Albéniz' unbekannte Oper "Merlin" begeistert

Musiktheater im Revier

Er hatte mit seinen Opern kein Glück: Vor 110 Jahren schrieb Isaac Albéniz seinen "Merlin", uraufgeführt wurde sie erst 2003. Das Musiktheater im Revier zeigt nun, dass Albéniz "Merlin" zu Unrecht mit Nichtbeachtung gestraft wurde.

GELSENKIRCHEN

von Von Heinz-Albert Heindrichs

, 11.10.2011, 14:50 Uhr / Lesedauer: 1 min
Eine Fantasy-Traumwelt bietet das Musiktheater im Revier für Albeniz' Oper »Merlin«.

Eine Fantasy-Traumwelt bietet das Musiktheater im Revier für Albeniz' Oper »Merlin«.

In seinem letzten Lebensjahrzehnt arbeitete der Spanier Isaac Albéniz an einer großen Operntrilogie über König Arthur (Merlin - Lancelot - Guenevere), von der 1901 nur Merlin fertig wurde. Seine szenische Uraufführung erlebte dieser "Merlin" jedoch erst über hundert Jahre später (2003) in Madrid. Jetzt hat das Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen gewagt, die neue Spielzeit mit der deutschen Erstaufführung des unbekannten Werks zu eröffnen.Ensemble und durchdachte Regie begeistern Das Premierenpublikum war einhellig begeistert: von der musikalischen Präsenz der Solisten und Chöre, vom Orchester und Dirigent Heiko Mathias Förster, von den mythischen Bühnenbildern Frank Fellmanns, den vielen mittelalterlichen Kostümen Renée Listerdals, vor allem von Roland Schwabs lebendiger, durchdachter Regie.

Das Regieteam nimmt die Musik als eine Art anspruchsvoller Filmmusik wahr, die sich ideal in Bilder umsetzen lässt. So ergibt sich wie von selbst der visuelle Bezug zur Fantasy-Filmwelt. Schwab inszeniert die Arthussage mitten auf einer Autobahn, auf welcher der Zauberer Merlin (Björn Waag) einem Oldtimer entsteigt, um Arthus (Lars-Oliver Rühl) zum König zu krö-nen. Als am Ende die einstige Geliebte Nivian (Petra Schmidt) den Zauberer mit dem Schwert Excalibur tötet, öffnet sich die Autobahn und verschlingt ihn.

Der Schluss der Oper wirkt offen und fragmentarisch; er war ja auf eine Trilogie hin konzipiert, in welcher der Kampf des Bösen gegen das Gute im "Merlin" erst beginnt.

So neu gehört und gesehen wie jetzt in Gelsenkirchen könnte die Merlin-Oper die Chance haben, doch noch ins Repertoire zu gelangen. Es wäre Albéniz, der mit seinen Opern kein Glück hatte, sehr zu wünschen. Um das seltene Opernereignis "Merlin" zu erleben, lohnt es, von weit anzureisen.

Termine: 14./20./30.10, 4./6./ 19./25.11., Karten: Tel. (02 09) 409 72 00.

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