Reinhold Kampshoff (AG Liebfrauenviertel) blickt angesichts des verlängerten Lockdowns skeptisch in die Zukunft. © Sven Betz
Coronavirus

Wegen Corona: Bocholts Innenstadt ruft um Hilfe – Brandbrief an Bürgermeister

Bocholts Bürgermeister und die Ratsmitglieder haben kürzlich brisante Post bekommen. Der Inhalt liest sich dramatisch. Der Brief ging auch an Landrat Kai Zwicker, die Landes- und die Bundesregierung.

Viele private Handelsunternehmen kämpfen aufgrund des weggefallenen Weihnachtsgeschäftes und aufgrund von vollen Lagern um ihre Existenz – auch in Bocholt“, heißt es in dem Schreiben, das auch an Landrat Kai Zwicker, an die Landes- und an die Bundesregierung adressiert ist.

Das Schreiben ist unterzeichnet von Mechthild Hoffs (Werbegemeinschaft Bocholt), Maren Weitauer (Mein Neutor), Martina Unterberg (Immobiliengemeinschaft Nordstraße), Matthias Funke (Immobiliengemeinschaft Osterstraße), Dirk Schönicke (AG Neustraße) und Reinhold Kampshoff (AG Liebfrauenviertel).

Insolvenzen drohen „in naher Zukunft“

Die derzeitigen Geschäftsschließungen würden „in naher Zukunft“ zu Insolvenzen, dauerhaften Schließungen und zu einer Verödung der Innenstadt führen. Es sei zwar klar, dass derzeit alles getan werden müsse, um das Coronavirus einzudämmen, betonen die Unterzeichner. Es bedürfe jetzt weiterer staatlicher Hilfen.

„Da reichen November- und Dezemberhilfen oder die Art der Überbrückungshilfen aktuell nicht mehr aus, da trifft den Handel das weggebliebene Weihnachtsgeschäft und nun die dauerhafte Schließung im Januar besonders“, heißt es in dem Schreiben.

Zweites städtisches Hilfspaket gefordert

Die Gewerbetreibenden und Immobilieneigentümer fordern ein zweites städtisches Hilfspaket, ähnlich der erfolgreichen Aktion des Bocholt-Gutscheins vom Sommer. „Für den Bocholter Einzelhandel (auch für Gastronomie und Dienstleister) wäre eine erneute kommunale Gutscheinaktion mit finanzieller Bezuschussung durch die Stadt Bocholt nach dem Ende der Lockdown-Phase eine aus unserer Sicht dringend überlegenswerte, äußerst wichtige Maßnahme“, heißt es weiter.

Die Basis dazu sei mit den technischen Möglichkeiten vor Ort gegeben, eine Umsetzung somit kurzfristig möglich. Der Bocholt Gutschein war bereits nach dem ersten Lockdown ein sehr erfolgreiches Instrument zur Umsatzankurbelung im Handel in Bocholt. Die Stadt hatte diese Aktion mit einer Million Euro bezuschusst.

Klare Statements der Fraktionen

Eine Redaktions-Umfrage unter den Ratsfraktionen ergibt, dass sich eine Mehrheit für ein zweites Hilfspaket abzeichnet. Die SPD spricht sich klar dafür aus: „Wenn die Infektionszahlen dies wieder zulassen, braucht es erneut eine solche Aktion“, sagt Fraktionschef Martin Schmidt. „Die Innenstadt ist eines der Herzen unserer Stadt. Dieses Herz muss weiter schlagen!“

Die CDU als größte Ratsfraktion lässt eine klare Aussage dazu bisher vermissen: Man wolle weitere Hilfsmaßnahmen „zeitnah“ intern beraten. „Hierbei werden wir auch die angespannte Haushaltslage intensiv im Auge behalten“, so Fraktionsvorsitzender Burkhard Weber.

Erneute Gutschein-Aktion?

Die Bocholter Grünen wollen eine erneute Gutschein-Aktion unterstützen, „wenn sich Handel, Gastronomie und Politik umgehend, parallel und gemeinsam mit Maßnahmen beschäftigen, die eine langfristige Stärkung der Bocholter Innenstadt erwirken“.

Dazu zähle zum Beispiel ein Betreuungsangebot für Kinder. Auch die Stadtpartei, die Linke und die die Soziale Liste sprechen sich für weitere Hilfen aus. Linken-Sprecher Frank Büning fordert ein neues städtisches Hilfspaket in Höhe von einer Million Euro.

Einzig die FDP sagt Nein. „Alle Anstrengung sollte jetzt darauf gelenkt werden, die Infektionszahlen zu senken.“ Danach würde die Kauflaune von selbst zurückkehren, so FDP-Sprecher Burkhard Henneken.

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