir ja die Maske, bis jeder wieder in seinen eigenen Tanzbereich zurückgeht“, betont der Hundetrainer. Und die Pausen zwischen seinen Kursen seien mit 15 bis 30 Minuten lang genug, sodass sich die Teilnehmer der verschiedenen Kurse nicht treffen würden.

Gerade auch finanziell belastet Seeber die Situation: „Ich hab natürlich eine Notreserve angelegt, aber wir müssen ja auch noch den ersten Lockdown verkraften. Das sind schon ein paar Tausend Euro, die da fehlen.“ Eigentlich wollte er im Sommer eine Hundeschulfiliale in Voerde eröffnen. Das hat er nun erst einmal verschoben. Er will nun erst im Sommer 2021 oder vielleicht sogar erst im Herbst/Winter 2021 eröffnen.

„Auch die Bocholterin Elvira Bußkamp musste ihre Hundeschule – „Elvira’s mobile Hundeschule“ – schließen. Ich komme aber recht gut zurecht“, sagt die 60-Jährige. Sie betreibt ihre Hundeschule auf 450-Euro-Basis, um ihre Rente aufzubessern. „Deshalb ist die Schließung für mich nicht so problematisch“, berichtet sie.

Notlage von Hundebesitzern

Grundsätzlich stehe sie der Situation aber „zwiegespalten“ gegenüber. So gehöre sie zum einen zur Risikogruppe – wegen ihres Alters und weil sie eine Nierentransplantation hatte. „Es liegt mir also sehr viel daran, mich nicht anzustecken“, betont Bußkamp.

Elvira Bußkamp mit ihrer elf Jahre alten Hündin Cherry
Elvira Bußkamp mit ihrer elf Jahre alten Hündin Cherry © Privat © Privat

Zum anderen sehe sie aber auch, die Notlage von Hundebesitzern, deren Tiere aggressiv seien, Angst hätten oder nicht allein bleiben könnten. Denen müsse man nun sagen: Seht zu, wie ihr zurechtkommt. „Das ist schon heftig“, findet Bußkamp. Sie befürchtet, dass solche Hunde im Tierheim landen könnten.

Seeber und Bußkamp wünschen sich deswegen, dass sie zumindest die Einzelstunden für solche Tiere anbieten dürften. Seeber würde zudem gerne das Junghundetraining anbieten, damit die Welpen gut sozialisiert werden. Online oder telefonisch dürfen die beiden beraten.

„Da kann man auch schon mal Hausaufgaben mitgeben“, sagt Bußkamp. Doch das helfe nur bedingt, findet Seeber: „Denn als Hundetrainer muss ich auch schon mal korrigieren.“

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