36-Jähriger erschlägt Vater: „Ich war erleichtert, als er tot war“

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Ein 36-jähriger Mann erschlägt seinen Vater mit einer Eisenstange. Vor Gericht spricht er von Rache und sagt: „Als ich gehört habe, dass er tot ist, war ich erleichtert.“

Essen

, 20.03.2020, 14:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bei diesem Geständnis läuft es einem eiskalt den Rücken herunter: Im September hat ein 36-jähriger Mann in Essen seinen Vater erschlagen. Die Tatwaffe war eine Eisenstange mit einer aufgeschraubten Muffe. Zum Prozessauftakt vor dem Essener Schwurgericht sagte er am Freitag: „Ich habe gedacht, ich verpass‘ dem Papa eine und dann ist Ruhe.“

Drei Monate haben die Ärzte um das Leben des 60-Jährigen gekämpft. Dann ist er verstorben. Auf die Frage der Richter, was er nach dem Tod des Vaters gedacht habe, hat der Angeklagte gesagt: „Ich war erleichtert. Weil er mich jetzt nicht mehr beschimpfen kann.“

Mit voller Kraft auf den Kopf geschlagen

Vater und Sohn waren am Tattag bei der Oma. Es war Sonntagmittag, die Großmutter hatte gekocht. Als der 36-Jährige ankam, saß der Vater im Sessel, der Fernseher lief. „Erst wollte ich gar nicht schlagen“, sagte der Angeklagte den Richtern. „Aber dann habe ich gedacht: Jetzt bist du hier, jetzt mach das fertig.“

Mit voller Kraft habe er mit dem Rohr zugeschlagen – direkt auf den Kopf. Dabei sei dann der ganze Frust von ihm abgefallen. „Ich konnte nicht mehr aufhören, mich nicht mehr bremsen.“

Angeklagter gilt als psychisch schwer krank

Auslöser ist offenbar eine schwere psychische Erkrankung. Der Angeklagte war vom Vater schon zweimal in die Psychiatrie eingewiesen worden. „Aus Jux und Tollerei“, so der Angeklagte im Prozess.

Die Wut auf den Vater geht zurück auf sein sechstes Lebensjahr. Da sei er brutal getreten worden. Zwei Wochen vor der Bluttat will er den 60-Jährigen deshalb noch einmal zur Rede gestellt haben. „Ich habe ihm die Chance gegeben, sich zu entschuldigen.“ Aber er sei stattdessen mit Fäusten auf ihn losgegangen. „Das ging gar nicht.“ Das würde doch jeder so sehen.

Rache für Misshandlung im Kindesalter?

Als Richter Martin Hahnemann einwandte, dass aber wohl niemand seinem Vater 30 Jahre nach einer Misshandlung den Schädel einschlagen würde, antwortete der Angeklagte lachend: „Doch, ich jetzt.“

Der 36-Jährige hatte nach der Schule ein paar Jahre in der Baufirma seines Vaters gearbeitet, die letzten 13 Jahre gab es jedoch kaum noch Kontakt. Höchstens mal beim Mittagessen bei der Oma. Zuletzt hatte er nicht mal mehr eine Wohnung. Er schlief in einem leerstehenden Haus. Dort war später auch das Eisenrohr gefunden worden.

Im Prozess geht es um Mord. Die Richter haben aber schon den Hinweis erteilt, dass statt einer Bestrafung auch die unbefristete Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie in Betracht kommt – wegen möglicher Schuldunfähigkeit. Verteidiger Volker Schröder: „Der Angeklagte leidet an Wahnvorstellungen.“

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