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In der Kluft auf der Walz

Wandergesellen kommen durch Ahaus

Drei Jahre und einen Tag auf Wanderschaft - da muss zwischendurch auch mal Zeit für eine Pause sein. Camillo, Jonas, Robert, Thilo und Samu machten bei ihrer Tippelei, auch Walz genannt, Halt in Ahaus.

AHAUS

, 08.05.2017
In der Kluft auf der Walz

Pause in Ahaus: Fürs Foto nahmen Thilo (vorne), Jonas, Samu, Camillo und Robert Aufstellung.

Ihre Nachnamen verraten die Wandergesellen nicht. "Den legt man ab, wenn man losgeht", erklärt Samu. Auf Wanderschaft darf nur gehen, wer die Gesellenprüfung bestanden hat, ledig, kinderlos, schuldenfrei, nicht vorbestraft und unter 30 Jahre alt ist.

Samu ist Gärtner, Jonas und Robert sind Bierbrauer, Camillo ist Bäcker und Thilo Ofenbauer. Letzterer kommt aus Lüdinghausen und steht ganz am Anfang seiner Wanderschaft. Die anderen sind schon mehr als ein Jahr unterwegs. Samu erklärt: "Thilo muss zu Fuß den Bannkreis um seinen Heimatort verlassen. Schritt für Schritt. Wir unterstützen ihn dabei. Dann fällt der Abschied nicht so schwer." Der Bannkreis zieht sich 50 Kilometer ums Zuhause. Dieser Bereich darf in der Reisezeit nicht wieder betreten werden. Und wer es doch macht? "Der zerfällt zu Asche", antwortet Samu. Er kommt aus Stuttgart, die anderen aus Hamburg, Karlsruhe und der Schweiz.

Jeder der Wandergesellen ist mit einem geschlungenen Wanderstab, dem Stenz, unterwegs. Daran befestigt ist das "Charlottenburger" genannte Tuch. Darin transportiert der Wandergeselle all sein Hab und Gut.

Genügsamkeit

"Man lernt, genügsam zu sein", sagt Samu zum beschränkten Stauraum. Was er am meisten von Zuhause vermisst? "Mein Mountainbike, das hätte ich gerne wieder." Drei Jahre und einen Tag auf Wanderschaft gehen, das heißt auch, mehr als einmal um einen Job zu bitten. "Schmalmachen" genannt. Camillo, Samu, Jonas und Robert haben das schon in etlichen Ländern Europas gemacht. Dabei ist kein Handwerksmeister verpflichtet, die Wandergesellen aufzunehmen. Wer keine Arbeit hat, kann auch keine geben. Doch oft kommt das nicht vor.

Wie lange sich die Wandergesellen an einer Arbeitsstelle verdingen, ist unterschiedlich. "Mehr als drei Monate sollten es nicht sein", sagt Robert. "Wenn der Postbote einen grüßt und der Chef seine Tochter nicht mehr einsperrt, dann wird es Zeit zu gehen."

Für Unterkunft und Fortbewegung dürfen die Wandergesellen kein Geld ausgeben. Bietet der Chef ein Zimmer als Unterkunft an, ist es Verhandlungssache, wie viel dafür vom Lohn abgezogen wird. Wobei die Wandergesellen für manch Annehmlichkeit gerne auf etwas Lohn verzichten. "Eine feste Keramik und eine Dusche, das lernt man auf der Wanderschaft ganz anders zu schätzen", erklärt Robert. Ähnlich verhält es sich mit der Bekleidung. Samu: "Wir müssen in der Öffentlichkeit immer unsere Kluft tragen."

Weiterreise

Das Quintett machte auch Bürgermeisterin Karola Voß seine Aufwartung. Die fünf trugen ihren Wanderspruch vor, von der Stadt gab es ein Siegel ins Wanderbuch und einen Obolus für die Weiterreise. Wohin es geht? Das wissen die fünf Wandergesellen noch nicht. Vielleicht Richtung Norden, vielleicht Richtung Westen. "Fixe Tippelei!"

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