Aktion „Restlos glücklich“ verwertet aussortierte Lebensmittel

mlzChancen-Café

Borsig 11 und Tante Albert haben die Kooperation „Restlos glücklich“ entwickelt. Hier werden Lebensmittel, die weggeschmissen worden wären, gemeinschaftlich verbraucht.

von Alexandra Wachelau

Nordstadt

, 24.04.2019, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Chancen-Café an der Oesterholzstraße ist die Stimmung gut. Es wird gerade Essen geliefert: viele Erdbeeren sind dabei, aber auch Zwiebeln, Kartoffeln und Orangen. Letztere werden sofort zu Saft verarbeitet. „Das ist alles von den Lebensmittelläden aussortiert worden“, Guido Meincke, Vorstand der „Machbarschaft Borsig11“.

Im Chancen-Café dagegen werden die Reste sorgfältig verwertet. Vieles davon landet im Kochtopf. Aber auch ein Kühlschrank für das sogenannten Foodsharing, also ein Essensverteiler, steht im Café bereit. Die Menschen können sich hier umsonst an Lebensmitteln und Gerichten bedienen. „Backwaren sind beliebt“, sagt Zhamma Yakhnes, die momentan Teamleiterin ist. „Manchmal ist sehr schnell alles weg.“

Ein Zeichen dafür, wie gut das Projekt in der Nachbarschaft ankommt. Eine Gemeinschaft an Menschen, die sich im Café regelmäßig trifft und Essen austauscht, gibt es laut Meincke schon länger als „Restlos glücklich“. „Wir wollten das Ganze nur mehr in die Öffentlichkeit bringen“, sagt er. So wurden im vergangenen Jahr Workshops veranstaltet, Treffen organisiert und vor allem wurde gemeinsam gekocht.

Aktion „Restlos glücklich“ verwertet aussortierte Lebensmittel

Marlene Paul ist laut Guido Meincke eine „gute Seele" der Küche. © Wachelau

Neue Bekanntschaften in der Nachbarschaft

„Wir sind hier fast jeden Tag, um den Menschen auch etwas zu bringen“, sagt Yakhnes. „Es ist auch immer Action, weil wir viele neue Leute treffen – das gibt einem schon viel.“

Das Frühlingsfest am 26. April (Freitag) soll den ersten Geburtstag der Aktion feiern. Ab 14 Uhr werden die beliebten Workshops und Rezepte des vergangenen Jahres ausprobiert. Ein gemeinsames Abendessen und ein Konzert mit der Band Pele Caster steht auch auf dem Programm. „Das sind quasi alte Freunde aus der Nachbarschaft“, sagt Guido Meincke. Außerdem wird zu diesem Anlass auch die neue Giftbox des Chancen-Cafés eröffnet.

Restlos glücklich

Auch Kleidung wird nicht weggeworfen

Snowbird Maclowd, der diese Aktion mitorganisiert hat und in Zukunft verwalten wird, bekommt viel Lob, als er zur Veranschaulichung die Giftbox aufschließt: In zwei kleinen Räumen neben dem Café stapeln sich bis an die Decke Kartons und Regale voller Kleidung. „Das sind alles Spenden. Für ein wenig Geld kann man sich passende Kleidung mitnehmen“, sagt er.

Guido Meincke betont, dass sich im Laufe der Jahre im Café das entwickelt hat, was gerade auch in der Gesellschaft besprochen wird: weniger Verschwendung und ein bewussteres und nachhaltiges Konsumverhalten. „Das hat auf der einen Seite auch damit zu tun, dass wir und die Menschen vor Ort nur sehr wenig Geld haben. Auf der anderen Seite schonen wir so die Ressourcen und leben – in unserem kleinen Kreis – ein umweltfreundliches System vor, in dem Lebensmittel nicht verkommen.“

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