Einzelhandel appelliert an Politiker: „Die Maske wird zum Konsumkiller“

Maskenpflicht

Die Debatte über ein Ende der Maskenpflicht stößt bei den Händlern auf offene Ohren. Es sei nachgewiesen, dass der Maskenzwang die Kunden vergrault. Doch sie sehen auch die Probleme.

Berlin

von Steven Geyer

, 06.07.2020, 21:14 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die politische Debatte über ein Ende der Maskenpflicht in Geschäften und Restaurants stößt bei den Händlern auf offene Ohren. (Symbolbild)

Die politische Debatte über ein Ende der Maskenpflicht in Geschäften und Restaurants stößt bei den Händlern auf offene Ohren. (Symbolbild) © picture alliance/dpa

Klar: Wenn es darum geht, beim Shopping ein schickes Stückchen Stoff zu tragen, dann wünschen es sich die meisten Kunden am Leib – und nicht vor Mund und Nase.

„Gerade der Modehandel leidet in besonderem Maße unter der Maskenpflicht, da sie die Shoppinglust für viele Kunden doch erheblich dämpft“, klagt etwa Axel Augustin, der Sprecher der versammelten Mode-Geschäfte im Bundesverband des Textil-Einzelhandels (BTE).

„Gerade bei sommerlicher Hitze ist zum Beispiel das Anprobieren von Bekleidung mit Maske sicher kein Vergnügen“, sagt Augustin dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Einzelhandel: „Gut, wenn die Maskenpflicht abgeschafft wird“

Neben den Bekleidungsgeschäften fühlen sich viele weitere Händler von den Corona-Auflagen gebeutelt, seien es Desinfektionsvorschriften oder Abstandsregeln, die Kundenandrang per se abwürgen – und immer wieder von der Pflicht zum Mund-Nasen-Schutz für ihre Kundschaft.

Entsprechend freudig reagierte der Einzelhandel, als einzelne Landesminister diese Pflicht am Wochenende infrage stellten: „Für den Einzelhandel ist es gut, wenn die Maskenpflicht, sobald dies gesundheitspolitisch möglich und vernünftig ist, abgeschafft wird“, gab der Chef des Handelsverbandes Deutschland, Stefan Genth, schnell zu Protokoll – räumte aber ein, dass die Einschätzung, wann und in welchen Regionen dieser Schritt möglich sei, Politik und Medizin treffen müssten.

Handelsverband Nord: „Exorbitante Umsatzrückgänge“

Selbst die Textilhändler wollen kein vorschnelles das Ende der Maskenpflicht. „Etliche Verbraucher sind noch sehr vorsichtig, sodass man durch eine zu forsche Lockerungsstrategie auch Kunden verlieren könnte“, gibt BTE-Sprecher Augustin zu bedenken – verspricht aber zugleich: „Bei einer Abschaffung der Maskenpflicht würden die Modegeschäfte ihr Sicherheits- und Hygienekonzept sicher noch einmal überprüfen, um ein gefahrloses Einkaufen und gleichzeitig ein Stück mehr Freiheit zu ermöglichen.“

So ist es für die Händler, die anders als die Supermärkte auf reine Lust- und Laufkundschaft angewiesen sind, ein schmaler Grat: Niemand will sich beim Einkleiden anstecken. Andererseits litten Geschäfte für Bekleidung und Schuhe unter „exorbitanten Umsatzrückgängen“ zwischen 33 und 50 Prozent, warnte der Geschäftsführer des Handelsverbands Nord, Kay-Uwe Teetz, am Montag. Die Innenstädte drohten auszubluten. Das Tragen der Masken sollte „in die Verantwortung des Bürgers zurückkommen“, fordert er.

Angela Merkel hält Maske für unverzichtbar

„Die Maske wird zum Konsumkiller“, warnte der Chef des niedersächsischen Arbeitgeberverbandes, Volker Schmidt. „Die Pflicht zum Tragen einer Maske hält zahlreiche Kunden erwiesenermaßen davon ab, Geschäfte und Restaurants aufzusuchen.“

Die Hoffnungen der Händler hatten zuvor zwei Wirtschaftsminister geschürt: CDU-Mann Harry Glawe aus der schwarz-roten Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern sagte, er sehe bei einem so geringen Infektionsgeschehen, „keinen Grund, länger an der Maskenpflicht im Handel festzuhalten“. Und sein Amts- und Parteikamerad aus Niedersachsen, Bernd Althusmann, wollte – wenn möglich – die „strikte Maskenpflicht im Einzelhandel in den kommenden Monaten in eine Empfehlung“ umwandeln.

Beide wurden sofort von ihren Regierungschefs zurückgepfiffen – und erhielten Widerworte von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sowie von allen anderen Landesregierungen. Selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel ließ über ihren Sprecher am Montag ausrichten, die Maske sei „ein wichtiges und aus heutiger Sicht auch weiter unverzichtbares Mittel“.

Da war Althusmann schon drastisch zurückgerudert: Über die Zukunft der Maskenpflicht werde man erst nach dem Sommer beraten, sagte er am Morgen – und schob sogar eine Drohung nach: „Sollte eine zweite Welle kommen“, so der Niedersachse, „müssen wir auch jederzeit womöglich weitere drastische Maßnahmen wieder vornehmen.“

Schlagworte: