Mit 40 ist die Hälfte rum: Über ein Testament macht sich Angela Küntzle keine Gedanken

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Rein statistisch gesehen, ist man in den 40ern in seiner Lebensmitte angelangt. Wir geben Tipps für Vorsorge. Aber auch für ein längeres Leben.

Schwerte

, 27.11.2018, 15:01 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ihren 40. Geburtstag hat Angela Küntzle groß gefeiert. Größer als den 30. „Ein bisschen auch deshalb, weil ich mir den Tag schön machen wollte“, erzählt sie. Im Februar 2018 wurde die Beamtin aus Schwerte 40. Eigentlich nur eine Zahl auf dem Kalender, aber irgendwie dann doch ein Einschnitt im Leben. Dass man, rein statistisch gesehen, jetzt bereits die Hälfte seines Lebens hinter sich habe, das sei ihr dabei nicht so wichtig gewesen. Aber man werde eben älter, und das ließe sich nicht mehr leugnen.

Jetzt könnte man es sich gut gehen lassen

Angela Küntzle ist verheiratet, hat einen 17-jährigen Sohn und ist eigentlich in einer komfortablen Situation. Sie hat einen guten Job als Beamtin, ihr Sohn ist fast erwachsen, und sie könnte es sich jetzt gut gehen lassen. Das ist auch der Schluss, zu dem sie letztlich gekommen ist. Mit 40 hat man einiges erreicht, es sind also die besseren 20, meint sie.

Dass die Schwerterin dennoch im Vorfeld viel über die Bedeutung ihres Alters nachdachte, hat einen ganz realen Grund: „Ich habe mich entschieden, mit 38 Jahren doch noch die Beamtenlaufbahn einzuschlagen.“ Zuvor war sie Regierungsangestellte. Doch die Entscheidung ist damit verbunden, dass man noch einmal die Schulbank drückt.

Und zwar mit Menschen, die gerade mal 20 oder Mitte 20 sind. „Da kam ich mir plötzlich doch alt vor“, sagt sie. Und plötzlich stellt man fest, dass einem das Lernen jetzt schwerer fällt und man zudem auch noch höhere Ansprüche an sich stellt. Aus der Routine des Jobs heraus denke man doch, man sei gut. Und plötzlich wird das dann objektiv gemessen. Am Ende schaffte sie die Prüfung, und alles lief gut.

Für Testament gab es noch keinen Anlass

Trotz der kleinen Krise ist der eigene Tod für Angela Küntzle bislang kein Thema. „Ein Testament habe ich noch nicht gemacht“, sagt sie. „Es gab irgendwie dazu keinen Anlass.“ Und auch eine Patientenverfügung sei bislang kein Thema für sie gewesen. „Was mich mehr bewegt, ist die Tatsache, dass die eigenen Eltern älter werden. „Dass die irgendwann nicht mehr da sein könnten, macht mir schon Angst. Die begleiten mich ja schon mein ganzes Leben.“

Mit dieser Haltung ist Angela Küntzle nicht allein. Laut Angaben des Allensbacher Instituts hat in der Altersgruppe der 35- bis 44-Jährigen nur rund jeder Zehnte ein Testament aufgesetzt. Das Durchschnittsalter für die Abfassung eines Testaments liegt in Deutschland bei 52 Jahren.

Was man bei seinem Testament beachten muss

Dabei kann man theoretisch sein Testament auch ohne Notar verfassen. Handgeschrieben muss es sein. Was dabei sonst noch wichtig ist, erläutert der Schwerter Rechtsanwalt und Notar Andreas Krüger:

Das ist dabei wichtig:

  • Ort und Datum müssen genannt sein, weil ein jüngeres Testament ein älteres ungültig macht.
  • Man sollte deutlich formulieren, damit keine Zweifel am letzten Willen aufkommen.
  • Und es muss mit Vor- und Zunamen unterschrieben sein.
  • Ein Testament ist vor allem dann vonnöten, wenn man die gesetzliche Erbreihenfolge ändern will.

Doch auch, wenn man das nicht will, gibt es Gründe, etwas über sein Leben hinaus zu regeln. Angela Küntzle hat das schon früh gemacht. Sie hat verfügt, wer sich um ihren Sohn kümmern soll, im Fall der Fälle.

Mit 40 sterben mehr Menschen aus dem eigenen Umfeld

Und es gibt noch etwas, was man mit 40 eher als mit 30 feststellt. Es ist nicht mehr nur die Generation von Eltern und Großeltern betroffen, wenn aus dem Umfeld jemand stirbt. Das stellt man mit 40 plötzlich fest. Das liegt daran, dass mit 40 plötzlich auch statistisch tödliche Krankheiten eine Rolle spielen. Ist laut Statistischem Bundesamt bei Männern bis zu 34 Jahren die Gruppe „Verletzungen Unfälle und Suizid“ die häufigste Todesursache, sterben 40-jährige häufiger an Herzinfarkt oder Lungenkrebs. Bei Frauen sind in diesem Alter Brust- und Lungenkrebs die häufigsten Todesursachen.

Diese Vorsorge-Untersuchungen werden für 40-Jährige empfohlen:

Das haben Krankenkassen schon lange erkannt. Sie empfehlen, die meisten Vorsorgeuntersuchungen ab 35 Jahren durchführen zu lassen.

Dazu gehören ein genereller Gesundheits-Check-Up zur Früherkennung von Nieren- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Krebs. Zu dem klassischen Check-Up gehören eine Ganzkörperuntersuchung, Blutdruckmessung, Blutproben und eine Urin-Untersuchung.

Empfohlen sind:

  • Ab 35 Jahren bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen auch alle zwei Jahre ein Hautkrebs-Screening.
  • Für Frauen kommt zur allgemeinen Krebsvorsorge bereits ab 30 Jahren eine Tastuntersuchung der Brust auf Brustkrebs hinzu.
  • Männer sollten ab 45 Jahren einmal jährlich zur Krebsfrüherkennung mit Untersuchung der Prostata gehen.
  • All diese Leistungen werden von den Krankenkassen bezahlt.

Wer sich an all diese Ratschläge hält, hat heutzutage gute Chancen, alt zu werden und die bevorstehende Zeit zu nutzen. Viele Menschen um die 40 sind gerade am Anfang ihrer Familiengründung. In NRW kriegen Frauen derzeit im Durchschnitt mit 29,5 Jahren ihr erstes Kind. Das ist dann erst weitgehend selbstständig, wenn die Mutter Ende 40 ist.

Doch auch Angela Küntzle, die bereits mit 24 Mutter wurde, sieht sich in einer anderen Lebenssituation als noch ihre Mutter. „Wenn ich mich heute mit meiner Mutter im selben Alter vergleiche, komme ich mir sehr jung vor.“ Die war nämlich bereits mit 38 Jahren Großmutter.

Für sich selbst hat Angela Küntzle Frieden mit der 40 gemacht. „Schließlich habe ich schon viel erlebt, und man kann mir nicht mehr so leicht was vormachen.“ Bloß mit dem Feiern, das könnte besser sein. „Wenn ich heute eine Nacht feiere, bin ich zwei Tage krank.“

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