Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Mehrheit im Kulturausschuss gegen Straßenumbenennung

Lieber kritische Zusatzschilder

Hindenburgallee, Wagenfeldstraße und Lönsweg sollen ihren Namen behalten. Dafür hat sich am Mittwochabend der Schul- und Kulturausschuss nach kontroverser und sachlicher Debatte mehrheitlich ausgesprochen. Gegen eine Umbenennung votierten die zwölf Ausschussmitglieder der CDU, FDP und WGW, während die sieben Vertreter von SPD, UWG und Grünen für neue Straßennamen stimmten. Am Donnerstagabend entscheidet der Rat in dieser Frage.

AHAUS

von von Stefan Grothues

, 24.10.2012
Mehrheit im Kulturausschuss gegen Straßenumbenennung

Der Lönsweg soll nach Meinung des Kulturausschusses ebenso wie die Hindenburgallee und die Wagenfeldstraße ihren Namen behalten - allerdings mit einem kritischen Zusatzschild.

Muss die Hindenburgallee im Lichte neuerer historischen Erkenntnisse umbenannt werden? Dürfen Hermann Löns und Karl Wagenfeld, die beide im Kontext des Nationalsozialismus eine besondere Rolle spielten, noch Namensgeber für Straßen in Ahaus sein?Peter Mensing (CDU) erklärte, seine Fraktion habe über diese Fragen lange diskutiert und sich letztlich dafür entschieden, auf eine Umbenennung verzichten zu wollen, vor allem auch unter dem Eindruck der massiven Ablehnung eines Straßennamenwechsels  durch die betroffenen Anwohner. Mensing: „Warum eine Umbenennung 70 Jahre nach der NS-Zeit? Was kommt noch alles auf uns zu?“ Stattdessen plädiere die CDU für Zusatzschilder, die sich kritisch mit den Namensgebern auseinandersetzen sollten. Mensing betonte, die CDU wolle keine „Münsteraner Verhältnisse". In Münster hatte es im Namensstreit um den Hindenburgplatz monatelange heftige Auseinandersetzungen gegeben. Er hoffe mit Blick auf die Ratsdebatte am Donnerstag auf Kompromissbereitschaft auf allen Seiten. Er schlug vor, in Zusammenarbeit mit den Schulen Projekte zur Geschichte der Straßennamen in Ahaus zu fördern. Sie könnten die kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte fördern und Grundlage für erläuternde Zusatzschilder sein.

Hermann-Josef Herickhoff (SPD) erklärte dagegen, eine Entscheidung für die Beibehaltung der Straßennamen komme einer erneuten Ehrung gleich, selbst wenn es Zusatzschilder geben würde. Nebensächlich sei diese Frage ganz und gar nicht. Es gehe um die Frage der demokratischen Werte und darum, wem in Ahaus eine Vorbildfunktion zugeschrieben werde.  

 Die Nachbarschaft Wagenfeldstraße hatte sich nach der Berichterstattung in der Münsterland Zeitung in einem Brief an den Rat der Stadt gegen eine Namensänderung ausgesprochen. Die Anwohner verweisen darauf, dass das Lebenswerk Karl Wagenfelds schon bei der Namensgebung vor rund 50 Jahren bekannt gewesen sei. „Uns sind keine neuen Erkenntnisse bekannt, die jetzt einen Namensänderung dringend erforderlich machen“, heißt es in dem Brief. Gleichzeitig verweisen sie auf das Beispiel der Stadt Drensteinfurt. Die dortige Wagenfeldstraße habe ihren Namen behalten. Gleichzeitig verweise aber ein Zusatzschild darauf, dass der Heimatdichter und Gründer des Westfälischen Heimatbundes heute wegen seiner Förderung des Nationalsozialismus umstritten sei. „Vielleicht wäre so ein Schild ja auch in Ahaus möglich“, so die Nachbarschaft.

Lesen Sie jetzt