Vom Schaf in den Online-Shop: Jennifer Oberpenning freut sich über den, wie sie sagt „fluffigen Rohstoff“. © Peter Berger
Start up im Coronajahr

Wesekerin macht sich mit „Westfalenwolle“ selbstständig

Naturverbunden, nachhaltig, kreativ – aus dieser Kombination hat Jennifer Oberpenning ihr persönliches „Strickmuster“ als Jungunternehmerin entworfen.

Das Corona-Jahr 2020 war für die 23-jährige Wesekerin in erster Linie ein „Start-up-Jahr“. Unter dem Label „Westfalenwolle“ vermarktet Oberpenning Schafwolle aus regionaler Herkunft.

Nach ihrem Bachelor in Agrarwissenschaften will sie an der Uni Bonn ihren Master in Tierwissenschaften machen. Das Studium fand seit dem Frühjahr coronabedingt überwiegend online statt. „Da habe ich Zeit gefunden, meinen Traum zu verwirklichen“, erzählt die Studentin. Ob stricken, häkeln, nähen und spinnen: „Seit ich denken kann, handarbeite ich“, sagt sie.

Kurze Lieferwege

Sie suchte – und fand – den roten Faden zwischen Tierhaltung und Geschäftsidee. Für ihren Start in die berufliche Selbstständigkeit parallel zur Uni knüpfte Oberpenning ein Netzwerk mit Schafhaltern in der Region. Einer der Hobby-Schäfer ist Josef Knuf. 18 Tiere hat er auf der Weide nahe Ramsdorf.

Dass Oberpenning einen Handel mit Wolle aufziehen will, findet der Weseker toll: In diesem Jahr sei es richtig schwer gewesen, die Wolle nach der Schur loszuwerden. „Ich sollte sogar noch Geld zubezahlen“, wundert sich der Weseker. Für Oberpenning tat sich so eine Marktlücke auf: „Ich kam überraschend einfach an die Wolle ran“, sagte sie. Die Leute seien froh gewesen, eine Abnehmerin gefunden zu haben. In normalen Jahren sei die Rohwolle längst verschifft worden.

Hier geht es zum Video oder Borkener Zeitung:

Mit Knufs Tieren hat sie inzwischen 200 Schafe „an der Hand“. Die Landwirte und Hobby-Schäfer habe sie teils „durch Ebay-Kleinanzeigen und Mundpropaganda“ gefunden, sagt die Wesekerin. Vier bis fünf Kilo Wolle ergibt die Schur pro Tier – unterm Strich fallen so 800 Kilo Rohware pro Saison an.

Josef Knuf ist einer der Hobby-Schafhalter, von dessen Tieren Oberpenning die Wolle verwertet. © Peter Berger © Peter Berger

„Damit kann man schon einiges anfangen“, zieht die Jung-Unternehmerin Zwischenbilanz. Bei der Aufbereitung der Wolle arbeitet Oberpenning mit der Wollkämmerei Rhein Ahr Eifel zusammen. Am liebsten sei ihr, wenn die Rohwolle per Hand gewaschen würde. So bleibe der natürliche Fettgehalt besser erhalten.

Starterpaket fürs Stricken

Oberpenning denkt ökologisch: Leider werde die Wolle zur Gewinnoptimierung in Niedriglohnländern verarbeitet und danach wieder reimportiert. Ihr Ziel sei es, diesen Schritt zu umgehen und die regional produzierte Wolle zu Handstrickgarnen und Stoffen zu verarbeiten – das alles innerhalb Deutschlands. Die Vorteile, so Oberpenning: Kurze Lieferwege, weniger Spritverbrauch, Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen in kleinen Produktionsstätten.

Auf ihrer „Westfalenwolle“ -Homepage, die mit einer Crowdfunding-Plattform verknüpft ist, hat Oberpenning einen kleinen Online-Shop eingerichtet. In ihrem „Starterpaket“ bietet sie Wollgarn zum Sockenstricken an – plus Strickmuster, Maßtabelle, hölzernen Stricknadeln und einer Blumensamenmischung. Außer Schafen liegen Tierfreundin Oberpenning nämlich auch die Bienen sehr am Herzen.

Über den Autor

Ahaus, Heek und Legden am Abend

Täglich um 18:30 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.

Lesen Sie jetzt