Ärzte warnen: Corona-Krise belastet Kinder schwer

Coronavirus

Die Kindergesundheit in Deutschland könnte Experten zufolge durch die Corona-Krise in Gefahr sein. So sprechen Ärzte etwa von emotionalen Belastungen und Übergewicht

Hannover

14.12.2020, 10:42 Uhr / Lesedauer: 2 min
Laut Ärzten werden bei Kinder seit der Pandemie häufig zu lange Bildschirmzeiten beobachtet.

Laut Ärzten werden bei Kinder seit der Pandemie häufig zu lange Bildschirmzeiten beobachtet. © picture alliance/dpa/Europa Press

Leidet die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen durch die Corona-Krise? Anzeichen dafür liefern nun Beobachtung von Ärzten aus Niedersachsen. „Wir sehen immense Auswirkungen der ganzen Situation“, sagte etwa Tanja Brunnert, Sprecherin des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte. Auch viele Kollegen berichteten davon, dass es deutlich mehr junge Patienten mit einer emotionalen Belastung gibt.

Wie die Kinderärztin sagte, werden bei den Früherkennungsuntersuchungen häufiger zu lange Bildschirmzeiten, Bewegungsmangel und Übergewicht erkannt. Betroffen seien besonders ohnehin sozial benachteiligte Kinder.

Kinder leiden darunter, Freunde nicht zu treffen

Eine Auswertung der Schuleingangsuntersuchungen in der Region Hannover ergibt ein ähnliches Bild. So wurde seit Juni eine deutliche Zunahme des Anteils der übergewichtigen Mädchen und Jungen im Vergleich zu 2019 festgestellt. Der Anteil der übergewichtigen Vorschüler stieg von 5,4 auf 7,8 Prozent, der Anteil derjenigen mit extremem Übergewicht von 4,1 auf 5,6 Prozent. Auch sprachliche Fähigkeiten, Deutschkenntnisse und Feinmotorik der Fünf- bis Sechsjährigen hatten sich verschlechtert.

Vor Corona verbrachten 4,7 Prozent der Vorschulkinder täglich länger als zwei Stunden vor dem Fernseher und mit anderen Medien, nach dem Lockdown waren es 7,1 Prozent. Einen Fernseher im Kinderzimmer hatten 12,5 Prozent (2019: 10,7 Prozent), heißt es in dem Bericht. 80 Prozent der befragten Eltern gaben an, dass ihre Kinder darunter litten, ihre Freunde nicht treffen zu können. Rund ein Viertel berichtete, dass ihr Nachwuchs häufiger traurig war und Ängste und Sorgen zeigte.

„Wir haben zum Beispiel Grundschüler, die wieder einnässen“, sagte Kinderärztin Brunnert. „Sie erzählen davon, wie schwer es auf dem Schulhof fällt, die Abstände einzuhalten, und dass es deshalb immer wieder Schimpfe gibt.“ Asthmatiker seien schlechter eingestellt, weil sie sich kaum bewegten. Brunnert appellierte an Eltern, mit ihren Kindern auch noch abends nach draußen auf den Spieplatz zu gehen. Aber auch viele Jugendliche hätten Ängste und Schlafstörungen.

Schuleingangsuntersuchungen können nicht angeboten werden

Zahlen zu den Schuleingangsuntersuchungen für ganz Deutschland im Corona-Jahr gibt es bisher nicht. Sie waren mit Beginn der Pandemie vielerorts ausgesetzt worden. Etliche Amtsärzte konnten die Untersuchungen der Vorschüler noch nicht wieder anbieten, weil sie im Kampf gegen das Infektionsgeschehen benötigt werden, heißt es etwa aus dem Landesgesundheitsamt Niedersachsen.

Nach Angaben des Kultusministeriums liegen etwa für Niedersachsen keine gesicherten Erkenntnisse darüber vor, dass es coronabedingt zu verstärkten Sprachdefiziten bei Schülern kommt. Es gebe zahlreiche Förderangebote, sagte ein Ministeriumssprecher. Sportunterricht finde auch in Corona-Zeiten statt, allerdings könnten die örtlichen Gesundheitsämter bei hohen Infektionszahlen ihn aussetzen.

Lehrkräfte seien aufgefordert, auch unabhängig von Sportstunden Bewegung in den Schulalltag zu bringen - natürlich unter Einhaltung der Kontakt- und Hygieneregeln.

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