39-Jähriger wegen Vergewaltigung seiner vierjährigen Stieftochter angeklagt

Missbrauchsfall vor Gericht

Ein Handwerker aus Herten soll seine anfangs erst vierjährige Stieftochter sexuell missbraucht haben. Davon will er jedoch nichts wissen. Jetzt muss das Mädchen in den Zeugenstand.

Bochum

, 27.03.2019, 14:01 Uhr / Lesedauer: 2 min
39-Jähriger wegen Vergewaltigung seiner vierjährigen Stieftochter angeklagt

Ein 39-Jähriger aus Herten steht vor dem Landgericht Bochum. Jahrelang soll er seine Stieftochter sexuell missbraucht und vergewaltigt haben. © Bernd Thissen (Archiv)

Diese Aussage ging unter die Haut. Im Prozess um den Missbrauch eines anfangs erst vierjährigen Mädchens hat die Mutter noch immer mit schweren Selbstvorwürfen zu kämpfen.

Ihre Zeugenvernehmung vor dem Bochumer Landgericht hatte kaum begonnen, da flossen auch schon die Tränen. „Ich habe mich bei meiner Tochter entschuldigt, dass ich zu einer Freundin gegangen bin, während ihr so etwas passiert ist“, sagte sie den Richtern. „Ich wünschte, ich hätte etwas bemerkt.“

Die 31-Jährige hatte den Angeklagten 2005 kennengelernt und war schnell mit ihm zusammengezogen. Mit ihrer Tochter, um die es nun geht, war sie damals im Umständen. Das Mädchen hat einen anderen Vater. „Ich habe eigentlich gedacht, dass das gut funktionieren wird.“ Aber dann habe es immer nur Streit gegeben.

Getrennt hat sich das Paar, das inzwischen geheiratet hatte, trotzdem nicht. Bis 2016. „Eines Abends kam meine Tochter noch mal runter“, so die 31-Jährige. „Ihre Zähne haben geklappert, sie hat am ganzen Körper gezittert.“ Und dann habe die damals Zehnjährige erzählt, dass sie vom „Papa“ vergewaltigt werde.

Opfer: „Ich dachte, ich ersticke.“

„Mama, das tut so weh“, soll das kleine Mädchen unter Tränen gesagt haben. „Einmal habe ich auch gedacht, dass ich ersticke.“ Und dann habe es geschildert, was alles passiert sei. Dabei sei es um Sexualpraktiken in allen Varianten gegangen, um Angst, Blut und Tränen. Und um Hardcore-Pornofilme, die der Angeklagte der Schülerin gezeigt haben soll. Erst in der Hertener Wohnung der Familie, dann – nach einem Umzug – in Marl.

Der 39-Jährige selbst will davon jedoch nichts wissen. Er hat die Vorwürfe im Prozess vor dem Bochumer Landgericht bestritten. „Ich bin in meinem Leben immer nur der Sündenbock gewesen“, sagte er den Richtern. „Ich weiß gar nicht warum.“ Er sei immer nur eine „Arbeitsmaschine“ gewesen und habe alles „Menschenmögliche“ getan, damit alle glücklich seien. Und jetzt solle er in den Knast. „Damit kann ich nicht umgehen“, sagte er den Richtern. „Ich komme damit nicht klar. Ich brauche psychologische Hilfe.“

Da der gelernte Maler und Lackierer die Vorwürfe bestreitet muss nun auch die heute 13-jährige Schülerin in den Zeugenstand. Um ihre Aussage besser bewerten zu können, wurde auch schon eine Glaubwürdigkeits-Gutachterin hinzugezogen. Der Prozess wird fortgesetzt.

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