40 Prozent des Grundwassers in NRW sind mit Nitrat belastet - Neue Zahlen zum Trinkwasser

Wasserversorgung

Nitrat, Pflanzenschutzmittel und Medikamente - Gewässer in NRW sind vielen Belastungen ausgesetzt. Neue Fakten zur Wassernutzung in NRW liefern Überraschungen.

NRW

11.12.2019, 09:11 Uhr / Lesedauer: 2 min
40 Prozent des Grundwassers in NRW sind mit Nitrat belastet - Neue Zahlen zum Trinkwasser

Trotz aller Anstrengungen ist die Nitratbelastung des Grundwassers seit Jahren ein Problem. Als Hauptursache gilt die Düngung mit Gülle. © picture alliance / dpa

Der tägliche Pro-Kopf-Wasserverbrauch in Nordrhein-Westfalen ist in den vergangenen rund 30 Jahren um knapp 13 Prozent gesunken. Wurden 1987 noch 152,7 Liter Wasser pro Einwohner und Tag verbraucht, waren es 2016 noch 133,1 Liter - ein Rückgang um 19,6 Liter.

Das ist eines der Ergebnisse der Antworten der Landesregierung auf eine Große Anfrage der Grünen-Landtagsfraktion zur nachhaltigen Nutzung von Wasser in NRW. Der Umwelt-Sprecher der Grünen, Norwich Rüße, stellt die Große Anfrage am Mittwoch (11.12.) in Düsseldorf vor. Für die Jahre 2017 und 2018 liegen noch keine offiziellen Zahlen zum Wasserverbrauch vor.

Größte Belastung ist das Nitrat - Gülle gilt als Hauptursache

Eine der größten Belastungen gehe nach wie vor von Nitrat aus, heißt es in der Vorbemerkung der Anfrage. Rund 40 Prozent der Grundwasserkörper in NRW seien mit Nitrat belastet. Düngen etwa mit Gülle gilt als eine Hauptursache dafür.

Bei 31,6 Prozent der Messstellen werde der Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter (mg/l) überschritten. In der Spitze würden Werte bis zu 400 mg/l gemessen. Bereits heute müsse das Grundwasser stellenweise aufwändig aufbereitet werden.

Deutsche Umwelthilfe hat die Landesregierung verklagt

Angesichts der schlechten Grundwasserqualität hatte die Deutsche Umwelthilfe die Landesregierungen von NRW und Niedersachsen verklagt. Große Teile Nordrhein-Westfalens litten unter Überdüngung. Wegen einer drohenden Strafe der EU arbeiten Bund und Länder gerade an schärferen Regelungen.

Ein weiteres Ergebnis der Anfrage: In allen Regionen Nordrhein-Westfalens bildet sich seit Jahren immer weniger Grundwasser neu. Seit 1988 zeige die sogenannte Neubildungsrate eine „ganz klar fallende Linie“, sagte der Umwelt-Sprecher der Grünen, Norwich Rüße, am Mittwoch in Düsseldorf. Auch die Abstände zwischen den Ausnahme-Hitzejahren würden immer kürzer. Somit könnten sich die Grundwasserstände nicht immer vollständig bis zur nächsten Trockenphase erholen.

Historische Tiefstände beim Grundwasser

Die sogenannte Neubildungsrate für Grundwasser hatte das Forschungszentrum Jülich im Auftrag des Landesamts für Natur und Umwelt (LANUV) ermittelt. Besonders wenig Grundwasser bildete sich demnach in den Jahren 1996, 2009, 2012 und 2018 neu.

„Die Grundwasserneubildung ist rückläufig“, heißt es in der Antwort der Landesregierung. Im Oktober 2018 - nach dem Ende des Hitzesommers - seien landesweit an mehr als einem Fünftel der Messstellen „historische Tiefststände“ gemessen worden. Tendenziell sei in Zukunft häufiger mit solchen Niedrigwasser- und Wassermangelsituationen zu rechnen.

Preise für Trinkwasser erhöhten sich stärker als die Lebenshaltungskosten

Die Entgelte für Trinkwasser erhöhten sich nach Angaben des Statistischen Landesamtes von 1995 bis 2016 um gut 41 Prozent, heißt es in einer weiteren Antwort. Der Preissteigerungsindex für Trinkwasser in diesem Zeitraum liege damit höher als für die Lebenshaltung insgesamt (plus 32,4 Prozent), aber niedriger als bei anderen Verbrauchsgütern wie etwa Gas (plus 114,4 Prozent) oder Strom (plus 94,5 Prozent).

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