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Winfried Nachtwei hält Plädoyer für bewusstes Erinnern

Gedenkwoche der Canisiusschule

„Gegen eine Kultur des Vergessens und für die Erinnerung“ lautet das Motto der Gedenkwochen an der Bischöflichen Canisiusschule. Dazu gab es jetzt prominenten Besuch.

AHAUS

27.01.2012
Winfried Nachtwei hält Plädoyer für bewusstes Erinnern

Aufmerksame Zuhörer fand Winfried Nachtwei gestern bei seinen Ausführungen in der Canisiusschule.

Die Schülerinnen und Schüler haben sich anlässlich des Gedenktages an die Opfer des Nationalsozialismus zur Aufgabe gemacht, an das Schicksal der jüdischen Mitbürger zu erinnern, die dem NS-Regime zum Opfer gefallen sind. Am Freitagmorgen waren sie nicht alleine, sondern bekamen prominente Unterstützung von Winfried Nachtwei, Mitglied des Bundestags von 1994 bis 2009. Bereits im Rahmen seiner politischen Tätigkeit unter anderem im Verteidigungsausschuss hatte sich Nachtwei, der lange in Dülmen als Pädagoge tätig war und sich selbst als „notorischer Lehrer“ bezeichnet, mit vergangener und aktueller politischer Gewalt beschäftigt. „1989, also noch zur Sowjetzeit, reisten meine Frau und ich nach Riga“, erklärte der Politiker. „Diese Reise führte uns zu den Spuren der im Zweiten Weltkrieg nach Riga Deportierten.“ Die Entdeckungen wie Reste der Ghettos, die er dort machte, und die Tatsache, dass scheinbar niemand vor Ort etwas über die grausige Vergangenheit während der deutschen Besatzungszeit wusste, veranlasste ihn nachzuforschen und seine Erkenntnisse anhand von Vorträgen weiterzutragen.

Für die Evakuierungsaktion jüdischer Mitbürger sei ein enormer Organisationapparat in Gang gewesen, der für die Einrichtung von Ghettohäusern, die Planung der Zugrouten etc. zuständig war, erklärte Nachtwei. „Bereits einige Wochen vor Transportbeginn bekamen viele Juden die sogenannten Evakuierungsbriefe“, erläuterte er. Darin stand, was sie auf ihre „Reise“ mitnehmen durften: 50 Kilogramm Großgepäck, damit der Eindruck bestärkt wurde, dass es wirklich um einem Arbeitsansatz handele; Messer, Gabel und Rasierzeug allerdings waren verboten. „Zudem mussten sie noch 50 Reichsmark an die Reichsbahn für die Zugnutzung bezahlen“, so Nachtwei kopfschüttelnd. Am 10. Dezember 1941 begann für Tausende die Reise ins Ungewisse, unter ihnen 22 Ahauser Mitbürger, von denen nur vier die Deportation überlebten. Auch am Ankunftsort Riga hatten die Deutschen grausame „Vorarbeit“ geleistet: Es musste für die deutschen Ankömmlinge „Platz geschaffen“ werden, was zu Massentötungen am sogenannten „Blutsonntag“ im Wald von Rumbola führte. All diese Erkenntnisse lassen für Winfried Nachtwei nur eine Folgerung zu: „Wir sollten uns nicht damit abfinden, sondern hinsehen, wenn Menschlichkeit zerbricht und was tun. Dafür muss man kein Held sein!“

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